

FRIEDRICH MAXIMILIAN KLINGER (Bild 1) wurde als Sohn eines Stadtartilleristen am 17. Februar 1752 in Frankfurt a.M. geboren. er stammte aus ärmlichen Verhältnissen, konnte jedoch mithilfe seines Freundes JOHANN WOLFGANG GOETHE in Gießen Jura studieren. Erste schriftliche Kontakte zwischen GOETHE und KLINGER fallen in das Jahr 1769. Angenommen werden darf jedoch, dass sich beide schon länger kannten, da sie sogar zusammen das Gymnasium besuchten. GOETHE erinnerte sich in seiner Autobiografie "Dichtung und Wahrheit" des Jugendfreundes:
"Klingers Äußeres - denn von diesem beginne ich immer am liebsten - war sehr vorteilhaft. Die Natur hatte ihm eine große, schlanke, wohlgebaute Gestalt und eine regelmäßige Gesichtsbildung gegeben; er hielt auf seine Person, trug sich nett, und man konnte ihn für das hübscheste Mitglied der ganzen kleinen Gesellschaft ansprechen. Sein Betragen war weder zuvorkommend noch abstoßend, und, wenn es nicht innerlich stürmte, gemäßigt."
(Goethe: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. In: Goethes Werke, fünfundzwanzigster Band. Stuttgart und Tübingen: Cotta, 1830, S. 251)
GOETHE hatte Spaß an dem "Schönen, Wahren, Guten". Und so gestand er:
"Man liebt an dem Mädchen was es ist, und an dem Jüngling was er ankündigt, und so war ich Klingers Freund, sobald ich ihn kennen lernte. Er empfahl sich durch eine reine Gemütlichkeit, und ein unverkennbar entschiedener Charakter erwarb ihm Zutrauen. Auf ein ernstes Wesen war er von Jugend auf hingewiesen; er, nebst einer ebenso schönen und wackern Schwester, hatte für eine Mutter zu sorgen, die, als Witwe, solcher Kinder bedurfte, um sich aufrecht zu erhalten. Alles, was an ihm war, hatte er sich selbst verschafft und geschaffen, so dass man ihm einen Zug von stolzer Unabhängigkeit, der durch sein Betragen durchging, nicht verargte. Entschiedene natürliche Anlagen, welche allen wohlbegabten Menschen gemein sind, leichte Fassungskraft, vortreffliches Gedächtnis, Sprachengabe besaß er in hohem Grade; aber alles schien er weniger zu achten als die Festigkeit und Beharrlichkeit, die sich ihm, gleichfalls angeboren, durch Umstände völlig bestätigt hatten."
(Goethe: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. In: Goethes Werke, fünfundzwanzigster Band. Stuttgart und Tübingen: Cotta, 1830, S. 251)
KLINGERs ersten Dramen erschienen anonym. Dazu gehören sein Erstling "Otto" (1775), ein von GOETHEs "Götz" beeinflusstes Stück, und "Das leidende Weib" (1775), das erste Ehebruchsdrama der deutschen Literatur. Um zwei feindliche Brüder, ähnlich wie später in SCHILLERs "Die Räuber" und etwa zeitgleich in LEISEWITZ' "Julius von Tarent", geht es in "Die Zwillinge". 1776 gab er das Jurastudium auf und ging als hauptberuflicher Schriftsteller nach Weimar. Hier verfasste er 1776 in wenigen Wochen sein Drama "Sturm und Drang" (PDF 1) , das einer ganzen literarischen Bewegung den Namen gab. Es wurde erstmals Ostern 1777 in Leipzig aufgeführt. im Drama versuchte KLINGER, seine Auffassungen an einem Gegenwartsstoff mit welthistorischer Bedeutung zu verdeutlichen. Seine späteren Stücke wurden wesentlich durch SCHILLER und IFFLAND beeinflusst. Sein einstmals freundschaftliches Verhältnis zu GOETHE kühlte sichtbar ab. Erst nach 40 Jahren sahen sie sich wieder. GOETHE äußerte in einem Gespräch mit VON MÜLLER im Dezember 1824:
"Alte Freunde muss man nicht wiedersehen, man versteht sich nicht mehr mit ihnen. Jeder hat eine andere Sprache bekommen. Wem es Ernst um seine innere Cultur ist, hüte sich davor; denn der alsdann hervortretende Mißklang kann nur störend auf uns einwirken und man trübt sich das reine Bild des früheren Verhältnisses."
(In: Woldemar von Biedermann: Goethes Gespräche, Leipzig: Biedermann, 1909-1911, S. 121)
Inhalt
des Dramas
Helden des Dramas sind zwei englische Edelleute, deren Familien verfeindet sind. Der Sohn des einen
liebt jedoch die Tochter des anderen. Der moderne Romeo (Karl), durch Intrige
der Gunst seines Königs verlustig gegangen, flieht und findet als Soldat
im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg nach langen Wirren seine Julia (Caroline)
wieder. KLINGER begrüßt den Befreiungskampf weniger in Hinblick auf
seine politische und soziale Bedeutung, als vielmehr als Ausdruck seiner Hoffnung
auf die Befreiung der Gefühle in der "neuen Welt", fernab feudalabsolutistischer
Standesnormen. Im Gegensatz zu seinen anderen Dramen endet "Sturm und Drang"
glücklich, den Liebenden gelingt es, nach stürmischem Verlauf des Dramas,
die Eltern zu versöhnen.
Entstehung
des Dramas
Zur Entstehung
des Dramas wird das Jahr 1776 angegeben, KLINGER selbst datierte ins Jahr
1777, in jenes Jahr, in dem einige Hauptwerke des Sturm und Drang erschienen:
KLINGER selbst hatte sein Stück "Wirrwarr" genannt, sein Schweizer Freund CHRISTOPH KAUFMANN gab ihm den heutigen Titel.
Eigenart
klingerscher Dichtkunst
Eine Eigenart
klingerscher Dichtkunst wird in "Sturm und Drang" (PDF 1) besonders deutlich.
Bewusst zeichnet er in jeder seiner Figuren nur besonders stark ausgeprägte
Züge, die ihn interessieren. So ergänzen Karls Freunde Blasius und La
Feu den Haupthelden und heben durch ihre komische Übertreibung dessen Eigenheiten
hervor. Zusammen sind sie wie ein einziger widerspruchsvoller Charakter, der in
drei Personen Gestalt angenommen hat. So wurde es möglich, auf der Bühne
entgegengesetzte Eigenschaften einer Person deutlich zu machen, indem sie in Form
von unterschiedlichen Figuren zusammenstießen.
Besondere Erwähnung
verdient auch der zeitliche
Verlauf des Dramas, den Klinger in Abkehr von
aristotelischen Regeln gestaltete. In knapp 24
Stunden spielen sich die Ereignisse ab, die die zuvor in der Exposition
nur knapp angerissenen zehnjährigen Leiden des Helden beenden. Dieses atemberaubende
Tempo ist Ausdruck der neuen Lebensverhältnisse, in denen sich der Held wiederfindet und steht in deutlichem Kontrast zu den erstarrten
Formen des gesellschaftlichen Lebens und Denkens in der deutschen Realität.
Die wichtigsten Figuren des Dramas
Die
wichtigsten Figuren des Dramas sind:
Karl
Bushy, auch Wild genannt, der Sohn von Lord Bushy, ständig auf der
Suche nach einem neuen Lebensziel, hat sich in Caroline verliebt.
Jenny
Caroline Berkley, die Tochter von Lord Berkley ist die liebe und empfindsame
Tochter. Karl und Caroline sind das ideale Paar: Sie sind die zwei Hälften
eines Ganzen.
Lord Berkley, der schwermütige
alleinerziehende Vater von Caroline und ihrem Bruder Harry, doch Harry ist seiner
Meinung nach durch die Schuld seines einstigen besten Freundes Lord Bushy gestorben.
So wurde dieser sein Erzfeind. Doch Harry lebt, es ist der Kapitän Boyet.
So kann die Erzfeindschaft der beiden Männer besiegt werden und die Liebenden
vereint .
Des weiteren treten auf: Blasius und La Feu, Freunde Wilds, Lady
Katharine, dieTante Carolines, Louise, die Nichte des Lords, ein junger Mohr, der Wirth und Betty.
