Gründungsgeschichte
Amnesty International wurde 1961 von dem britischen Rechts-anwalt Peter Benenson
gegründet. Der Anwalt las in einer Zeitung erschüttert vom Schicksal zweier portugiesischer
Studenten. Sie hatten auf die Freiheit angestoßen und waren dafür von der Justiz des
Salazar-Regimes für sieben Jahre ins Gefängnis geschickt worden.
Am 28. Mai 1961 veröffentlichte Benenson in der Tageszeitung „The Observer“ einen Appell
mit dem Titel „Die vergessenen Gefangenen“. Darin machte er auf das Schicksal von
Menschen aufmerksam, die wegen ihrer politischen Über-zeugungen inhaftiert, gefoltert oder
ermordet wurden. Er rief dazu auf, sich in Briefen an die Regierungen für diese Menschen
einzusetzen und gründete eine Kampagne zu ihrer Unterstützung. Im Juli 1961 wurde aus
diesem „Appeal for Amnesty“ die Organisation Amnesty International.
Im ersten Jahr des Bestehens von Amnesty International gründeten sich bereits sieben
nationale Sektionen, darunter auch die deutsche.
Gewaltlose politische Gefangene
Die „Briefe gegen das Vergessen“ und andere Appellaktionen sind noch heute ein Mittel von Amnesty International, sich für gewaltlose politische Gefangene einzusetzen, die aufgrund:
oft ohne ordentliches Gerichtsurteil in Haft sind.
Zu weiteren weltweit erfolgreichen Kampagnen gehören:
Todesstrafe
Die weltweite Abschaffung der Todesstrafe ist ein weiteres Kernziel der Organisation.
Amnesty International betrachtet diese Strafe als grausam, erniedrigend und in höchstem
Maße unmenschlich. Die Todesstrafe stellt einen nicht zu rechtfertigenden Eingriff des
Staates in die unverletzlichen Rechte des Individuums dar.
Im Jahr 2008 wurden mindestens 2390 Personen in 25 Ländern hingerichtet, davon 70
Prozent in China. Mindestens 8864 Menschen wurden in 52 Ländern zum Tode verurteilt.
Die World Coalition against Death Penalty, der auch Amnesty International angehört, beging
am 10. Oktober 2003 erstmals den Internationalen Tag gegen die Todesstrafe.
Weitere Ziele
Die Freilassung von gewaltlosen politischen Gefangenen und die Abschaffung der
Todesstrafe blieben nicht die einzigen Anliegen der Organisation. Auf der Grundlage der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 wendet sich Amnesty International heute außerdem:
und setz sich:
Amnesty International kritisiert auch die unmenschlichen Haft-bedingungen und Verhörmethoden im US-Haftzentrum Guantánamo. Die Organisation begrüßt deshalb die Ankündigung des amtierenden US-Präsidenten, Guantánamo zu schließen.
Netzwerk Eilaktionen (Urgent Actions)
Amnesty setzt sich weltweit gegen drohende Menschenrechts-verletzungen ein. Immer wenn
Amnesty von willkürlichen Festnahmen, Morddrohungen, “Verschwindenlassen”, Folterungen
oder bevorstehenden Hinrichtungen erfährt, startet die Organisation eine Eilaktion – eine so
genannte Urgent Action. Binnen weniger Stunden wird ein Netzwerk von fast 80.000
Menschen in 85 Ländern (in Deutschland 10.000) aktiv: Die Mitglieder und Unterstützer von
Amnesty intervenieren umgehend per Luftpostbrief, Fax oder E-Mail bei den verantwortlichen
Stellen des menschenrechts-verletzenden Staates. Bei den Adressaten gehen Tausende von
Appellschreiben aus aller Welt ein.
2008 gab Amnesty 350 neue Eilaktionen zu Gunsten bedrohter Menschen heraus, zu 310
vorherigen Eilaktionen wurden weitere Informationen veröffent-licht. Erfreulicherweise
enthielten etwa 30 Prozent dieser weiteren Informationen positive Meldungen – Meldungen über Freilassungen, Hafterleichterungen, Umwandlung von Todesurteilen oder
Anklageerhebung gegen die für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen.
Deutsche Sektion
Die Arbeit von Amnesty International in der Bundesrepublik Deutschland wurde bereits 1961, unmittelbar nach der Gründung der Organisation,
aufgenommen. Die deutsche Sektion
umfasst gegenwärtig über 110 000 Mitglieder und Unterstützer. Sie hat hauptamtliche Büros
in Berlin und Bonn. Auf dem Bundesgebiet sind 668 Amnesty-Gruppen aktiv, darunter 486
lokale und 85 Länder- und Themenkoordinationsgruppen. Außerdem gibt es 97 Amnesty-Jugendgruppen. Generalsekretärin der deutschen Sektion ist seit Juli 2009 Monika Lüke.