Lebensgeschichte
ARISTOTELES wurde 384 v. Chr. im makedonischen Stagira geboren, wo sein
Vater NIKOMACHOS Leibarzt des makedonischen Königs war. 367 v. Chr.
kam ARISTOTELES nach Athen und wurde dort Schüler PLATONs und Mitglied
in dessen Akademie. Nach PLATONs Tod im Jahr 347 v. Chr. begannen für
ARISTOTELES die sogenannten Wanderjahre. Während dieser Zeit war er der Erzieher des jungen ALEXANDER DES GROSSEN
am Hof PHILIPPs II. von Makedonien. Er begann sich nun von den Lehren PLATONs
abzugrenzen.
Als er im Jahr 335 v. Chr. nach Athen zurückkehrte, gründete er
seine eigene Philosophenschule. 323 v.
Chr. musste ARISTOTELES wegen seiner makedonischen Abstammung aus Athen
fliehen. Er starb nur wenig später, 322 v. Chr., im Haus seiner Mutter
in Chalkis auf Euböa.
Sein Werk
ARISTOTELES ist neben SOKRATES und PLATON der prominenteste und einflussreichste
Philosoph der Antike. Er gilt als Begründer der Wissenschaftstradition des Abendlandes. Vom seinem breiten Gesamtwerk ist im Wesentlichen nur
das philosophische Werk erhalten geblieben. Die ästhetischen Schriften
umfassen Rhetorik und Poetik.
Von der Poetik sind nur der Teil, der sich mit der Tragödiendichtung befasst, und größere Passagen seiner Theorie des Epos erhalten.
Ausgangspunkt der aristotelischen Dichtungstheorie
ist der Gedanke der Mimesis, die Nachahmung
der Wirklichkeit.
Das aristotelische Drama
Große Bedeutung für die Dramentheorie
hatte der Begriff der Katharsis (Reinigung). Nach Auffassung des ARISTOTELES bewirkt die Tragödie, indem sie éleos
und phóbos (Jammer
und Schauder) auslöst, eine Läuterung
des Zuschauers.
Die dramatische Handlung umfasst demnach einen Spannungsbogen, der ausgehend von der Exposition des Konflikts über dessen vielfältige
Steigerung und Verwicklung bis hin zu seiner Auflösung führt.
Der Wendepunkt (turning point), das Umschlagen
von Furcht in Läuterung, wird als Peripetie bezeichnet. Dieser Wendepunkt muss ein klar erkennbarer Punkt im Handlungsverlauf
sein und zudem eine für den Zuschauer nachvollziehbare Motivation
haben, die ARISTOTELES in einem Fehler des tragischen Helden verankert.
Man spricht auch von tragischer Schuld. Die Tragik der Handlung darf dabei
nicht dem Zufall entspringen.
Der letzte Aspekt bildet das Gegengewicht zur Peripetie, die Anagnorisis. Sie ist das plötzliche Durchschauen eines verborgenen Zusammenhanges,
durch den der dramatische Prozess seine tragische Wendung erhält.
Drei Einheiten
ARISTOTELES erwähnt nur die Einheit der Handlung. Die klassischen französischen Dramatiker schlossen daran die Einheit
von Zeit und Ort
an.