
MILLER studierte Theaterwissenschaften
an der University of Michigan in Ann Arbor.
Um sein Studium zu finanzieren, war er unter anderem als Tellerwäscher,
Lastwagenfahrer und Fabrikarbeiter tätig. Nach seinem Studium arbeitete
er für das Federal Theatre Project.
Er lebte nach dem Zweiten Weltkrieg
als Hörspielautor und freier
Schriftsteller in Hollywood und New York. Der Durchbruch gelang
ihm mit den gesellschaftskritischen Dramen
All my Sons (1947, dt. Alle
meine Söhne) und Death of a Salesman.
Während der McCARTHY-Ära
(1950-1954), als es in den USA unter dem Senator MCCARTHY zu einer Verfolgungswelle
von Kommunisten kam, wurde auch MILLER Opfer, da viele seine Einstellung
"unamerikanisch" fanden. Er wurde wegen "unamerikanischer
Umtriebe" zu einer Geldbuße und zu einer Freiheitsstrafe
verurteilt.
Von 1956 bis 1961 war MILLER mit MARILYN MONROE verheiratet und geriet
in die Schlagzeilen der Klatschpresse. Für sie verfasste er das Drehbuch
zum Film The Misfits (1961, dt. Nicht
gesellschaftsfähig), doch die Ehe zerbrach.
1962 heiratete er die österreichische Fotografin INGE MORATH, mit
er bis zu ihrem Tod 2002 zusammenlebte. Von 1965 bis 1969 stand er dem
Internationalen PEN-Club (Schriftstellerverband) als Präsident
vor. MILLER erhielt neben weiteren wichtigen Auszeichnungen den Pulitzer-Preis
und den John-F.-Kennedy-Award für
sein Lebenswerk. Er verstarb am 10. Februar 2005 im Alter von neunundachtzig
Jahren.
Literarisches Schaffen
ARTHUR MILLER gilt als einer der führenden Vertreter des modernen
amerikanischen Theaters, der in Anlehnung an seine Vorbilder, besonders
HENRIK IBSEN und EUGENE O´NEILL, gesellschaftskritische
Themen mit neuen technischen Mitteln weitgehend realistisch auf
der Bühne darstellt. Das Theater ist für ihn - genauso wie für
HENRIK IBSEN - ein Mittel der Aufklärung.
Wie für diesen spielt auch für MILLER die Vergangenheit der
Figuren eine wichtige Rolle - von hier aus wird deren Entwicklung analytisch
beleuchtet. Deshalb vertritt MILLER das traditionelle, realistische Illusionstheater.
Der Eindruck des finanziellen Debakels, den MILLER in seiner eigenen Familie miterlebte, prägte seine kritische Einstellung zum Kapitalismus. Diesen sieht MILLER als System, in dem menschliche Ideale dem Profitstreben geopfert werden, wobei sich die Hoffnungen des kleinen Mannes als illusionär und trügerisch erweisen - so etwa in All my Sons, MILLERs erstem großen Theatererfolg. Es erzählt die Geschichte des nach außen hin wohl situierten und angesehenen Fabrikanten Joe Keller, der von seiner dunklen Vergangenheit eingeholt und vernichtet wird.
In MILLERs bekanntestem Stück Death
of a Salesman sieht der Handlungsreisende Willy Loman für sich
keinen anderen Ausweg als den Selbstmord, da all seine Lebensziele entwertet
wurden. Weil er zu alt ist und keinen Erfolg als Vertreter hat, wird er
entlassen.
Seine Söhne haben ebenfalls versagt. Auch in diesem Stück kommt
es zur Katastrophe, weil dem Profitstreben
alle anderen menschlichen Werte geopfert wurden. Vor dem heutigen Hintergrund
gesellschaftlicher Probleme wie Globalisierung, Arbeitslosigkeit und Vergreisung
hat das Stück nichts von seiner Aktualität
eingebüßt. Mit dem Mittel der Rückblende
beschreibt MILLER geschickt Lomans Vergangenheit, in der er und seine
Familie noch Illusionen und Träume hatten.
Die politischen, auf Kommunisten gerichteten Verfolgungen des amerikanischen Senators McCARTHY in den 1950er-Jahren bilden den Hintergrund des Theaterstücks The Crucible (1953, dt. Hexenjagd). MILLER verbindet die puritanischen Hexenprozesse von Salem im Jahr 1692 mit den Ereignissen der Gegenwart. Anhand des Stückes wird exemplarisch dargestellt, wie leicht Aberglaube, Intoleranz und Fanatismus eine scheinbar demokratische Gemeinschaft zerstören können.
Die späteren Stücke MILLERs betonen die individuelle Verantwortung des Menschen, so z. B. After the Fall (1964, dt. Nach dem Sündenfall) und The Creation of the World and Other Business (1973, dt. Die Erschaffung der Welt und andere Geschäfte).
Aktualität
Die Dramen MILLERs weisen sich durch Zeitlosigkeit
und Aktualität aus:
Sowohl Death of a Salesman als auch The
Crucible wurden immer wieder neu verfilmt. Das Drehbuch
für die Verfilmung von The Crucible im
Jahr 1957 schrieb JEAN-PAUL SARTRE (Les Sorcières
de Salem/Die Hexen von Salem, Regie: RAYMOND ROULEAU). Als Schauspieler
wirkten YVES MONTAND und SIMONE SIGNORET mit.
Der Film zu Death of a Salesman wurde unter
anderem 1985 mit DUSTIN HOFFMAN in der Hauptrolle gedreht. MILLER selbst
schrieb hier das Drehbuch, und VOLKER SCHLÖNDORFF führte Regie.
1999 wurde das Stück am Broadway
wieder aufgenommen und gewann den Tony Award for the
Best Revival.
Werke (Auszug)
Dramen
A View from the Bridge (1955, dt. Blick
von der Brücke)
Incident at Vichy (1965, dt. Zwischenfall
in Vichy)
The Archbishop's Ceiling (1984, dt. Im
Palais des Erzbischofs)
I Can't Remember Anything (1986), Clara
(1986, beide dt. unter dem Titel Danger, memory!)
The Ride Down Mount Morgan (1991, dt. Talfahrt)
Broken Glass (1994, dt. Scherben)
Mr. Peter's Connections (1998)
Erzählung
I Don't Need You Anymore (1988, dt. Ich
brauche dich nicht mehr)
Essay
The Theatre Essays (1978, dt. Theateressays)
Drehbücher
Playing for Time (1980, dt. Spiel
um die Zeit)
Autobiografie
Timebends (1987, dt. Zeitkurven)