

Beliebt, verehrt und vielen Neuseeländern emotional näher als RUTHERFORD ist SIR EDMUND HILLARY. 1953 bestieg er gemeinsam mit dem nepalesischen Sherpa TENZING NORGAY als Erster den höchsten Berg der Erde, den Mount Everest im Himalaya-Gebirge. Neben weltweitem Ruhm und Anerkennung erntete er für diese Leistung einen von der englischen QUEEN ELIZABETH II. verliehenen Adelstitel. In den folgenden Jahren nahm er zahllose weitere, hochrangige Ehrungen entgegen. HILLARY erfreut sich bis heute ungebrochener Beliebtheit, weil er neben Heldentum auch Herzensgüte beweist: Seit 1961 engagiert er sich für das nepalesische Bergvolk der Sherpa, seine Stiftung Himalaya Trust rief er eigens hierfür ins Leben. In Neuseeland ist EDMUND HILLARY auf dem Fünf-Dollar-Schein verewigt.
KATE SHEPPARD ist auf dem Zehn-Dollar-Schein abgebildet. Man könnte sie als wichtigste Heldin neuseeländischer Geschichte bezeichnen. Als engagierte Frauenrechtlerin (Suffragette) setzte sie sich Ende des 19. Jahrhunderts für die Gleichstellung von Mann und Frau ein. Nach drei Petitionen gelang es ihr mit Unterstützung von rund 32 000 Neuseeländerinnen, deren Unterschriften sie gesammelt hatte, die Regierung davon zu überzeugen, das Frauenwahlrecht einzuführen. 1893 wurde das Gesetz verabschiedet. Neuseeland steht damit an der Weltspitze: In England und Deutschland wurde das Frauenwahlrecht 1918, in Österreich 1919, in Amerika 1920 und in der Schweiz erst 1971 eingeführt.
Forschung
Neben ERNEST RUTHERFORD hat Neuseeland zwei weitere Nobelpreisträger
vorzuweisen: Der Physiker MAURICE WILKINS ermöglichte mit seiner
Arbeit die Ableitung der DNA-Struktur. Es gelang ihm, mit Röntgenstrahlen DNA zu durchleuchten und sichtbar
zu machen. Zusammen mit JAMES WATSON (USA)und FRANCIS CRICK (Großbritannien),
die daraufhin Form und Anordnung des Erbguts ableiten konnten, bekam er
1961 den Nobelpreis Physiologie/Medzin.
Der Chemiker ALAN MACDIARMID erhielt 2000 zusammen mit ALAN HEEGER (USA)
und HIDEKI SHIRAKAWA (Japan) den Nobelpreis
Chemie für die Entdeckung und Entwicklung leitfähiger Kunststoffe. Sie gelten als zukunftsträchtiges Material
und werden bereits in moderner Elektronik, beispielsweise bei Handys eingesetzt.
Ein fleißiger Erfinder ist schließlich COLIN MURDOCH. Eines
seiner über 40 Patente ist
für die sterile medizinische Plastik-Einwegspritze,
die er 1956 erfand.
Sport
Sport ist eines der wichtigsten
Themen im gesellschaftlichen Leben Neuseelands. In dem Land, in dem sich
vor allem Extremsportarten größter
Beliebtheit erfreuen, ist seit jeher ein regelrechter Drang zum Rekord-Brechen
zu beobachten. So halten die Neuseeländer an der Überzeugung
fest, mit dem Farmer und Erfinder RICHARD PEARSE den ersten Flugzeugpiloten der Welt hervorgebracht zu haben. Im März 1903 soll PEARSE in Waitohi
mit einem selbstgebauten motorisierten Flugapparat gestartet und 140 Meter
geflogen sein. Gemeinhin werden die amerikanischen WRIGHT-Brüder,
die im Dezember 1903 starteten, als erste Flieger erachtet.
Unbestritten ist der fliegerische Erfolg der Pilotin JEAN BATTEN: 1934
brach sie mit ihrem Gipsy-Moth-Doppeldecker den Rekord von England nach
Australien. Die Garbo der Lüfte, wie BATTEN auch genannt wurde, landete
dort nach 14 Tagen. Von 1936 bis 1980 hielt sie den Langstreckenrekord
für London-Australien-Neuseeland.
Zu Boden sind die Neuseeländer mindestens ebenso erfolgreich. Legendären
Ruhm genießt der Leichtathlet PETER SNELL, der bei den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom Gold über
800 Meter lief, bei den Folgespielen 1964 in Tokio sowohl über 800
als auch über 1500 Meter ungeschlagen siegte und 1962 gleich zwei
Weltrekorde brach: über 800 Meter und eine Meile. Trainiert worden
war SNELL von seinem Landsmann ARTHUR LYDIARD, dem weltweit gefeierten
Erfinder des Joggens, dessen Methoden bis heute von Spitzensportlern angewandt
werden.
Einer der Großen im neuseeländischen Sportlerolymp ist auch
der Rennfahrer DENNIS HULME. Er fuhr
ab 1965 erfolgreich bei der Formel 1. Von den 112 Rennen, die er bestritt,
gewann er acht, 1967 wurde er Weltmeister. Nachdem HULME 1974 aufgehört
hatte, kehrte er Mitte der 1980er-Jahre als Tourenwagenfahrer zurück.
Als solcher starb er 1992 auch während eines Rennens.
Dass man in Neuseeland nicht unbedingt Mensch sein muss, um als erfolgreicher Sportler gefeiert zu werden, beweist das Rennpferd PHARLAP das zwar in Neuseeland zur Welt kam, jedoch in Australien trainiert wurde und sagenumwobene 37 Rennen gewann. Das Tier war 1930 Opfer eines Mordanschlages und starb 1932 unter mysteriösen Umständen in Kalifornien. PHARLAP ist bis heute in Neuseeland und Australien eine Berühmtheit, 1983 wurde sogar sein Leben verfilmt.
Kultur
Es haben in jüngster Zeit verstärkt neuseeländische Filmemacher
auf sich aufmerksam gemacht. Dabei gibt es auch in den anderen kulturellen
Bereichen wichtige neuseeländische
Künstler. Eine etablierte Größe
ist die Opernsängerin KIRI TE KANAWA,
die schon auf allen bedeutenden Bühnen der Welt gestanden hat und bei
der Hochzeit des englischen Thronfolgers PRINCE CHARLES mit DIANA SPENCER
1981 in Westminster Abbey auftrat.
Als Grandes Dames der Literatur sind KATHERINE MANSFIELD und JANET FRAME zu nennen. Beide Frauen, die eine
aus dem frühen 20., die andere aus dem frühen 21. Jahrhundert,
sind gängige Namen in der internationalen Literaturszene.
Im Bereich Film haben die Regisseurin
und Drehbuchautorin JANE CAMPION mit The Piano
(1993) und der Filmemacher PETER JACKSON mit seinem Lord
of the Rings (2001 bis 2003)
Aufsehen erregt. Auch LEE TAMAHORIS Once were Warriors
(1995) und NIKI CAROS Whale Rider (2002)
wurden weltweit gefeiert.
Schauspieler wie ANNA PAQUIN, TEMUERA MORRISON oder KEISHA CASTLE HUGHES erlangten durch
diese Produktionen Berühmtheit.
Der zwar in Australien aufgewachsene aber in Neuseeland geborene RUSSELL
CROWE (Gladiator, 2000) und der aus Hollywood
bekannte SAM NEILL (Jurassic Park, 1993) vervollständigen
das sich ständig erweiternde neuseeländische Staraufgebot.
Und auch Popstars gibt es in Neuseeland.
Aus der lebendigen und vielfältigen Musikszene schafften Bands wie
CROWDED HOUSE oder OMC den Sprung auch in die europäischen Charts.