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Britische Jugendmagazine
Jugendmagazine für Mädchen beschäftigen sich zumeist mit Mode, Kosmetik und Stars
Das Aufkommen von Massenmedien wie Zeitschriften und Zeitungen setzt zweierlei voraus. Erstens: Dass es ein Publikum gibt, das an solchen Produkten interessiert ist; man spricht von einem Markt. Zweitens: Dass die technischen Voraussetzungen gegeben sind, um den Markt zu erschließen.
In England, wo die Industrialisierung früher begann als in Kontinentaleuropa, bestand bereits Ende des 18. Jahrhunderts die Möglichkeit, in massenhafter Auflage zu drucken. Waren es zunächst noch Intellektuelle, vornehmlich Herren der Oberschicht, die lasen, griff die Leselust bald auch in den unteren Schichten um sich. Zeitschriften für Männer, für Frauen und bald auch für Jugendliche kamen auf.
Die ersten massenhaft verbreiteten Zeitschriften sind mit ihren heutigen Pendants kaum zu vergleichen. Werden heute gängige Jugendzeitschriften von Bildern dominiert und sind die abgedruckten Texte eher kurz gehalten, so verhielt sich das Text-Bild-Verhältnis in den frühen Zeitschriften genau anders herum: lange Geschichten, kaum Illustrationen. Lesen konnten die Jugendlichen in den Heftchen abenteuerliche Geschichten über Raub, Mord, Totschlag, action stories eben, die fesselten und mitrissen.
Penny Dreadfuls wurden diese Veröffentlichungen genannt. Ihr Preis, ein Penny, war so niedrig, dass sich auch arme Kinder aus der Arbeiterklasse das Vergnügen leisten konnten. Die Geschichten waren nach Ansicht gebildeter Leser so haarsträubend blutrünstig und überzogen, dass sie sie als grauenhaft (dreadful) bezeichneten.
Die von EDWIN JOHN BRETT herausgegebene Boys of England-Heftchen gehörten ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu den ersten Penny Dreadfuls, die massenhafte Auflage und massenhafte Leserschaft fanden. Auf bis über 200 000 gedruckte Exemplare die Woche stieg die Auflage der Zeitschrift. Heute geht man davon aus, dass die Heftchen, waren sie einmal erstanden, die Runde machten und so durch die Hände mehrerer Leser gingen. Mancherorts sollen sich Jugendliche auch zu Leseclubs zusammengeschlossen haben, um für die Zeitschriften bezahlen zu können.

Als Gegenströmung zu den Pennys kamen bald bürgerliche Jugendzeitschriften auf den Markt. In Blättern wie The Boy's Own Paper (ab 1879) oder Union Jack (ab 1880), bald auch in speziell für Mädchen konzipierten Heften wie The Girl's Own Paper oder The Monthly Packet veröffentlichten respektierte Jugendautoren, z. B. Alice in Wonderland-Erfinder LEWIS CARROLL.
Zahlreich waren außerdem religiös orientierte Zeitschriften, die den jungen Lesern Werte und Moral zu vermitteln suchten, etwa das ab 1843 veröffentlichte Morning - A Magazine For Young Folk. Doch die Verkaufszahlen zeigten: Junge Leser wollten auch weiterhin mit Straßenräubern, Piraten und Wilddieben durch Fantasielandschaften streifen.
Entsprechend großer Beliebtheit erfreuten sich deshalb auch die Annuals, die üblicherweise vor Weihnachten herauskamen und einmal im Jahr die besten Geschichten aus den Abenteuer-Heften zusammenfassten.

Um die Jahrhundertwende und Anfang des 20. Jahrhunderts kam ein neuer Heldentyp auf. In bei selben Preis verkauften Heftchen mit gemäßigterem Inhalt wurden nun Detektivgeschichten (thriller) oder Schulabenteuer erzählt, waren die Hauptfiguren also nicht mehr ausschließlich kriminell und ruchbar.
Für die Mädchen gab es weiter gesonderte Veröffentlichungen, etwa die Hefte Schoolgirl (ab 1922) oder Schoolgirl Weekly (ab 1929).
Mit zunehmender Beliebtheit des Kinos und fortschreitenden Möglichkeiten in der Drucktechnik fanden zudem berühmte Schauspieler und Schauspielerinnen auf Abbildungen ihren Weg in die Heftchen. Die Mädchen erwiesen sich ihnen gegenüber als zugänglicheres Publikum.

Um die Jahrhundertwende etablierte sich neben den gemäßigteren Abenteuergeschichten eine weitere Heftart, die den Penny Dreadfuls und bürgerlichen Magazinen zur ernsthaften Konkurrenz werden sollte: die Comics. Ursprünglich zur Unterhaltung erwachsener (Zeitungs-)Leser gedacht, fanden die gezeichneten Trickbilder schnell jugendliche Fans und wurden bald zum Inbegriff oder Synonym für Jugendzeitschriften. Funny Cuts und Snap-Shots waren beliebte britische Comicheftchen der ersten Stunde. Schnell erlebte die in Amerika begründete Comic-Kultur auch in England ihren Aufstieg. Genres bildeten sich heraus, etwa die sehr erfolgreichen Gary-Cooper-Abenteuer-Comics, die im Jester-Heft erschienen.

Während Heftromane weiterhin beliebt wurden, entwickelte sich der Markt für Unterhaltungszeitschriften im Ganzen Mitte des 20. Jahrhunderts weiter. Ab den 1940er-Jahren nahm die Macht der fotografierten Bilder zu. Parallel zum erstarkenden Kino kamen Filmzeitschriften auf den Markt, etwa Film Reel. Es waren nun keine erdichteten Fantasiehelden mehr, die die Herzen des Publikums höher schlagen ließen, sondern Vorbilder aus Fleisch und Blut, echte Stars mit echten Namen und echten Gesichtern, die den Lesern von Fotoabdrucken zulächelten.
Ein wichtiger Einschnitt war in den 1960er-Jahren das Aufkommen der Popmusik. Der bis heute unerreichte Erfolg der BEATLES gab dem Fan-Phänomen neue Dimensionen. Plötzlich waren Stars nicht mehr die Produkte von Heften und Zeitschriften, sondern Hefte und Zeitschriften Produkte die durch Stars überhaupt erst entstanden. Neben Beatles Weekly erschienen bald weitere sogenannte Fanzines (Fan Magazines). Und: Die Musikzeitschrift, neben dem Comic die andere "typische" Jugendzeitschrift-Art entstand. Pop Weekly war in den frühen 1960ern sehr erfolgreich, ebenso der New Musical Express, der heute als NME Erfolg hat.

Während die Jungens sich eher für Technik und Inhalt interessierten, neben Comics und seit den 1930ern beliebten Science-Fiction-Heften vor allem musikspezifische Zeitschriften wie Record Mirror kauften, waren die Mädchen eher auf Details und Geschichten versessen. Klassische Mädchenmagazine, wie es sie bis heute gibt, kamen in Mode. In Jackie (Mitte der 1960er) gab es viele Fotos und Starinterviews, in Girl, Mirabelle oder Valentine auch kleine love stories, Comics für Mädchen und Klatschrubriken über angesagte Popstars.
Immer beliebter wurden auch Heftchen, die ausschließlich aus photo-love-stories bestanden. Überhaupt spezialisierten sich die Hefte zusehends. In den 1970ern gab es ein erstes Hoch an verschiedenen Zeitschriftenformaten und Inhalten.
Die ersten Fußballmagazine, z. B. Shoot, wurden populär. Das Angebot an Musikzeitschriften erweiterte sich (Smash Hits, ab1979, Sounds ab 1970). Musikmagazine begannen, sich auf verschiedene Musikstile zu spezialisieren.

Und es wurde mehr auf die jeweiligen Bedürfnisse der Leser eingegangen. Während Jungen (bis heute) Themen- und Hobby orientiert lesen, sind Mädchen eher für eine bunte Mischung aus Mode, Glamour und Stars zu begeistern. Als klassische Jungenthemen haben sich Sport, Technik, Naturwissenschaften heraus gebildet. Klassische Mädchenschwerpunkte sind Pferde, Mode, Kosmetik, Stars.
Diese Schwerpunkte beeinflussten auch immer mehr die Werbung, die heute in vielen Jugendmagazinen fast genauso viel Raum einnimmt, wie die redaktionellen Beiträge.
Im Verlauf der 1980er-Jahre entwickelte sich der Markt weiter, doch in den 1990er-Jahren kam es zum Bruch. Viele der langjährigen Erfolgsgaranten wurden aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Etwa 2000 AD, ein Jungenmagazin, das in den 1950ern unter dem Titel Eagle angefangen hatte und in den 1960ern mit Dan Dare große Erfolge hatte. 1997 wurde die Zeitschrift wieder aufgenommen.
Ebenfalls eingestellt wurden Record Mirror, Sounds und die Fußballzeitschrift Roy of Rovers.
Auch erfolgreiche Produkte für Mädchen, wie Jackie und Mandie wurden Anfang der 1990er zu Grabe getragen.

Der Markt veränderte sich. Insgesamt nahm die Zahl der Zeitschriften aber nicht ab. Mehr spezialisierte Magazine kamen auf, oft auch in Ergänzung etwa zu TV-Serien oder Computerspielen. Auf diesem Sektor gibt es heute besonders viele Titel, etwa X-Box, Nintendo, PC Zone, Playstation 2, PC Gamer. Für Mädchen gibt es Blätter wie Elle Girl, Sugar, More, Buffy the Vampire Slayer. Es gibt Zeitschriften zu Sportarten Rugby World, World Soccer, Technik Superbike, Kinozeitschriften wie Empire, Soaplife, Uncut, und vor allem Musikhefte Mojo, DJ, Mixmag, M8, um nur einige zu nennen.

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