Als Gegenströmung
zu den Pennys kamen bald bürgerliche
Jugendzeitschriften auf den Markt. In Blättern wie The
Boy's Own Paper (ab 1879) oder Union Jack
(ab 1880), bald auch in speziell für Mädchen konzipierten Heften
wie The Girl's Own Paper oder The
Monthly Packet veröffentlichten respektierte Jugendautoren,
z. B. Alice in Wonderland-Erfinder LEWIS CARROLL.
Zahlreich waren außerdem religiös
orientierte Zeitschriften, die den jungen Lesern Werte
und Moral zu vermitteln suchten, etwa
das ab 1843 veröffentlichte Morning - A Magazine
For Young Folk. Doch die Verkaufszahlen zeigten: Junge Leser wollten
auch weiterhin mit Straßenräubern, Piraten und Wilddieben durch
Fantasielandschaften streifen.
Entsprechend großer Beliebtheit erfreuten sich deshalb auch die
Annuals, die üblicherweise vor Weihnachten
herauskamen und einmal im Jahr die besten Geschichten aus den Abenteuer-Heften
zusammenfassten.
Um die Jahrhundertwende und Anfang des 20. Jahrhunderts kam ein neuer
Heldentyp auf. In bei selben Preis verkauften Heftchen mit gemäßigterem
Inhalt wurden nun Detektivgeschichten
(thriller) oder Schulabenteuer erzählt,
waren die Hauptfiguren also nicht mehr ausschließlich kriminell
und ruchbar.
Für die Mädchen gab es weiter gesonderte Veröffentlichungen,
etwa die Hefte Schoolgirl (ab 1922) oder Schoolgirl
Weekly (ab 1929).
Mit zunehmender Beliebtheit des Kinos
und fortschreitenden Möglichkeiten in der Drucktechnik fanden zudem
berühmte Schauspieler und Schauspielerinnen
auf Abbildungen ihren Weg in die Heftchen. Die Mädchen erwiesen sich
ihnen gegenüber als zugänglicheres Publikum.
Um die Jahrhundertwende etablierte sich neben den gemäßigteren Abenteuergeschichten eine weitere Heftart, die den Penny Dreadfuls und bürgerlichen Magazinen zur ernsthaften Konkurrenz werden sollte: die Comics. Ursprünglich zur Unterhaltung erwachsener (Zeitungs-)Leser gedacht, fanden die gezeichneten Trickbilder schnell jugendliche Fans und wurden bald zum Inbegriff oder Synonym für Jugendzeitschriften. Funny Cuts und Snap-Shots waren beliebte britische Comicheftchen der ersten Stunde. Schnell erlebte die in Amerika begründete Comic-Kultur auch in England ihren Aufstieg. Genres bildeten sich heraus, etwa die sehr erfolgreichen Gary-Cooper-Abenteuer-Comics, die im Jester-Heft erschienen.
Während Heftromane weiterhin beliebt wurden, entwickelte sich der
Markt für Unterhaltungszeitschriften im Ganzen Mitte des 20. Jahrhunderts
weiter. Ab den 1940er-Jahren nahm die Macht der fotografierten Bilder
zu. Parallel zum erstarkenden Kino kamen Filmzeitschriften
auf den Markt, etwa Film Reel. Es waren nun
keine erdichteten Fantasiehelden mehr, die die Herzen des Publikums höher
schlagen ließen, sondern Vorbilder aus Fleisch und Blut, echte Stars
mit echten Namen und echten Gesichtern, die den Lesern von Fotoabdrucken
zulächelten.
Ein wichtiger Einschnitt war in den 1960er-Jahren das Aufkommen der Popmusik.
Der bis heute unerreichte Erfolg der BEATLES gab dem Fan-Phänomen
neue Dimensionen. Plötzlich waren Stars nicht mehr die Produkte von
Heften und Zeitschriften, sondern Hefte und Zeitschriften Produkte die
durch Stars überhaupt erst entstanden. Neben Beatles
Weekly erschienen bald weitere sogenannte Fanzines
(Fan Magazines). Und: Die Musikzeitschrift,
neben dem Comic die andere "typische"
Jugendzeitschrift-Art entstand. Pop Weekly
war in den frühen 1960ern sehr erfolgreich, ebenso der New
Musical Express, der heute als NME Erfolg
hat.
Während die Jungens sich eher für Technik und Inhalt interessierten,
neben Comics und seit den 1930ern beliebten
Science-Fiction-Heften vor allem musikspezifische Zeitschriften wie Record
Mirror kauften, waren die Mädchen eher auf Details und Geschichten
versessen. Klassische Mädchenmagazine,
wie es sie bis heute gibt, kamen in Mode. In Jackie
(Mitte der 1960er) gab es viele Fotos und Starinterviews, in Girl,
Mirabelle oder Valentine auch kleine
love stories, Comics für Mädchen
und Klatschrubriken über angesagte Popstars.
Immer beliebter wurden auch Heftchen, die ausschließlich aus photo-love-stories
bestanden. Überhaupt spezialisierten sich die Hefte zusehends. In
den 1970ern gab es ein erstes Hoch an verschiedenen Zeitschriftenformaten
und Inhalten.
Die ersten Fußballmagazine,
z. B. Shoot, wurden populär. Das Angebot
an Musikzeitschriften erweiterte sich (Smash Hits,
ab1979, Sounds ab 1970). Musikmagazine
begannen, sich auf verschiedene Musikstile zu spezialisieren.
Und es wurde mehr auf die jeweiligen Bedürfnisse der Leser eingegangen.
Während Jungen (bis heute) Themen- und Hobby orientiert lesen, sind
Mädchen eher für eine bunte Mischung aus Mode, Glamour und Stars
zu begeistern. Als klassische Jungenthemen haben sich Sport, Technik,
Naturwissenschaften heraus gebildet. Klassische Mädchenschwerpunkte
sind Pferde, Mode, Kosmetik, Stars.
Diese Schwerpunkte beeinflussten auch immer mehr die Werbung,
die heute in vielen Jugendmagazinen fast genauso viel Raum einnimmt, wie
die redaktionellen Beiträge.
Im Verlauf der 1980er-Jahre entwickelte sich der Markt
weiter, doch in den 1990er-Jahren kam es zum Bruch. Viele der langjährigen
Erfolgsgaranten wurden aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.
Etwa 2000 AD, ein Jungenmagazin, das in den
1950ern unter dem Titel Eagle angefangen hatte
und in den 1960ern mit Dan Dare große
Erfolge hatte. 1997 wurde die Zeitschrift wieder aufgenommen.
Ebenfalls eingestellt wurden Record Mirror, Sounds
und die Fußballzeitschrift Roy of Rovers.
Auch erfolgreiche Produkte für Mädchen, wie Jackie
und Mandie wurden Anfang der 1990er zu Grabe
getragen.
Der Markt veränderte sich. Insgesamt nahm die Zahl der Zeitschriften aber nicht ab. Mehr spezialisierte Magazine kamen auf, oft auch in Ergänzung etwa zu TV-Serien oder Computerspielen. Auf diesem Sektor gibt es heute besonders viele Titel, etwa X-Box, Nintendo, PC Zone, Playstation 2, PC Gamer. Für Mädchen gibt es Blätter wie Elle Girl, Sugar, More, Buffy the Vampire Slayer. Es gibt Zeitschriften zu Sportarten Rugby World, World Soccer, Technik Superbike, Kinozeitschriften wie Empire, Soaplife, Uncut, und vor allem Musikhefte Mojo, DJ, Mixmag, M8, um nur einige zu nennen.