
Obwohl ROSSETTI schon früh begonnen hatte, Gedichte
zu schreiben, war er lange Zeit nur als Maler
bekannt.
Seine Frau ELIZABETH SIDDAL, die er 1860 geheiratet hatte, starb 1862
an einer Überdosis Beruhigungsmittel. Einige seiner Manuskripte hatte
ROSSETTI ihr 1862 als Grabbeigabe mitgegeben.
Nach dem Tod ELIZABETHS SIDDALs verschlechterte sich ROSSETTIs Gesundheitszustand:
Er fürchtete zu erblinden, wurde depressiv und abhängig von
Schlafmitteln. Erst 1869 veröffentlichte er einige Sonette,
1870 erschien der Band Poems. Dieser Gedichtband enthielt neben neuen
Gedichten auch solche, die er aus dem Grab wieder hatte ausgraben lassen.
Das Buch, das auch den ersten Teil des Sonettzyklus
The House of Life (dt. Das
Haus des Lebens) enthielt, erregte großes Aufsehen und rief
eine literarische Auseinandersetzung
hervor, in der die Gedichte ROSSETTIs als unanständig
und obszön beschimpft wurden.
In den Jahren 1871 bis 1874 ist das Leben und Schaffen ROSSETTIs durch
die Beziehung zu JANE MORRIS, der Frau des Künstlers WILLIAM MORRIS,
geprägt, die auf vielen seiner Bilder als Modell verewigt ist, z.
B. Proserpine (18731877; Tate
Gallery, London). In seiner letzten Lebensphase litt ROSSETTI unter
Halluzinationen. Er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück,
malte und dichtete aber weiter. Am 9. April 1882 starb er im Landhaus
eines Freundes in Birchington-on-Sea (Kent).
Die Präraffaeliten
ROSSETTI war Mitbegründer der Pre-Raphaelite-Brotherhood. Bei den Präraffaeliten handelte
es sich um eine 1848 gegründete englische Künstlervereinigung,
die sich gegen die gängigen viktorianischen Kunstschulen richtete
und deren Kunststil als revolutionär empfunden wurde. Die Präraffaeliten
orientierten sich an der Malerei der italienischen Renaissance. Als Vorbild sollten Werke der italienischen Maler vor RAFFAEL (1483-1520)
dienen. Sie ließen sich aber auch von den Gedichten der Romantiker inspirieren.
Als Maler bezog ROSSETTI seine Motive meist aus literarischen Vorlagen: der Bibel, der Artus-Sage, den Werken DANTEs, SHAKESPEAREs und ALFRED TENNYSONs. Er rückte dabei das ästhetische Erleben der Welt, d. h. das Schöne in Natur und Kunst hat Vorrang vor anderen Werten (Weltflucht, schöner Schein), ins Zentrum seiner Kunst. Seine poetischen Aquarelle erinnern in ihrer Flächigkeit und Farbgebung an mittelalterliche Glasmalereien und Miniaturen und zeichnen sich durch Detailgenauigkeit aus. Ab 1858 schuf ROSSETTI großformatige Frauenbildnisse, mit denen er Berühmtheit erlangte. Das Gemälde Beata Beatrix (1863; Tate Gallery, London) malte ROSSETTI in Trauer um seine Frau.
ROSSETTI und seine künstlerischen Wegbegleiter verehrten auch die Werke des italienischen Dichters DANTE (1265-1321) und seiner Zeitgenossen. So fertigte ROSSETTI Zeichnungen zu Motiven aus DANTEs Divina Commedia (Göttliche Komödie) an und übersetzte Schriften aus dem Dantekreis.
Literarisches Schaffen
Die bedeutendste Gedichtsammlungen ROSSETTIs bestehen aus
The House of Life ist im Stil des Symbolismus geschrieben, zu dessen Wegbereitern ROSSETTI gehört. Es stellt eine Klage über den Tod seiner Frau dar. In seiner Dichtung versucht ROSSETTI, die Spannung zwischen sinnlichem Schönheitskult und Vergänglichkeit aufzuheben.
ROSSETTIs bedeutendste Prosaschrift ist das Künstlerbekenntnis Hand and Soul (1850). Auch war er maßgeblich
an der Konzeption der Präraffaeliten-Zeitschrift The
Germ (1850) beteiligt. Seine Neigung zum Ästhetizismus beeinflusste u. a. OSCAR WILDE.
ROSSETTIs Gemälde, wie hier sein Werk Lilith, griffen oft biblische Themen auf.
Werke (Auszug)
Bildende Kunst
Ecce Ancilla Domini (1849-1850; Tate
Gallery, London)
The Girlhood of Mary Virgin (1848-1849; Tate
Gallery, London)
Monna Vanna (1866; Tate
Gallery, London)
Mariana (1868-1870; Art
Gallery and Museum, Aberdeen)
Astarte Syriaca (1875-1877; City
Art Gallery, Manchester)
Gedichte und Balladen
The Blessed Damozel (1850)
My Sister's Sleep (1850)
Willowwood (1868)
Sister Helen (1870)
Troy Town (1870)
Eden Bower (1870)
The King's Tragedy (1881)
The White Ship (1881)
Übersetzungen aus dem Italienischen
The Early Italian Poets together with Dante's Vita
Nuova (1861, später bekannt als Dante
and his Circle, 1874)