Da es keine Unterteilung in Real-, Hauptschule und Gymnasium gibt, besuchen
alle Kinder und Jugendlichen eine Schule, die sich in ihrem Angebot den
unterschiedlichen Neigungen und Talenten stellen muss. Dies führt
zu einer sehr viel reichhaltigeren Fächerauswahl
als in Deutschland. Neben den Pflichtfächern Englisch, Mathematik
und Naturwissenschaften, werden sowohl praxisnahe Fächer (Werken,
Computer etc.), als auch musische (Modern Dance, Singing etc.), sportliche
(Segeln, Rugby, Golf etc.) oder akademische Fächer angeboten. Fremdsprachen
sind nicht Pflicht, erfreuen sich jedoch großer Beliebtheit und
sind ebenfalls im Angebot.
Da Neuseeland sich seit einigen Jahren wirtschaftlich zum asiatischen
Raum hin orientiert, ist Japanisch
die am meisten gewählte Fremdsprache, gefolgt von Französisch
und Chinesisch. Bis zur 11. Klasse (
)
ist der Stundenplan noch relativ fest, sodass die Jugendlichen einen Überblick
bekommen. Dann aber müssen sie sich spezialisieren. Im Grunde treffen
neuseeländische Jugendliche in diesem Alter ihre erste Berufswahl,
indem sie sich entscheiden, ob sie praxisnahe oder für den Universitätszugang
nötige Fächer belegen. Bis zur
(Abschlussklasse) haben sie dann Gelegenheit, sich für ihren zukünftigen
Beruf, beziehungsweise ihr Studium zu qualifizieren. Die Palette reicht
von Automechaniker bis Jazz-Schlagzeuger.
Ein wichtiges Fach ist Outdoor
Education - Unterricht im Freien. Sportliche Unternehmungen im Klassenverband,
z. B. Wild-Wasser-Rafting sind üblich. Sie sollen das Gemeinschaftsgefühl
stärken, aber auch, zusätzlich zum Sportunterricht, für
körperlichen Ausgleich sorgen.
Der neuseeländische Schulalltag unterscheidet sich in seiner Organisation
deutlich vom deutschen. Es gibt keine Klassenarbeiten. Stattdessen müssen
die Schüler am Ende des Schuljahres Prüfungen bestehen, um zur
nächsten Klasse zugelassen zu werden. Derzeit wird jedoch ein neues
Modell erprobt, das den Schülern ermöglicht, übers Jahr
verteilt Punkte zu sammeln so dass sie dem Leistungsdruck am Schuljahresende
entgegentreten können.
Der Unterricht selbst ist grundsätzlich disziplinierter und frontaler
als in Deutschland. Auch die Aufteilung des Schuljahres unterscheidet
sich. Da Neuseeland auf der Südhalbkugel liegt, verhalten sich seine
Jahreszeiten umgekehrt zu den deutschen. So fallen die neuseeländischen
Sommerferien auf die heißeste Zeit des Jahres im Dezember.
Das Schuljahr beginnt im Januar und
dauert bis November. Es ist in vier Blöcke, sogenannte Terms
unterteilt. Nach jedem Term sind zwei Wochen
Ferien. Die Sommerferien dauern vier Wochen.
Für einen deutschen Schüler ungewöhnlich ist auch die Tatsache,
dass in Neuseeland nicht die Schüler, sondern die Lehrer ihre festen
Klassenzimmer haben. Die sind oft in eigenen Gebäuden untergebracht
und über das Schulgelände, den Campus,
verstreut.
Neuseeländische Schulen sind typischerweise sehr gut ausgestattet.
Computerräume, Fotolabors, Büchereien, meistens auch große
Sportanlagen und Swimmingpools gehören zur Grundausstattung. Davon
können die Schüler während ihrer Freizeit profitieren.
Es gibt ein umfangreiches Angebot an außerschulischen Angeboten
(Extracurricular Activities), während
denen die Schuleinrichtung genutzt werden kann. Neuseeländische Jugendliche
sind bis sie 16 sind schulpflichtig. Zur Auswahl stehen vier verschiedene
Arten von Schulabschluss:
das School Certificate (nach der 11. Klasse),
das
-Certificate
(nach der 12. Klasse), das Higher-School-Certificate
(Klasse 13) oder das Bursary Exam (Klasse 13),
das dem deutschen Abitur entspricht
und Zugangsvoraussetzung für die Universität ist.
Das Universitätssystem
Neben den Universitäten gibt es
in Neuseeland Hochschulen, die Lehrer ausbilden und Polytechs,
die mit deutschen Fachhochschulen vergleichbar
sind, jedoch ein umfassenderes Angebot haben und viele Berufe, für
die man in Deutschland eine Lehre oder Ausbildung macht, einschließen.
Die Zahl der Studierenden ist gemessen an der Gesamtbevölkerungszahl
von vier Millionen überdurchschnittlich hoch. Es gibt sieben Universitäten.
Zugangsvoraussetzung für die Universität ist das Bursary-Exam.
Ohne Schulabschluss kann man, wenn man seine Motivation begründet,
ab 20 Jahren, die Universität besuchen.
Studiengebühren
(Tuition Fees) sind an allen Universitäten
üblich und variieren in ihrer Höhe. Für bedürftige
Studenten gibt es die Möglichkeit finanzieller Unterstützung,
wenn sie nachweisen können, dass ihre Eltern nicht in der Lage sind,
ihr Studium zu bezahlen. Die Universitäten stehen im Wettbewerb
miteinander und werben offensiv um ihre Studenten. Zeitungsannoncen und
Werbespots in Radio und Fernsehen sind alltäglich. Da es in Neuseeland
keine Wehrpflicht gibt und die Schule nach zwölf Jahren beendet ist,
sind die neuseeländischen Studenten im Durchschnitt jünger als
ihre europäischen Pendants: Die meisten beginnen ihr Studium im Alter
von 18 Jahren. Verbreitet ist, vor Aufnahme des tatsächlichen Studiums
ein bis zwei Semester mit einem Studium Generale
zu verbringen. Das heißt verschiedenste Vorlesungen zu besuchen
und in verschiedene Fachbereiche zu "schnuppern". Die Studienfachauswahl
ist vielfältig und steht der europäischen in nichts nach. Es
gibt verschiedene Universitätsabschlüsse.
Der Bachelor, der sich derzeit auch an deutschen
Universitäten durchsetzt, erfolgt nach drei Jahren und ermöglicht
einen jungen Einstieg ins Berufsleben. Man kann aber auch weiterstudieren
und nach zwei Jahren seinen Master machen.
Eine neuseeländische Eigenheit ist der Bachelor
of Honors, einer Zwischenstufe zwischen Bachelor
und Master, der nach einem weiteren Jahr absolviert
werden kann. Nach dem Master besteht die Möglichkeit
zu promovieren, also einen Doktortitel
zu erwerben.