

Ein Gedicht ist meist aus Versen (verse)
und Strophen (stanza)
aufgebaut.
Gedichte sind außerdem eine sehr alte Literaturform und haben sich
daher oft bedeutend gewandelt, sodass heutzutage viele verschiedene Formen
nebeneinander existieren.
Daher gibt es heute Gedichte mit absolut strengem oder völlig freiem
Rhythmus (rhythm),
mit Reim (rhyme),
sowie ohne Reim oder auch Gedichte zu allen möglichen Themen wie
Liebe, Natur und Technik.
Ebenso kann auch die Grundstimmung vollkommen unterschiedlich sein; es
gibt humorvolle, ernste, traurige und melancholische Gedichte. Reime können
dabei humorvoll wirken oder eine traurige bzw. melancholische Empfindung
besonders hervorheben. Alle Gedichte verbinden jedoch trotz aller Unterschiede
und Vielfältigkeiten folgende Eigenschaften.
Inhaltlich werden im Gedicht thematisch alle Sphären des Lebens und der Welt aufgearbeitet. Neben dem wohl am meisten bevorzugtesten und am häufigsten behandelten Thema, der Liebe, existieren u. a. auch noch Trauergedichte, Willkommensgedichte, Epigrafen, Nonsensgedichte, Ulkgedichte, Lautgedichte.
Aufbau und Formen des Gedichts
Gedichte können entweder aus vollkommen gleich gebauten Strophen
bestehen oder aber auch aus völlig unterschiedlichen. Mit einer Strophe
beginnt meistens, ähnlich wie bei einem Absatz in einem erzählenden
Text, ein neuer Gedanke.
Metrum
Die Zeilen eines Gedichts sind oft durch ein Versmaß oder Metrum (metre) gegliedert und zu Strophen zusammengefasst.
Mit dem Versmaß wird dabei eine
bestimmte Abfolge von betonten und unbetonten Silben gemeint.
Dabei sind vier wichtige Formen zu unterscheiden:
1. |
Jambus (iamb): eine unbetonte, dann eine betonte Silbe (syllable) | ||
| To bè, or nòt to bè, that ìs the question | |||
(Hamlet, WILLIAM SHAKESPEARE) |
|||
2. |
Trochäus (trochee): eine betonte, dann eine unbetonte Silbe | ||
| Tìger! tìger! bùrning brìght | |||
(The Tiger, WILLIAM
BLAKE) |
|||
3. |
Daktylus (dactyl): eine betonte, zwei unbetonte Silben | ||
| Jùst for a hàndful of sìlver he lèft us | |||
(The Lost Leader, ROBERT
BROWNING) |
|||
4. |
Anapäst (anapest): zwei unbetonte, eine unbetonte Silben | ||
| The Assýrian came dòwn like a wòlf on a fòld | |||
(The Destruction of Sennacherib, LORD BYRON) |
|||
Die Grundversform der meisten Dramen zu Zeiten WILLIAM SHAKESPEAREs ist der jambische Pentameter (iambic pentametre).
Reim
Neben dem Rhythmus findet sich auch auf der Lautebene ein Muster, das
der Sprache aufgebürdet wurde. Der Reim ist eine regelmäßige Wiederholung desselben Klangs, was heutzutage
vor allem mit dem Gedicht in Zusammenhang gebracht wird. Allerdings wird
beim Vers eines Gedichtes, insbesondere in der europäischen Tradition
bis zur modernen Geschichte der Lyrik, ein deutlich freierer Gebrauch
des Reims praktiziert.
Beim Reim werden zwei Grundformen unterschieden; heutzutage ist der Endreim (end rhyme) die gebräuchlichere Form.
Der Gleichklang der Laute befindet sich dabei am Ende einer jeden Zeile,
welcher vom letzten betonten Vokal an beginnt.
In altenglischer Zeit war der Stabreim, die zweite Form, äußerst bedeutsam, teilweise auch noch in der mittelenglischen Literatur. Dieser wird auch als alliterierender Reim (alliterative rhyme) bezeichnet, wobei sich im gleichen Vers gleiche Anfangskonsonanten von betonten Silben wiederholen:
| The borgh brittened and brent to brondes and askes | ||
|
(Sir Gawain and the Green Knights,
14. Jhd.) |
||
Reimschema
Das Reimschema (rhyme
scheme) hat die Hauptfunktion, formale Einheiten innerhalb eines
Gedichts zu bilden. Es ist die traditionelle Abfolge von endreimenden
Versen, wobei gleiche Klänge als Kleinbuchstaben in alphabetischer
Reihenfolge verzeichnet werden.
Die gebräuchlichsten Reimschemata sind:
| Paarreim | (rhyming couplet): | aabb |
| Kreuzreim | (alternate rhyme): | abab |
| Umarmender Reim | (embracing rhyme): | abba |
Die Ballade - das epische Gedicht
Die Ballade wird als episches
Gedicht bezeichnet, da sie, ähnlich wie in einem Roman, einer Novelle,
Kurzgeschichte oder einem anderen epischen Werk, eine Handlung
erzählt. Sie behandelt oft eine erschütternde Begebenheit und
ist daher äußerst spannungsgeladen.
Die Ballade ist eine altfranzösische Versform, die gewöhnlich
aus drei acht- bis zehnzeiligen Strophen mit einer abschließenden
vierzeiligen Strophe, dem sogenannten Geleit,
zusammengesetzt ist. Meistens verwendet die Ballade jambische oder anapästische
Tetrameter des Reimschemas ababbcbc.
Das Geleit, eine Widmung an eine wichtige Persönlichkeit oder gar
eine Personifikation, folgt meistens dem Reimschema bcbc.
Eine weitere häufig gebrauchte Form der Ballade besteht aus einer
zehnzeiligen Strophe mit fünffüßigen Versen und dem Reimschema
ababbccdcd; das Geleit umfasst dabei fünf Zeilen des Reimschemas
ccdcd.
Die Ballade, die ursprünglich für musikalische Zwecke geschrieben
wurde, hat ihren Ursprung im Mittelalter
in Italien und der Provence. Als eigenständige Form entwickelte sie
sich erst im 14. Jahrhundert im Werk des französischen Dichters und
Komponisten GUILLAUME DE MACHAULT. Die bekanntesten Beispiele früher
Balladen stammen ebenfalls von französischen Dichtern des 14. und
15. Jahrhunderts: Zu dieser Zeit waren sie auch in England verbreitet;
besonders durch GEOFFREY CHAUCER (Complaint to His
Empty Purse), wo sie später eine Wiederbelebung erlebten.