Merkmale der Charakterisierung
Als wichtigstes Merkmal der literarischen Charakteristik gilt die Untersuchung,
inwiefern bestimmte Charaktermerkmale einer Figur durch die Gesellschaft
geprägt sind.
Für eine Charakteranalyse
stellt man sich somit die Frage, ob gewisse abgebildete Verhaltensweisen
in einer Gesellschaft zu einem konkreten Zeitpunkt weitverbreitet waren
oder wenigstens allgemein akzeptiert wurden oder gar als unwürdig
betrachtet wurden; falls dies nicht festzustellen ist, können sie
auf die Persönlichkeit zurückgeführt
werden. Somit steht im Zentrum einer jeden Charakterisierung die Frage
nach der gesellschaftlichen Relevanz bzw. Bedingtheit charakterlicher
Eigenschaften.
Die literarische Charakteristik lässt sich auf vier unterschiedliche
Arten durchführen:
Hinsichtlich der sprachlich-stilistischen Form einer Charakterisierung sind außerdem folgende Merkmale zu beachten:
Einzelcharakteristik
Bei der Einzelcharakteristik
sind unterschiedliche Gliederungsschemata
möglich. Die Reihenfolge der Gesichtspunkte, die im Hauptteil genannt
wurden, hängt demnach davon ab, wie bedeutsam sie für die Charakterisierung
sind.
Ein Gliederungsschema einer Figur mit Schwerpunkt Charaktereigenschaften
könnte für einen dramatischen Text folgendermaßen gestaltet
werden:
1. Einleitung
Die Einleitung enthält bündige
Informationen über den Autor und
den Titel des Theaterstückes,
sowie Angaben zur Textart. Weiterhin
sollte der Inhalt kurz zusammengefasst
werden, sodass auch die Bedeutung der Figur innerhalb des Dramas erkennbar
wird.
2. Hauptteil
Im Hauptteil geht es um die Themenfrage,
bei der die beobachteten Merkmale sorgfältig erfasst und aufgelistet
werden, um ein ganzheitliches Bild der analysierten Figur entstehen zu
lassen.
| 2.1 | Die äußere Erscheinung der Figur (über Anweisungen der Regie zu erarbeiten) |
| 2.1.1 | Alter und Geschlecht |
| 2.1.2 | Körperbau |
| 2.1.3 | Kleidung |
| 2.2 | Die soziale Lage der Figur |
| 2.2.1 | |
| 2.2.2 | |
| 2.3 | Die psychische Verfassung der Figur |
| 2.3.1 | |
| 2.3.2 | |
| 2.4 | Das Verhalten und Handeln der Figur |
| 2.4.1 | Sprachliche Fähigkeiten |
| 2.4.2 | Verhalten in Bezug auf Mimik und Gestik (ebenfalls über Regieanweisungen zu erhalten) |
3. Schluss
Zum Schluss der Einzelcharakteristik
wird ein zusammenfassendes, abschließendes Werturteil über
die charakterlichen Eigenschaften der Figur formuliert.
Direkte Charakterisierung
Bei der literarischen Charakterisierung unterscheidet man zwei Grundformen;
die direkte und die indirekte
Charakterisierung.
Direkt wird die Figur vom Erzähler
selbst oder anderen Figuren des epischen Werks mit Hilfe von Beschreibungen
und Kommentaren charakterisiert.
Die direkte Charakterisierung
durch den Erzähler kann durch eine kommentierende, auf eine Außensicht
gestützte Beschreibung einer Figur erfolgen. Weiterhin ist dies möglich
durch die Darstellung von Handlungen, Gefühlen, Wahrnehmungen, Sinneseindrücken
und Beziehungen der Figur zu einer oder mehrerer anderer Figuren. So werden
Ähnlichkeiten, sowie Gegensätze
verdeutlicht.
Außerdem ist die Einordnung der Figur in einen zeitlichen, räumlichen
und ursächlichen Zusammenhang
der Geschichte, aber auch die Redeinhalte,
einschließlich der indirekten Rede, von essenzieller Bedeutung für
die Charakterisierung.
Eine direkte Charakterisierung durch die Figuren kann in Form der direkten
Redewiedergabe oder der inneren Gedankenwiedergabe
einer anderen Figur geschehen. Aber auch die Figur selbst kann sich charakterisieren.
Indirekte Charakterisierung
Durch die indirekte
Charakterisierung beschreibt sich die Figur durch ihre wörtliche
Rede und ihr Verhalten selbst. Außerdem kann auch der Erzähler
indirekte Charakterisierungen machen.
In der indirekten Figurencharakterisierung durch den Erzähler können
bei verschiedenen Figuren Kontraste
und Gegensätze bzw. bei ähnlichen
Figuren Gemeinsamkeiten verdeutlicht
werden.
Weiterhin kann auch Namengebung ein
Hinweis auf den Charakter der Figur sein, wie z. B. in lautmalenden,
sprechenden oder klassifizierenden Namen.
Außerdem spielt in der Figurencharakterisierung auch die Einordnung
der Figur und vor allem die Häufigkeit ihres Auftritts
im Drama eine bedeutende Rolle.
Die indirekte Figurencharakterisierung durch die Figuren selbst kann
in Form ihrer eigenen charakteristischen Redeweise
erfolgen.
Nicht unwichtig ist bei der Analyse auch die Frage, ob die Figuren es
vorziehen, bestimmte Inhalte in Form von direkter Rede oder innerer Gedanken
mitzuteilen.