Die Entwicklung der Epik
Die Epik ist teilweise erst nach längerer mündlicher
Überlieferung aufgeschrieben worden.
In der Regel ist sie allerdings als literarische Buchepik entstanden,
die nach den verschiedensten Gesichtspunkten wie z. B. Versepik oder Erzählprosa,
ernste oder komische Epik gegliedert werden.
Weiterhin lässt sie sich in Groß-
und Kurzepik unterteilen. Die Großepik
kennzeichnet sich durch Ausführlichkeit,
ausschmückende Darstellungen und eingeflochtene Episoden; diese Eigenschaft
nennt man epische Breite. Zu dieser Form der Epik zählt man das Versepos,
sowie den Roman (novel).
Zu der Kurzepik dagegen gehören
die Novelle (novella),
die Erzählung (story),
die Kurzgeschichte (short
story), die Anekdote (anecdote)
und die Fabel (fable).
Bis zur Poetik des 18. und 19. Jahrhunderts war Epik nur eine Bezeichnung
für die Kunst des Epos. Allerdings haben die zunehmende Differenzierung
der epischen Dichtung im 19. Jahrhundert, sowie die Entwicklung der Prosa
dazu geführt, dass man unter dem Begriff der Epik alle Genres der
erzählenden Literatur versteht.
Von der Dramatik und Lyrik lässt sie sich durch grundlegende Merkmale
in der Gestaltung, der Kommunikation und der Funktionsweise unterscheiden.
Derartige Merkmale der Epik sind:
Erste Formen der Epik waren unter anderem Aufschriften
auf Gegenständen. Die sogenannten Epigramme
erläuterten so den jeweiligen Gegenstand.
Im weiteren Verlauf entwickelte die Epik einen immer mehr poetischen Inhalt.
Das faktisch reale Geschehen wurde nun in personifizierten Taten und Ereignissen
abgebildet, was vor allem in Märchen
(fairy tale), Sagen
(myth) und Legenden
(legend) umgesetzt.
Bis Ende des 18. Jahrhunderts werden die Merkmale dieser Formen vom Epos
dominiert, was sich erst in der Übergangsphase von der feudalen zur
bürgerlichen Gesellschaft änderte. In Europa
löste diese Entwicklung den Übergang von der Vers-Epik zur Prosa-Epik
und die Entstehung neuer Erzählformen aus. Die wohl Bedeutendste
dieser neuer Formen war der Roman. Die Industrielle
Revolution und die daraus resultierenden effektiveren Mechanismen
zur Produktion und der anschließenden Verbreitung von Literatur
förderten und beschleunigten die Herausbildung weiterer literarischer
Formen wie der Novelle, der Glosse und der Kurzgeschichte.
Der Roman
Der Roman ist aus den unterschiedlichsten
Traditionen (tradition)
als Fortsetzung der mittelalterlichen Romanzen
entstanden. Die weitere Entwicklung führte zu einer zerstreuten Romanproduktion
im 17. Jahrhundert.
Der Roman gewann im 17. Jahrhundert enorm an Kraft, sodass er sich zu
einer kommerziellen Produktion wandelte. Im 18. Jahrhundert ist dann eine
Romanproduktion entstanden, die nur
als großer Umsatzbringer auf dem Markt fungiert und keinerlei Anspruch
darauf erhebt, als Literatur betrachtet zu werden.
Erst gegen Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Poesie
zum Thema einer sich schnell ausbreitenden nationalen Debatte wurde, konnte
sich der anspruchsvolle Roman entwickeln. Bereits seit langem boten sich
Romane als Epen in Prosa an; kritische
Beachtung erfuhr der Roman allerdings erst, als er als Gegenstück
des modernen bürgerlichen Dramas
auftrat. Die Literaturdiskussion
analysierte ihn nun erstmalig auf poetische, literarische und künstlerische
Qualitäten hin, die davor nur Dramen und Gedichten zugeschrieben
wurden.
Aus dieser Entwicklung heraus wurde der Roman zu einem Mittel, in dem
jegliche Diskussionen möglich waren. Weiterhin gelangte man zu dem
Schluss, dass Fiktionen (fiction)
nicht belanglos sein müssen und sie eine weitaus größere
Bedeutung haben können, als die ihnen der Autor bewusst beimisst.
Die Romandefinition selbst wurde im Verlauf ihrer Geschichte zum eigenen
Diskussionsfeld. Diese Diskussion endete vorerst damit, dass sich der
Roman vom abenteuerlichen Genre (genre)
zu einem bedeutsamen Vertreter einer der wichtigsten literarischen Gattungen
entwickelte.