





Das 18. Jahrhundert
Zur Zeit des Aufbaus einer amerikanischen Föderationsregierung
im Jahre 1789 verrichteten einige amerikanische Gebildete den einen wesentlichen
Beitrag zur Geistesgeschichte ihres Staates.
Weiterhin zählen zu den zentralen Werken dieser Epoche die Schriften
amerikanischer Politiker, welche sich während der amerikanischen
Revolution für eine Unabhängigkeit
des Landes von britischer Vorherrschaft einsetzten; eine äußerst
beeindruckende Auswahl dieser Zeugnisse lieferte der Historiker MOSES
COIT TYLER 1897 mit seiner Literary History of the
American Revolution ab.
Eine andere bedeutsame Sammlung von bedeutenden Reden und Schriften von
Politikern der Revolutionszeit, wie JOHN JAY, ALEXANDER HAMILTON und JAMES
MADISON, erschien in The Federalist, einem
bemerkenswerten Fürsprache für die neue Verfassung und die Demokratie.
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die amerikanische Literatur in Bezug
auf Form und Inhalt wesentlich weiter. Zur Zeit des Amerikanischen
Unabhängigkeitskrieges machte sich der Publizist THOMAS
PAINE einen Namen mit seinen Flugschriften Common
Sense (1776), sowie Crisis (1776-1783).
Darin sprach der tolerante Aufklärer seine Unterstützung für
den Wunsch der Kolonien nach Unabhängigkeit deutlich aus.
In The Age of Reason (1794-1796) übte
PAINE Kritik am Christentum, genauso
aber auch am Atheismus, wobei die Kritik
am Christentum heftige Reaktionen vom amerikanischen Publikum auslöste.
Während der Präsidentschaft GEORGE WASHINGTONs gehörte
Hartford im Bundesstaat Connecticut zu den bedeutendsten literarischen
Zentren der neuen Nation. In Hartford entstand als Zusammenschluss junger Schriftsteller der Kreis der sogenannten Hartford Wits.
Wirklich bedeutsam für die nachfolgende Entwicklung der amerikanischen
Literatur war der Beginn der Romantradition zu deren frühesten Nachweisen
Gattung u. a. das empfindungsvolle Buch The Power
of Sympathy (1789) von WILLIAM HILL BROWN und der realistische,
sowie satirisch anmutende Schelmen- bzw. Abenteuerroman Modern
Chivalry (1792-1815) des auch als Lyriker bekannten Autors HUGH
HENRY BRACKENRIDGE gezählt werden.
Das 19. Jahrhundert
In New York wirkten die drei ersten Vertreter einer nationalen und doch
kosmopolitischen literarischen Bewegung: WASHINGTON IRVING, WILLIAM CULLEN
BRYANT und JAMES FENIMORE COOPER.
Mit seinem Roman A History of New York, From the Beginning
of the World to the End of the Dutch Dynasty, by Diedrich Knickerbocker (1809) erschuf IRVING die Figur des legendären Stadtvaters mit Elementen
des komischen Epos, sodass eine politische
Satire New Yorks entstanden ist, welcher als erster humoristischer
Roman der USA gilt. Weiterhin bereicherte IRVING mit The
Legend of Sleepy Hollow (1820) die amerikanische Legendenwelt.
JAMES FENIMORE COOPER erreichte als erster amerikanischer Autor nach
FRANKLIN internationale Bekanntheit mit seinen berühmten Lederstrumpf-Romanen wie The Pioneers (1823), The
Last of the Mohicans (1826), The Prairie (1827), The Pathfinder (1840) und The
Deerslayer (1841).
Diese Werke skizzieren ein bemerkenswertes Bild Nordamerikas mit seinen
endlos scheinenden Landschaften, sowie
Wäldern und Seen, wo die Abenteuer des Protagonisten Natty Bumppo,
welcher auf Jäger, Indianer und feindliche Europäer trifft,
stattfinden.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Sklavenfrage in den Vereinigten Staaten zu einem wichtigen Thema, das zur Mitte des
Jahrhunderts hin immer mehr an Bedeutung dazu gewann.
Die Werke afroamerikanischer Autoren dieser Zeit beklagten die Sklaverei
als unmoralisch und berichteten lebhaft von der entwürdigenden Situation,
in welcher sich die Farbigen des Landes befanden. Diese Autoren wendeten
den Blick von der romantischen Darstellung eines Sklavenlebens, wie sie
in der Zeit vor dem Sezessionskrieg von Südstaatenschriftstellern gepflegt wurde, ab. Als aufschlussreiche
Werke zu dem Thema gehören die autobiografischen Schriften des engagierten
Schriftstellers FREDERICK DOUGLASS: Narrative of the
Life of Frederick Douglass, an American Slave (1845), der bis zum
Verfassen dieser Schriften selbst Sklave gewesen ist. Auch Scarlet
Letter (1850) lässt keinen Zweifel an der Vielfalt seines
literarischen Schaffens aufkommen, das immer wieder kritisch untersucht
und neu interpretiert wird.
Nach Ende des Krieges trat im Bereich der erzählenden Prosa eine
vollkommen neue Generation von Schriftstellern
hervor. Der wohl berühmteste unter ihnen war der äußerst
humoristisch, und vor allem volkstümlich angelehnte, SAMUEL LANGHORNE
CLEMENS, den man insbesondere unter seinem Pseudonym MARK
TWAIN kennt. Seine frühen Werke wie The Celebrated
Jumping Frog of Calaveras County and Other Sketches (1867) orientierten
sich noch stark an der Tradition der mündlichen Erzählung, wohingegen
seine späteren Erfolg gekrönten Bücher The
Innocents Abroad (1869), Roughing It (1872) und Life on the Mississippi (1883) literarische
und sogar journalistische Elemente enthalten. Weltruhm erlangte TWAIN
allerdings erst mit seinen beiden Romanen The Adventures
of Tom Sawyer (1876) und The Adventures of
Huckleberry Finn (1884). Dabei bestand sein Talent vorwiegend darin,
dass er seine jugendlichen Protagonisten auf einfühlsame und sehr
humorvolle Art und Weise darstellen konnte, wobei die Sprache der Jugendlichen eine zentrale Rolle spielt. Diese Gabe verhalf MARK TWAIN
dazu, zwei Meisterwerke der amerikanischen
Romangeschichte des 19. Jahrhunderts hervorzubringen.
In diesem Zusammenhang lassen sich MARK TWAINs Romane Tom
Sawyer und Huckleberry Finn mit LOUISA
MAY ALCOTTs Little Women von 1868/69 vergleichen.
Auch in diesem außergewöhnlich beliebten amerikanischen Roman
beschäftigt sich die Autorin, genau wie TWAIN, mit den Problemen
der Jugendlichen und dem Heranwachsen bzw. dem Erwachsenwerden.
Im 19. Jahrhundert wurden innerhalb der amerikanischen Literatur auch
zahlreiche Werke mit didaktischer Ausrichtung verfasst. So entstanden Romane, in denen die zunehmende Macht von Industrie und Wirtschaft sowie die korrupten
Praktiken politischer Machthaber angeprangert wurden. Mit Biographien
u. a. über HORACE GREELEY (1885) und THOMAS JEFFERSON (1874) etablierte
sich JAMES PARTON als Pionier auf dem Gebiet der modernen biografischen
Literatur in Nordamerika.
Während sich die Vertreter des Realismus und des Naturalismus damit befassten,
inwieweit das Handeln des Menschen von Mächten außerhalb seiner
Willenssphäre bestimmt und gelenkt wird, behandelte der Schriftsteller HENRY JAMES in seinen psychologisch-realistischen
Werken subjektive Erfahrungen und persönliche
Beziehungen, die er stets von Neuem in Konfliktsituationen ausufern ließ.
Sein Hauptthema war die Konfrontation amerikanischer Denkweisen und Wertvorstellungen. Die Konfrontation mit den Idealen der europäischen Gesellschaft griff
er in zahlreichen Romanen auf, darunter The American (1877), The Portrait of a Lady (1881), The
Wings of the Dove (1902), The Ambassadors (1903) und The Golden Bowl (1904). Subtile
Analysen und präzise Schilderungen kennzeichnen JAMES' einzigartig
komplizierten und vielschichtigen Erzählstil.
Das 20. Jahrhundert
Bedeutende Autoren wie JACK LONDON schlossen sich Anfang des 20. Jahrhunderts
mit dem berühmten und sogar mehrfach verfilmten Abenteuerroman The
Sea Wolf (1904) an die nunmehr Jahrhunderte lange amerikanische
Romantradition an.
Bekanntheit erlangten aber auch die Werke UPTON SINCLAIRs. The
Jungle (1906), einer seiner Romane, die auch in Deutschland große
Beachtung fanden, ist ein sozialkritischer
Roman über die Schlachthausbetriebe Chicagos.
Die amerikanische Romangeschichte Anfang des 20. Jahrhunderts zeichnet
sich vor allem durch eine Abkehr von
der idealisierenden amerikanischen Literatur, wie sie in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts geläufig war, ab. Ein wesentlicher Grund dafür
waren die Schrecken und das Entsetzen, das der Erste
Weltkrieg mit sich brachte. Diese traumatischen Erfahrungen gingen
selbstverständlich nicht spurlos an den amerikanischen Schriftstellern
vorbei. In Romanen wie Soldiers' Pay (1926)
von WILLIAM FAULKNER und The Sun Also Rises (1926) und A Farewell to Arms (1929) von ERNEST
HEMINGWAY schrieben die Autoren ihre Empfindungen nieder und schilderten die erlebten Geschehnisse.
Das Soldatendasein entwickelte sich darin zum Symbol einer sinnlosen,
gar absurden Existenz des Menschen im Allgemeinen, sodass eine neuartige
realistisch orientierte Erzählprosa ohne jegliche verschleiernde
romantische Elemente, welche die Wirklichkeit vernebeln, entstanden ist,
die sich bis in die Gegenwart gehalten hat.
Große Gefühle traten deutlich in den Hintergrund, umso mehr
arbeiteten die Schriftsteller nun intensiv an den psychologischen
Hintergründen ihrer Themen bzw. Beweggründen der handelnden
Protagonisten.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Werken
des Schriftstellers FRANCIS
SCOTT FITZGERALD wider. In seinen Romanen This Side
of Paradise (1920) und The Great Gatsby (1925) geht es daher auch um vielschichtige Themen wie Hoffnung und Desillusionierung. The
Great Gatsby z. B. porträtiert die gesellschaftliche Oberschicht,
die High Society, auf satirische Art und Weise;
es geht darin um den amerikanischen Traum, den
Aufstieg zu Wohlstand und Macht.
SINCLAIR LEWIS, ein weiterer Vertreter dieser literarischen Epoche, wurde
als erster Schriftsteller Amerikas 1930 mit dem Nobelpreis
für Literatur ausgezeichnet. Diesen erhielt er u. a. für
seine brillanten satirischen Schilderungen einer Geschäftsmentalität,
die stets nach Macht und schnellem Reichtum strebt, in seinen Romanen Main Street (1920)
und Dodsworth (1929).
Mit der Verzweiflung über die Härten
des Daseins hat sich auch JOHN
STEINBECK in Of Mice and Men (1937), sowie
in The Grapes of Wrath (1939) beschäftigt.
Für sein Schaffen erhielt STEINBECK im Jahre 1962, 32 Jahre nach SINCLAIR
LEWIS, ebenfalls einen Nobelpreis für Literatur.
Zur Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden unzählbar viele amerikanische
Romane, die sich durch vollkommen neue Merkmale kennzeichneten. Der in Russland
geborene VLADIMIR NABOKOV brachte es in seinen in englischer Sprache verfassten
Erzählwerken zu einer bemerkenswerten Kunstfertigkeit, vor allem durch
eine neuartige, betont originelle Stilistik, die kennzeichnend für diese neue Epoche war. Seine Werke Lolita (1955) und Pale Fir (1962) finden beide in Amerika
statt, da sie lange nach NABOKOVs Einbürgerung in den Vereinigten Staaten,
verfasst wurden. Daher gelten sie als bemerkenswerte Beispiele der tragikomischen,
amerikanischen Literatur.
Von den seelischen Nöten eines Heranwachsenden handelt auch JEROME
DAVID SALINGERs Roman The Catcher in the Rye aus dem Jahre 1951, welcher durch HEINRICH BÖLLs Übersetzung auch in Deutschland bekannt wurde. Darin geht es um die Probleme des jugendlichen Protagonisten
Holden Caulfield.
Weitere herausragende amerikanische Dramatiker der Nachkriegszeit waren
außerdem EDWARD FRANKLIN ALBEE und ARTHUR MILLER mit seinem berühmten
Drama Death of a Salesman.