
Kolonialisierung
1769 ging die Endeavour, ein englisches Schiff
unter Kommando des berühmten Kapitäns JAMES COOK vor Neuseelands
Nordinsel vor Anker. COOK, dessen Auftrag die Erkundung des völlig
unerforschten Australiens war, bereiste beide Inseln, fertigte Landkarten
an und führte detailliert Tagebuch. Im Namen König GEORGE III.
erklärte er das Land für eingenommen. Heute trägt der höchste
Berg des Landes, der Mount Cook,
seinen Namen.
Die ersten Weißen, die sich Ende des 18. Jahrhunderts in Neuseeland
niederließen, waren Wal- und Walrossfänger, Händler und
Missionare. Neuseeland wurde zur Station bei englischen und amerikanischen
Walfangexpeditionen im südpazifischen
Raum. Die Maori, ein kriegerisches Volk bestehend aus vielen Stämmen,
die sich gegenseitig bekämpften, arrangierten sich mit den weißen
Eindringlingen eher schlecht als recht. 1835 gründeten Stammeshäuptlinge
die United Tribes
of New Zealand (Vereinigte Stämme Neuseelands),
um ihre Vormachtstellung als Ureinwohner zu unterstreichen. Da Konflikte
und Auseinandersetzungen weiter zunahmen und auch ein Abgesandter der
Regierung die Lage nicht in den Griff bekam, erklärte Großbritannien
Neuseeland 1840 Kraft des Vertrags von Waitangi (Waitangi
Treaty) zu seiner Kolonie.
Für die Maori bedeutete dies eine herbe Überraschung: Auf die
rund 2 000 Weißen, die sich bis dahin bereits in Neuseeland
niedergelassen hatten, folgten alleine zwischen 1840 und 1860 40 000
weitere Siedler, vornehmlich aus Großbritannien,
das Freiwilligen die Überfahrt finanzierte. Zunächst nahmen
die Weißen die Nordinsel in Beschlag, bald breiteten sie sich auch
auf der Südinsel aus.
Immigration
In den 1860er-Jahren, als auf der Südinsel Gold gefunden wurde, setzte ein weiterer Ansturm ein; besonders Schotten, Iren
und viele Chinesen strömten in einem wahren Goldrush nach Neuseeland.
Dies hatte enormen Einfluss auf die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung.
Einerseits bildete sich eine vielschichtige und multikulturelle
Gesellschaft heraus. Andererseits verminderte sich die Zahl der einheimischen
Maori dramatisch. 1900 war der Bevölkerungsanteil der eingewanderten
Neuseeländer auf eine halbe Million angewachsen, der der Maori aber,
nach kriegerischen Auseinandersetzungen und von den Einwanderern eingeschleppten
Krankheiten, auf 40 000 geschrumpft.
Insgesamt wuchs die Bevölkerung weiter, mehr und mehr Nationalitäten
kamen dazu. Ab 1890 erklärten 5 000 Einwanderer aus Dalmatien
(im heutigen Kroatien) die Inseln zu ihrer neuen Heimat. Viele von ihnen
gründeten Weingüter, die bis
heute den gerühmten neuseeländischen Wein erzeugen.
Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts kamen, zusätzlich zu den Goldsuchern
tausende von Schotten, teils zwecks freier Religionsausübungen, teils,
wie auch viele Iren, wegen sich verschlechternder wirtschaftlicher Umstände
in der alten Heimat.
Der bislang letzte nennenswerte Schub europäischer Einwanderer kam
in den 1950er-Jahren mit den Holländern nach Neuseeland. Dies geschah nach einem entsprechenden Abkommen zwischen
den beiden Ländern. In den 1960er-Jahren waren es Bewohner der benachbarten
polynesischen Inseln, die nach Neuseeland kamen, weil dieses unter Arbeitskräfte-Mangel
litt. Seit den 1990er-Jahren sind es vor allem Menschen aus Asien, Taiwan,
Singapur, Korea und Japan, die es auf die beiden Inseln zieht.
Jede der Einwandererströme hat dem Land seinen Stempel aufgedrückt.
Die Schotten gründeten die erste Universität, die Chinesen prägten das Gärtnereiwesen und versorgten die neuseeländischen
Truppen im zweiten Weltkrieg mit Lebensmitteln. Die Polynesischen Inselbewohner
beeinflussten Essen, Lebensstil und Kunst, die Holländer Gastronomie,
Landschaftsarchitektur und die Modebranche.