Eine Rezension
ist die wertende, kritische Besprechung eines neu erschienenen Buchs, einer
Theateraufführung, eines Films, eines Tonträgers oder Konzerts.
In Printmedien und Online-Publikation wird sie unter den Rubriken Feuilleton
und Kultur abgedruckt. Die Rezension
steht somit immer auch in Verbindung zu den aktuellen kulturellen oder wissenschaftlichen
Ereignissen einer Gesellschaft. In der Regel wird sie unter dem Namen des
Autors veröffentlicht und bildet eine Form der persönlichen
Stellungnahme.
Als individuell verfasstes Meinungsbild ist die Rezension neben den kulturellen
und wissenschaftlichen Bezügen immer
auch in bestimmte intellektuelle und politische Zusammenhänge eingebunden.
Diese hängen zum einen natürlich von der Art des rezensierten
Werkes ab.
Die Rezension eines Films wie Fahrenheit 911
kommt nicht umhin, in einem gewissen Rahmen auf die aktuellen politischen Verhältnisse in den USA einzugehen. Zum anderen hat eine Rezension
aber auch mit der persönlichen intellektuellen und politischen Einstellung
ihres Verfassers zu tun. Je nach dessen politischer Orientierung kann eine
Rezension durchaus an Schärfe gewinnen oder aber völlig unparteiisch
ausfallen. Als Produkt ihrer Zeit berücksichtigt die Rezension meist
ebenfalls einen gegenwärtigen (ästhetischen) Geschmack bei einem
Kunstwerk, bzw. den aktuellen Stand der Forschung bei einer wissenschaftlichen
Arbeit.
Im Gegensatz zum Kommentar geht eine Rezension über die Formulierung
einer persönlichen Meinung hinaus, indem sie zusätzlich die gattungs- und genrespezifischen Merkmale eines Werks berücksichtigt.
Ein Roman z. B. beruht auf bestimmten
Merkmalen und Kriterien, die immer wieder vorkommen und das Genre Roman
ausmachen. Gleiches gilt für ein Musikstück: eine Sinfonie erfüllt ebenfalls gewisse Kriterien, die sie mit anderen
Sinfonien teilt. Insofern berücksichtigt eine Rezension das Verhältnis
des zu besprechenden Werks im Zusammenhang mit anderen seiner Art.
Neben diesen eher konzeptionellen Merkmalen spielen bei der Einordnung
in gattungs- oder genrespezifische Zusammenhänge aber auch viel konkretere
Aspekte eine Rolle.
Bei nicht-textlichen Werken geht eine Rezension häufig auf die produktionsgebundene
Besonderheiten ein. Bei einem Film kann daher neben der Bewertung der Geschichte an sich z. B. auch die Kameraführung
besprochen, oder Informationen zu Schauspielern und Regisseur verwertet
werden.
Die Rezension eines Theaterstücks kann ebenfalls das Bühnenbild und die Kostüme erwähnen.
Die Ausführlichkeit dieser inhaltlichen und formalen Besprechung
steht meist in Abhängigkeit zum Medium, in dem die Rezension erscheint. Um die Erwartung der Leserschaft eines
Fachmagazins für Film und Filmproduktion nicht zu enttäuschen,
muss eine Rezension hier z. B. auch auf die filmtechnischen Besonderheiten
eingehen, und entsprechendes Fachvokabular verwenden.
Häufig betrachtet eine Rezension das Werk im Zusammenhang mit anderen Arbeiten des Verfassers. Diese Einordnung in das sogenannte Oeuvre ermöglicht die Bewertung der künstlerischen und intellektuellen Entwicklung des einzelnen und bietet gleichzeitig eine gute Möglichkeit, Vergleiche zu ziehen und Besonderheiten herauszustellen. Auf dieser Basis lassen sich dann auch Gegenüberstellungen mit themen-, genre- oder zeitverwandten Arbeiten anderer herausarbeiten.
Die Rezension ist ein argumentativer
Sachtext und entspricht in der Regel der persönlichen Meinung
des Autors. Dabei berücksichtigt sie jedoch einen wesentlichen Aspekt:
Sie soll dem Leser ein noch unbekanntes Werk vorstellen und ihn zur eigenen Auseinandersetzung mit der Arbeit bewegen.
Kritik ist in einer Rezension durchaus
erlaubt, sollte aber mit Bedacht verwendet werden. Der Verriss einer Theaterpremiere
z. B. kann Inhalt einer Rezension sein, ist dann aber weniger auf das
persönliche Empfinden des Rezensenten ausgerichtet als auf eine wohlüberlegte Analyse der Mängel bei Text und
Produktion.
Diese inhaltlichen Ansprüche wirken sich auch auf formale und sprachliche Merkmale einer Rezension
aus.
In Abhängigkeit vom zur Verfügung stehenden Platz im jeweiligen
Medium kann eine Rezension unterschiedlich lang ausfallen. Sie nimmt dabei
jedoch nie essayistische Dimensionen an, da es sich bei ihr eben nicht
um die möglichst vielseitige Ausleuchtung eines bestimmten Argumentationswegs
handelt. Ihr Sinn ist die Vorstellung eines Werks und daher besetzt sie
auch nie den meisten Platz auf einer Zeitungs- oder Internetseite.
Als Form der persönlichen Stellungnahme gestaltet sich die Rezension auch eher informell. Syntax und Wortwahl sind darauf ausgerichtet, die wörtliche Rede des Autors zu suggerieren. Dem Leser soll es also so erscheinen, als trete ihm der Rezensent entgegen und äußerte sich zu dem entsprechenden Werk. Daher ist der Satzbau auch eher parataktisch, das bedeutet beiordnend, angelegt und nur eingeschränkt verschachtelt. Die rhythmische Gestaltung der Sätze soll sich auch bei der analytischen (werk- und kontextbezogenen) Bewertung mehr dem gesprochenen Wort angleichen.
Die Wortwahl kann gerade im
Bezug auf das Medium der Veröffentlichung durchaus von Fachvokabular
geprägt sein. Im Allgemeinen erscheint eine Rezension aber im Rahmen
einer Tageszeitung oder deren elektronischem Äquivalent, insofern
spricht sie eine sehr breit gefächerte Leserschaft an. Fachbegriffe
aus der Theaterwissenschaft z. B. sind daher bei der Rezension eines Stücks
nur sehr begrenzt angebracht.
Um der persönlichen Bewertung ein entsprechendes Gewicht und schlussendlich
Glaubwürdigkeit zu verleihen, sollte der Sprachduktus entsprechend gewählt werden. Eine umgangsprachliche Ausdrucksweise
kann in Teilen recht erfrischend wirken, sollte aber nur gezielt eingesetzt
werden, will die Rezension nicht an Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft verlieren.
Umgekehrt kann ein zu formaler, vielleicht noch von vielen lateinischen
Ausdrücken durchsetzter Sprachstil abschreckend wirken. Im schlimmsten
Fall verliert der Leser das Interesse und legt die Rezension beiseite, ohne sie ausgelesen zu haben. Das Interesse
und die Neugier der Leser auf eine
Auseinandersetzung mit dem Werk zu wecken, ist also generell das Bestreben
einer positiv gestimmten Rezension. Wiederum will eine abwertende Rezension
den Leser davor warnen, seine Zeit mit dem Werk zu verschwenden. Was dieser
denn nun letztendlich machen wird, muss eine Rezension dem Leser selber
überlassen.