Literarisches Schaffen
EDWARD ALBEE steht in der Nachfolge der amerikanischen Dramatiker EUGENE
O'NEILL, ARTHUR MILLER und TENNESSE WILLIAMS. Allerdings zeigen seine
Stücke auch den starken Einfluss des europäischen, absurden
Theaters, das von SAMUEL BECKETT und HAROLD PINTER geprägt ist. Das
absurde Drama rückt
die Widersinnigkeit und den Sinnverlust
des menschlichen Lebens in den Vordergrund, um die daraus hervorgehende
Verkümmerung des Menschen darzustellen.
ALBEE selbst gibt auch den Cartoonisten JAMES THURBER als Einfluss gebend
an. Aus der Philosophie des Existenzialismus
und der Praxis des absurden Theaters in Europa kreierte ALBEE eine typisch
amerikanische Form des Gegenwartstheaters.
ALBEE gilt als Meister psychologischer Analyse
und präziser Dialoge. Sein bekanntestes
Drama Who´s Afraid of Virginia Woolf?
ist die scharfe Seelenanalyse einer Ehe, deren Scheitern bloßgelegt
wird. Verzweifelt bemüht sich das Ehepaar George und Martha, der
empfundenen Sinnlosigkeit ihres Lebens
und ihrer Kultur zu entkommen. Diese vergeblichen Versuche setzt ALBEE
mit grotesken, humorvollen, satirischen, aber grausamen Elementen in Szene.
Das Stück wird bis heute immer wieder mit Erfolg an Theatern aufgeführt.
Seine Verfilmung von 1965 mit ELIZABETH TAYLOR und RICHARD BURTON gilt
als Klassiker.
In seinen Dramen mischt ALBEE Wirklichkeit und Traumwelt, so stellt sich in Who´s Afraid of Virginia Woolf? heraus, dass der Sohn des Ehepaares nur eine gemeinsame Erfindung ist. ALBEE stellt auf diese Weise drastisch dar, dass auch die Flucht in die Illusion, keinen Ausweg aus der Isolation und Kommunikationsunfähigkeit bietet. Er führt so die geistige Unbeweglichkeit, die Konformität und Überheblichkeit der Menschen und ihre Entfremdung in der modernen Gesellschaft vor. Seine Dramen üben scharfe Kritik an der amerikanischen Gesellschaft und den Werten der bürgerlichen Existenz.
In seinen späteren Stücken wie Seascape (1975, dt. See-Eskapade) und Listening (1976, dt. Zuhören) experimentiert ALBEE mit der Auflösung der Charaktere. In den darauffolgenden Dramen The Lady from Dubuque (1980, dt. Die Dame von Dingsville) und The Man Who Had Three Arms (1983, dt. Der Mann, der drei Arme hatte) kehrt ALBEE zu einem eher konventionellen Stil zurück. So zeigt sich auch in Three Tall Women (1991, dt. Drei große Frauen) die Mischung von Surrealem und Realem: Verschiedene Charaktere, die im ersten Akt dargestellt werden, erweisen sich im zweiten Akt als ein und dieselbe Person in verschiedenen Lebensstadien.
Werke (Auszug)
The Death of Bessie Smith (1960, dt. Der
Tod von Bessie Smith)
The American Dream (1961, dt. Der
amerikanische Traum)
Tiny Alice (1964, dt. Winzige
Alice)
Everything in the Garden (1968, dt. Alles
im Garten)
All Over (1971, dt. Alles
vorbei)
Marriage Play (1987)
Fragments (1993)
The play About the Baby (1998, dt. Das
Spiel ums Baby)
Occupant (2001)
Knock! Knock! Who's There!? (2003)
Me Myself and I (2007)