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Edward Bond
EDWARD BOND
Lebensgeschichte
EDWARD BOND wurde 1934 in London geboren. Er wuchs im Arbeitermilieu im Londoner Vorort Holloway auf. Nach der Schulzeit arbeitete er zunächst in Fabriken und Büros, bevor er zwei Jahre beim Militär diente. Zu dieser Zeit begann er, zahlreiche Theaterstücke zu verfassen.
1958 reichte BOND dem Royal Court Theatre London zwei seiner Stücke ein. Man bot ihm daraufhin an, sich der Schriftstellergruppe des Theaters anzuschließen, zu denen auch der englische Dramatiker JOHN OSBORNE gehört. BOND wurde zunächst ständiger Lektor, später fest angestellter Autor des Royal Court Theatre. Hier wurden ab 1962 viele der Dramen BONDs uraufgeführt, so z. B. The Pope's Wedding (1962, dt. Die Hochzeit des Papstes) und Saved. Aufgrund der ziemlich gnadenlos vorgeführten Brutalität kam es immer wieder zu Skandalen.
In den darauffolgenden Jahren verfasste BOND zahlreiche Stücke, arbeitete an Theatern und schrieb Drehbücher für Filme und Fernsehspiele. BOND lebt heute in der Nähe von Cambridge.

Literarisches Schaffen
BONDs Werke, die sich durch eine ausdrucksstarke Sprache auszeichnen, stellen das sich stets wiederholende Spiel von Gewalt und Terror dar. Aufgrund der Vorführung von Brutalität auf der Bühne (z. B. die Steinigung eines Babys in Saved, die physischen Gräueltaten eines totalitären Systems in Lear, einer Shakespearebearbeitung) kam es immer wieder zu extremen Reaktionen der Kritiker und Zuschauer. Viele von BONDs Dramen erfuhren eine Zensur.
In seinen zahlreichen theoretischen Äußerungen stellt BOND den Zusammenhang zwischen menschlicher Aggression und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung her. Seiner Meinung nach rufen Situationen, in denen Ungerechtigkeit herrscht, Gewalt hervor. Dies stellt BOND in seinen Dramen exemplarisch auf die Bühne:

In seinen ersten Stücken mischt BOND krassen Realismus und poetische Vision. Er beleuchtet die Situation von Jugendlichen mit Schockeffekten wie in The Pope's Wedding und Saved. Sozialkritisch werden Jugendliche im Milieu des Londoner East End porträtiert, indem auch ihre Slang-Sprache verwendet wird. Die Dramen zeigen die Hilflosigkeit sozialer Randgruppen, die in Gewalt umschlägt.

Danach wandte sich BOND zunehmend (pseudo)-historischen Stoffen zu. Die Groteske über die Königin Viktoria Early Morning (1969, dt. Trauer zu früh) zeigt die Königin als Mannweib und verzerrt das Bild der englischen Gesellschaft bis ins Äußerste.
Auch hier wurde die Aufführung zunächst verboten. Nach der Shakespeare-Neudeutung Lear (1972) erörterte BOND in den Stücken Bingo. Scenes of Money and Death (1974, dt. Bingo. Szenen von Geld und Tod) und The Fool. Scenes of Bread and Love (1976 dt. Der Irre. Szenen von Brot und Liebe) die gesellschaftliche Verantwortung des Künstlers.

Auch in dem Drama um den Trojanischen Krieg The Woman. Scenes of War and Freedom (1979, dt. Die Frau. Szenen von Krieg und Freiheit) sowie in dem Stück Summer (1982, dt.
Sommer
), das den Zweiten Weltkrieg im Rückblick verarbeitet, steht die historische Dimension als exemplarisches Beispiel für die Gegenwart. In seinen zahlreichen theoretischen Äußerungen und in ausführlichen Vorworten hat BOND diesen Sachverhalt immer wieder betont.

BOND schrieb auch Drehbücher (zu MICHELANGELO ANTONIONIs Film Blow up, 1966), und Fernsehspiele (Olly's Prison, 1992, dt. Ollys Gefängnis) sowie Gedichte (Poems 1978-1985, 1987).

Für einige Bühnenwerke des deutschen Komponisten HANS WERNER HENZE verfasste BOND die Texte, so etwa für die Opern We Come to the River (1976, dt. Wir erreichen den Fluß) und The English Cat (1981/82, dt. Die englische Katze).

Werke (Auszug)

Dramen
Lear (1972)
The Sea (1973, dt. Die See)
Restoration (1981, dt. Restauration)
The War Plays. A Trilogy (1985, dt. Kriegsstücke. Eine Trilogie)
In the Company of Men (1990, dt. Männergesellschaft)
Coffee (1993)
The Crime of the Twenty-First Century (1998, dt. Das Verbrechen des Einundzwanzigsten Jahrhunderts)
The Children (2000, dt. Die Kinder)

Musiktheater
Orpheus (1979; danach Ballett von H.W. HENZE)

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