Literarisches Schaffen
BONDs Werke, die sich durch eine ausdrucksstarke Sprache auszeichnen,
stellen das sich stets wiederholende Spiel von Gewalt
und Terror dar. Aufgrund der Vorführung
von Brutalität auf der Bühne (z. B. die Steinigung eines Babys
in Saved, die physischen Gräueltaten eines
totalitären Systems in Lear, einer Shakespearebearbeitung)
kam es immer wieder zu extremen Reaktionen der Kritiker und Zuschauer.
Viele von BONDs Dramen erfuhren eine Zensur.
In seinen zahlreichen theoretischen Äußerungen stellt BOND
den Zusammenhang zwischen menschlicher Aggression und der kapitalistischen
Gesellschaftsordnung her. Seiner Meinung nach rufen Situationen,
in denen Ungerechtigkeit herrscht, Gewalt hervor. Dies stellt BOND in
seinen Dramen exemplarisch auf die Bühne:
In seinen ersten Stücken mischt BOND krassen Realismus und poetische Vision. Er beleuchtet die Situation von Jugendlichen mit Schockeffekten wie in The Pope's Wedding und Saved. Sozialkritisch werden Jugendliche im Milieu des Londoner East End porträtiert, indem auch ihre Slang-Sprache verwendet wird. Die Dramen zeigen die Hilflosigkeit sozialer Randgruppen, die in Gewalt umschlägt.
Danach wandte sich BOND zunehmend (pseudo)-historischen Stoffen zu. Die
Groteske über die Königin
Viktoria Early Morning (1969, dt. Trauer
zu früh) zeigt die Königin als Mannweib und verzerrt
das Bild der englischen Gesellschaft bis ins Äußerste.
Auch hier wurde die Aufführung zunächst verboten. Nach der Shakespeare-Neudeutung
Lear (1972) erörterte BOND in den Stücken
Bingo. Scenes of Money and Death (1974, dt.
Bingo. Szenen von Geld und Tod) und The
Fool. Scenes of Bread and Love (1976 dt. Der
Irre. Szenen von Brot und Liebe) die gesellschaftliche Verantwortung
des Künstlers.
Auch in dem Drama um den Trojanischen Krieg The Woman.
Scenes of War and Freedom (1979, dt. Die Frau.
Szenen von Krieg und Freiheit) sowie in dem Stück Summer
(1982, dt.
Sommer), das den Zweiten
Weltkrieg im Rückblick verarbeitet, steht die historische
Dimension als exemplarisches Beispiel für die Gegenwart. In seinen
zahlreichen theoretischen Äußerungen und in ausführlichen
Vorworten hat BOND diesen Sachverhalt
immer wieder betont.
BOND schrieb auch Drehbücher (zu MICHELANGELO ANTONIONIs Film Blow up, 1966), und Fernsehspiele (Olly's Prison, 1992, dt. Ollys Gefängnis) sowie Gedichte (Poems 1978-1985, 1987).
Für einige Bühnenwerke des deutschen Komponisten HANS WERNER HENZE verfasste BOND die Texte, so etwa für die Opern We Come to the River (1976, dt. Wir erreichen den Fluß) und The English Cat (1981/82, dt. Die englische Katze).
Werke (Auszug)
Dramen
Lear (1972)
The Sea (1973, dt. Die
See)
Restoration (1981, dt. Restauration)
The War Plays. A Trilogy (1985, dt. Kriegsstücke.
Eine Trilogie)
In the Company of Men (1990, dt. Männergesellschaft)
Coffee (1993)
The Crime of the Twenty-First Century (1998,
dt. Das Verbrechen des Einundzwanzigsten Jahrhunderts)
The Children (2000, dt. Die
Kinder)
Musiktheater
Orpheus (1979; danach Ballett von H.W. HENZE)