



Die politische Entwicklung Englands in der Mitte des 17. Jahrhunderts jedoch brachte das Theaterleben zum Erliegen. Im Bürgerkrieg um die Mitbestimmung des Parlamentes setzten sich die radikalen Puritaner (calvinistisch reformierte Glaubensgemeinschaft) unter der Führung von OLIVER CROMWELL durch. In einer protestantischen Revolution setzen sie den König ab und ließen ihn hinrichten. Die puritanische Herrschaft OLIVER CROMWELLs unterwarf Gesellschaft und kulturelles Leben einer strengen Kontrolle, der auch das Theater zum Opfer fiel. Da Bühnenaufführungen wie alle anderen weltlichen Vergnügungen als unmoralisch galten, wurden bereits 1642 bei Ausbruch des Bürgerkrieges alle Theater geschlossen.
Mit der Absetzung OLIVER CROMWELLs und der Wiedererrichtung
der Monarchie 1660 (Restoration) öffneten
auch die Bühnen wieder, und man begann wieder mit der Herstellung
neuer Dramen.
In dieser Zeit, die als die Restaurationszeit
bezeichnet wird, entwickelte sich vor allem die Komödie
(Restoration Comedy) bis zum Ende des 18 Jahrhunderts
als Typenkomödie weiter (z. B. WILLIAM WYCHERLY, The
Country Wife).
Die Handlung spielt in den wohlhabenden Kreisen des Adels und des Bürgertums.
Unterhaltsam für das Publikum sind vor allem die Dialoge mit witzigen
Wortgefechten und Wortspielen (puns).
Als Themen stehen Liebe, Ehe, gesellschaftlicher Erfolg und Eitelkeit
im Vordergrund. Bestimmte Typen wie die Eitle, die Klatschsüchtige,
der betrogene Ehemann führen dem Publikum auf humorvolle Weise einen
Spiegel des eigenen Verhaltens vor Augen.

Erzähldichtung
Das frühe 16. Jahrhundert ist das Zeitalter der Reformation und der Renaissance in England.
Unter Heinrich VIII. (1509-1547) trennte sich die reformierte anglikanische
Kirche von Rom. Der englische König galt fortan als ihr Oberhaupt.
Im 16. und 17. Jahrhundert entstanden auch die ersten vollständigen
Übersetzungen der Bibel ins Englische.
Die Renaissance bedeutete
die Wiederentdeckung der Schriften antiker Philosophen und Dichter sowie
der Kunst der Antike. Die Antike wurde
Vorbild für die Schriftsteller, Künstler und Philosophen (Humanisten)
der Zeit. Begleitet von Fortschritten in den Naturwissenschaften entstand auch ein neues Bild vom Menschen: Der Mensch sah sich nicht mehr
als Bestandteil einer unveränderbaren göttlichen Ordnung, sondern
als selbstbestimmtes Individuum.
Wichtigster englischer Humanist war THOMAS MORE oder auch THOMAS MORUS
(1478-1535). In seiner Erzählung Utopia
(1516) schuf er das Vorbild für die utopische
Literatur: Die Beschreibung eines
idealen Staatswesens, das auf einer Insel unberührt von den Einflüssen
anderer Nationen existiert. MORE setzt sich in seiner Erzählung kritisch
mit den Zuständen seiner Zeit auseinander und drängt auf Veränderung.
Wegen seiner kritischen Haltung gegenüber dem König, dessen
Entscheidungen er nicht mit bedingungslosem Gehorsam zu akzeptieren bereit
war, wurde er 1535 enthauptet.
JOHN MILTON (1608-1674) wird oft als der bedeutendste Dichter in der englischen Literatur nach SHAKESPEARE bezeichnet. Das religiöse Erzählgedicht The Paradise Lost und seine anderen Gedichte sind geprägt von MILTONs humanistischer Bildung und puritanischen Frömmigkeit. The Paradise Lost formuliert auf poetische Weise bis heute gültige Erkenntnisse, z. B.
"The mind is its own place, and
in itself
Can make a heaven of hell, a hell of heaven."
Die ersten englischen Romane (novels)
entstanden im 18. Jahrhundert DANIEL DEFOEs Robinson
Crusoe (1719) steht am Anfang der Entwicklung des englischen Romans.
Genauso wie DEFOEs Moll Flanders (1722) besitzt
er noch die episodenhafte Struktur
des Schelmenromans. Robinson
Crusoe beschreibt die Situation eines Mannes, der alleine auf einer
unbewohnten Insel gestrandet ist. Auf sich selbst zurückgeworfen,
muss er versuchen, mit den Dingen, die ihm die Insel zur Verfügung
stellt, zu überleben. Er ist vor die Aufgabe gestellt, für Nahrung,
Trinkwasser, Kleidung, und Feuer zu sorgen. Er lernt die Einsamkeit zu
bewältigen ohne zu resignieren, bis er Freitag, einem menschlichen
Gefährten, begegnet. Die Erlebnisse Robinsons können als Allegorie
der Menschheitsgeschichte aufgefasst werden.
Als Vorlage diente DEFOE der Bericht des schottischen Seemannes ALEXANDER
SELKIRK, der 1704 auf der unbewohnten Insel Juan Fernandez (400 Meilen
vor der chilenischen Küste) ausgesetzt wurde.
ROBERT LOUIS STEVENSON, Treasure Island (1883)
und ROBERT MICHAEL BALLANTYNE, Coral Island haben die Idee der Robinsonade nachgeahmt. Robinson Crusoe bildete auch die
Quelle für den modernen Roman Lord of the Flies (1954) von WILLIAM GOLDING.
Von 1650 bis 1750 wurden die hervorragendsten Werke englischer Satire hergestellt. Gulliver's Travels (1726) von
JONATHAN SWIFT bildet eine Sammlung satirischer Erzählungen über
Samuel Gulliver, der sich auf eine Reihe von Reisen in fiktive Länder
begibt (Lilliput, Brobdingnag, Laputa, Lagado, the
Houyhnhums). SWIFT benutzt den im 18. Jahrhundert beliebten Reisebericht, um politische sowie religiöse Konflikte und Erscheinungen seiner
Zeit zu karikieren. Mit dem Stilmittel der Übertreibung verspottet
er z. B. den höfischen Pomp (in Lilliput), die Überbewertung
des Verstandes und die Realitätsferne der Wissenschaftler.
Als Satire bezeichnet man die Verwendung
von Ironie, Übertreibung und Spott, um auf Schwächen, Missstände
und Fehlentwicklungen in der Politik, der menschlichen Gesellschaft oder
einer Institution aufmerksam zu machen.
Wichtige Romanautoren des 18. Jahrhunderts sind:
HENRY FIELDING, Joseph Andrews (1742); Tom
Jones (1749)
SAMUEL RICHARDSON, Pamela (1740, ein Briefroman)
LAURENCE STERNE, Tristam Shandy (1760-1767)