


Historische Romane erzählten meistens mehrere Handlungsstränge mit Haupt- und
Nebenhandlungen, die eingebettet sind in historisches Geschehen. Es
tritt eine Vielzahl von Figuren auf. Beispiele für den historischen
Roman sind SIR WALTER SCOTT, Ivanhoe (1818)
und Waverley (1808); WILLIAM THACKERAY (1811-1863),
Henry Esmond (1852); CHARLES DICKENS (1812-1870),
A Tale of Two Cities (1859) und Barnaby Rudge (1841); und in der amerikanischen Literatur MARGARET MITCHELL Gone
with the Wind (1936).
Vor dem Hintergrund der industriellen
Revolution und der sozialen Frage der Arbeiterschicht beschrieben
die englischen Gesellschaftsromane
die Auswirkungen der wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen auf Ereignisse
und Menschen. Sie machten auf soziale Missstände
aufmerksam und wiesen oft auf die Notwendigkeit sozialer Reformen
hin. Bekannte Beispiele des Gesellschaftsromans stammen von CHARLES
DICKENS, Oliver Twist (1837-1838); The
Old Curiosity Shop (1841); Bleak House
(1852-1853); Hard Times (1854); Little
Dorrit (1855-1857); WILLIAM THACKERAY Vanity
Fair (1847-1848); GEORGE ELIOT (1819-1880, Pseudonym für
MARY ANN CROSS): Ihr realistischer
Roman Middlemarch (1871-1872) dokumentiert
gesellschaftliche Entwicklungen in England zwischen 1830 und 1860.
Der realistische Roman strebt eine
möglichst wirklichkeitsnahe Abbildung des Lebens und der Gesellschaft
an.
THOMAS HARDY (1849-1928) ist der herausragende englische Autor des
naturalistischen Romans, z. B. Far From the Madding Crowd (1874), Tess
of the D'Urbervilles (1891) und Jude the
Obscure (1895). Er stellt das Ausgeliefertsein des Menschen
gegenüber dem Schicksal und der Natur dar.
Die Lyrik des 19. Jahrhunderts
bildete zunehmend einen Gegenpol zu der als enttäuschend und abweisend
erlebten Wirklichkeit. Sie kann vereinfachend zwei Stilepochen zugeordnet
werden:
Die Romantik (1798-1832)
Viele Dichter und Künstler, die gehofft hatten, dass die Ideale der Französischen Revolution (1789-1795)
ganz Europa erfassten und eine neue Zeit anbrechen ließen , erkannten
bald, dass ihre Versprechungen von Freiheit und Gleichheit nicht einlösbar
waren. Als Reaktion wandten sie sich ab von gesellschaftlichen Zielen
und zogen sich auf sich selbst zurück. Die Beschäftigung mit
dem eigenen Inneren rückte in den Vordergrund. Eine typische Erfahrung,
die in der romantischen Lyrik dargestellt wird, ist die Begegnung mit
dem Erhabenen in der Einsamkeit der Natur.
Dichter wie WILLIAM WORDSWORTH (1770-1850) und SAMUEL TAYLOR COLERIDGE
(1772-1834) sahen größere Ausdrucksmöglichkeiten in der
Hinwendung zum Einfachen und Ursprünglichen. In ihren Lyrical
Ballads (1798) ahmten sie die Vorbilder der popular
ballads nach:
"Five years have passed; five
summers, with the length
Of five long winters! And again I hear
These waters, rolling from their mountain-springs
With a sweet inland murmur."
(WILLIAM WORDSWORTH, Lines Written a Few Miles Above
Tintern Abbey)
Auch die Beschäftigung mit der Vergangenheit und mit exotischen
Schauplätzen ermöglichte den Dichtern eine Abwendung
von der Realität. (z. B. JOHN KEATS, Ode on a
Grecian Urn)
Bedeutende Dichter der Romantik sind WILLIAM BLAKE (1757-1827), Songs
of Innocence (1787); Songs of Experience (1794), GEORGE GORDON, LORD BYRON (1788-1824), PERCY BYSSHE SHELLEY (1792-1822), Ode to the West Wind.
Die Viktorianische Zeit (1832-1901)
Die Industrielle Revolution (ca. ab
1790) hatte tiefe Einschnitte in die Gesellschaft, das Bild der Städte
und der Natur verursacht. Fortschritt und industrielle Expansion begünstigten
nur eine Minderheit. Für die Mehrheit bedeuteten sie einen Verlust
bewährter Lebensstrukturen. Die Landflucht führte zu einer Übervölkerung der Städte, wo die Massen in ständiger Existenzangst, Armut,
Schmutz und Enge lebten. Die Lösung der sich daraus ergebenden sozialen
Probleme bildete die politische Herausforderung des 19. Jahrhunderts.
Demgegenüber stand das gesteigerte nationale Selbstbewusstsein aufgrund der Ausdehnung und der wirtschaftlichen Führungsrolle des British Empire.
Die viktorianische Lyrik, d. h. Gedichte, die während der viktorianischen Ära, der Herrschaftszeit
der QUEEN VICTORIA geschaffen wurden, wendet sich thematisch von der Realität
ab. Das Idyll und die Vergangenheit werden bevorzugt dargestellt.
Die sogenannten Präraffaeliten schufen in ihren Gedichten und Gemälden eine Gegenwelt der Sinnfülle
und Schönheit.
"I hid my heart in a nest of roses,
Out of the sun's way, hidden apart;
In a softer bed than the soft white snow's is,
Under the roses I hid my heart."
(ALGERNON CHARLES SWINBURNE, A Ballad of Dreamland)
Wichtige Vertreter der viktorianischen Lyrik sind:
ALFRED TENNYSON (1809-1892)
ELIZABETH BARRETT-BROWNING (1806-1861), Sonnets from
the Portuguese
ROBERT BROWNING (1812-1889), Dramatic Monologues
MATTHEW ARNOLD (1822-1888), Dover Beach
GERARD MANLEY HOPKINS (1844-1889)
CHRISTINA (1830-1894) und
DANTE GABRIEL ROSSETTI (1828-1882)