Literarisches Schaffen
O'NEILL beleuchtet in seinen Stücken die Tragik
des menschlichen Lebens in seiner Zeit. Dabei war er vor allem von den
Philosophen und Schrifstellern FRIEDRICH NIETZSCHE, AUGUST STRINDBERG
und FJODOR M. DOSTOJEWSKI beeindruckt. O'NEILL entwarf ein sehr pessimistisches
Bild der Moderne.
Darin spiegeln sich vor allem die vergeblichen Versuche der Menschen wider,
durch illusionäre Hoffnungen Rettung
vor Entfremdung und Selbstzerstörung
zu finden.
Zwischen 1918 und 1924 entstanden seine ersten bedeutenden Stücke:
In dem Familiendrama Beyond
the Horizon greift O'NEILL das Thema zweier unterschiedliche Brüder
auf, von denen der eine ein Realist, der andere ein Träumer und Idealist
ist. Noch auf seinem Sterbebett hängt letzterer seinen unverwirklichten
Träumen nach, was für O'NEILL den typischen Zwiespalt
des Menschen beschreibt, aus dem er nicht entkommen kann.
Das Stück wurde mit dem Pulitzer-Preis
ausgezeichnet. Auch in The Hairy Ape erweisen
sich die Hoffnungen nur als Illusionen: Es zeigt den tödlichen Ausgang
des Versuchs, aus leidvoller Isolation auszubrechen und in der Zugehörigkeit
zu einer Gemeinschaft sinnstiftenden Halt zu finden.
Die tragische Sicht der Moderne hat für O'NEILL einen zeitlosen
Charakter. Mit Blick auf die antiken Tragödiendichter zeichnet O'NEILL in der Dramentrilogie Mourning Becomes
Electra (1931, dt. Trauer muss Elektra tragen)
- pessimistisch und ohne Illusionen - den in seiner Schuld hilflos unterlegenen
Menschen. Wenn überhaupt noch Hoffnung besteht, so lässt sie
sich nur für kurze Zeit verwirklichen.
Es folgte eine längere Schaffenspause, während der O'NEILL mit dem Nobelpreis
für Literatur ausgezeichnet wurde (1936). Gleichzeitig arbeitete
er zurückgezogen an mehreren Stücken. Zu diesen gehörte
das Drama Long Day's Journey into Night, für
das O'NEILL 1955 ein zweites Mal den Pulitzer-Preis erhielt: O'NEILL verarbeitete hier autobiografisches
Material, um die menschlichen Beziehungen innerhalb einer Familie zu analysieren: Das Stück beginnt mit Sonnenaufgang eines Tages im
August 1912 und endet um Mitternacht des gleichen Tages. In diesem Zeitraum
wird das Familienleben der Familie Tyrone dargestellt: Der Vater James
Tyrone war ein erfolgreicher Schauspieler, der sich nun als geiziger Grundstücksspekulant
betätigt. Die Mutter Mary ist morphiumabhängig. Der Sohn Jamie
führt ein Dasein als unglücklicher Schauspieler, was er durch
Alkohol und Prostituierte zu kompensieren sucht. Der Sohn Edmund kehrt
mittellos und schwer lungenkrank von seinen Abenteuern nach Hause zurück.
In langen Monologen und Dialogen sowie
anhand ausführlicher Regieanweisungen analysiert O'NEILL die Abhängigkeitsbeziehungen zwischen James, Mary
und Jamie. Vielleicht wird es einzig Edmund gelingen, sich aus der Abhängigkeit
zu lösen, indem er sich in einem Sanatorium von seinem Lungenleiden
kurieren lässt.
The Iceman Cometh (1940, dt. Der Eismann kommt) gehört ebenfalls zur späteren Schaffensperiode O'NEILLS. Die Tragödie handelt von einer Gruppe verlorener Außenseiter, die ihr Dasein mit Alkohol im Hinterzimmer einer Bar betäubt und dabei ihr hoffnungsloses Leben beklagt. Der Vertreter Hickey, der als Hoffnungsschimmer auftritt und zu einem neuen Leben aufruft, erweist sich letztendlich auch als Verrückter, der sogar einen Mord auf dem Gewissen hat.
O'NEILL schrieb auch theatergeschichtlich und dramentheoretisch bedeutende Aufsätze. Durch sein Werk löste sich das amerikanische Theater aus provinzieller Enge und errang weltweit Geltung.
Werke (Auzug)
All God's Chillun Got Wings (1924, dt. Alle
Kinder Gottes haben Flügel)
Desire Under the Elms (1924, dt. Gier
unter Ulmen)
The Great God Brown (1926, dt. Der
große Gott Brown)
Strange Interlude (1927, dt. Seltsames
Zwischenspiel)
Ah, Wilderness! (1932, dt. O
Wildnis)
A Moon for the Misbegotten (1943, dt. Ein
Mond für die
Beladenen)
A Touch of the Poet (1957, dt. Fast
ein Poet)
Hughie (1959)
More Stately Mansions (1962, dt. Alle
Reichtümer der Welt)