Ogham als erstes Schriftsystem
Die Ogham-Schrift
bildet das erste irische Schriftsystem und ist ungefähr auf das 4.
Jh. n. Chr. zurückzuführen. In Stein gemeißelte
Linien und Löcher formten ein System
aus Zeichen, welches auf der Grundlage des Lateinischen Alphabets und
Lateinischer Grammatik gebaut war. Noch vor den christlichen Missionaren
war die Lateinische Sprache also schon in Irland (wenn auch nur indirekt)
vorhanden. Dies ist nicht zu verwechseln mit der Tatsache, dass das Vokabular
der irischen Sprache keltischen Ursprungs ist. Zur Zeit der Oghamschrift
sprachen die keltischen Einwohner Irlands aber schon eine Vorform des
heutigen Irisch.
Standard und Dialekt
Die Geschichte der geschriebenen irischen Sprache durchläuft vier
Zeitabschnitte, in denen sie abwechselnd entweder einheitlich verwandt
wurde, oder viele Dialekte gleichzeitig
vorherrschten, die sich auch in das Schriftsystem übertrugen. Dann
gab es nämlich verschiedene Schreibweisen gleichzeitig.
Alt-Irisch (Old
Irish, 600-900 n. Chr.) wurde in Klöstern
und Abteien gepflegt. So war eine einheitliche
irische Schriftsprache garantiert. Die Mönche hatten alle den gleichen
Bildungsstandard und -hintergrund, sodass die von ihnen aufgeschriebenen
Geschichten, Gesetzte, Verse usw. im Sprachgebrauch übereinstimmten.
Mit dem Beginn der Einfälle nordischer
Seefahrer und neuen Handelsverbindungen
begann sich dies stark zu ändern. Mittel-Irisch
(Middle Irish, 900-1200 n. Chr.)
bestand aus verschiedensten Dialekten. Eine Tatsache, die sich damit erklären
läßt, dass sich die lebendige, von den Leuten benutzte Sprache
sehr von den alten, gebildeten Standards entfernte.
Mit dem Heranwachsen einer gebildeten Laienschicht, die ihre Lobesgedichte
an die Aristokratie verkauften, erfuhr die irische Sprache in ihrer sogenannten
früh-modernen oder auch klassischen Phase. Klassisches
Irisch (Early Modern / Classical Irish,
1200-1650) zeigte eine erneute Vereinheitlichung im schriftlichen Gebrauch.
Mit dem Zerfall des alten irischen Adels, für den hauptsächlich
komponiert wurde, zerbrach auch die Einheitlichkeit der Sprache. Modernes
Irisch (Modern Irish, 1650 bis heute) variiert
aufgrund der weitgestreuten Dialekte und starkem Analphabetentum
besonders in den ländlichen Regionen. Seit den 1930er und 40er Jahren
gibt es wieder einen von staatlicher Seite erlassenen Standard. Problematisch
ist hierbei nur die Künstlichkeit vieler Regelungen, die dem natürlichen
Sprachgebrauch nicht gerecht werden. Dies mag ein Grund dafür sein,
dass Irisch, ein Pflichtfach in der Schule, letztendlich von nur wenigen
Iren wirklich beherrscht wird.
Latein
Mit der Ankunft der christlichen Missionare 430 n. Chr., allen voran St.
Patrick, dem irischen Nationalheiligen, erfuhr Irland auch seine
erste "Sprachrevolution": die Oghamschrift wurde langsam von
der lateinischen Sprache verdrängt. Die Missionare brachten nicht
nur das Kreuz und die Heilige Schrift mit auf die Insel, sondern auch
das lateinische Alphabet und die römischen
Buchstaben. Ihre Arbeit vor Ort war erfolgreich, weil sie den heidnischen
Kelten nicht ihre Religion aufzwangen, sondern das Christentum ganz behutsam
mit den alten Sitten und Bräuchen verbanden. Durch den Kontakt zur
einheimischen Bevölkerung gewann Latein auch rasch an Einfluss auf die Irische Sprache. Lateinische Wörter
aus dem christlich-religiösen Bereich wurden übernommen, wenn
es kein entsprechendes Wort in der irischen Sprache dafür gab. Beispiele
sind Lat. oratio - ortha oder scribendum
- scribend.
Alt-Nordisch
Mit den Skandinavischen Überfällen auf die irische Küste
im späten 8. Jh. n.Chr. begegnete Irisch einer weiteren fremden Kultur
und Sprache: dem Alt-Nordisch. Da die Wikinger, ganz im Gegensatz
zu den Iren, ein Volk der Seefahrer und Händler waren, übernahm
Irisch einige alt-nordische Leihwörter aus den Bereichen Navigationskunde, Handel und Kleidung. Weil die Wikinger
in erster Linie die überlegene Seemacht darstellten, wurden hauptsächlich
Wörter aus dem Bereich der Seefahrt entliehen. Beispiel hierfür
sind die direkt ins Irische übernommenen Wörter für Steuer
- stiur und Schilling - scilling.
Französisch und Englisch
Mit dem Eintreffen der Anglo-Normannen (Norman Invasion) 1169 kamen gleich zwei neue
Sprachen nach Irland: (Mittel-) Englisch und (die normannische Form von) Französisch. Durch die Gegenwart der Anglo-Normannen bekam Irland Anschluss an die
politische und kirchliche Tradition Westeuropas (seit dem 5. Jahrhundert
hatte es in Europa einige Kirchenreformen gegeben, die an Irland vorbeigegangen
waren). Folglich wurden hauptsächlich Wörter aus den Bereichen Kirche und Verwaltung übernommen. Das normannische Französisch war die offizielle
Sprache am englischen Hofe und wurde somit auch in der Verwaltung der
unter englischer Herrschaft stehenden, irischen Ländereien verwendet.
Nachdem Französisch nicht länger Amtssprache war, wurde es von
der Englischen Sprache abgelöst. Besonderes unter der irisch-sprechenden
städtischen Bevölkerung gewann Englisch immer mehr Einfluss.
Ab dem 17. Jahrhundert verfielen das alte Rechtschreibsystem und die Grammatik der Irischen Sprache in zunehmendem Maße. Die verschiedenen Dialekte beeinflussten das vorher strengen Regeln folgende, geschriebene Irisch und immer weniger neue Wörter wurden als Leihwörter in die Irische Sprache eingebunden. Stattdessen neigte man dazu, wie heutzutage beispielsweise in der deutschen Sprache, Englische Wörter direkt im Zusammenhang der irischen Sprache zu verwenden. Um diesem Trend entgegenzuwirken, bemühen sich die staatlichen Behörden und Forscher, neue (englische) Wörter mit Hilfe der Rechtschreibregelungen in die irische Sprache zu integrieren. Aus Englisch telescope wird so im modernen Irisch teileascóp.