
Sprachgeschichte
Diese häufigen Abweichungen von Aussprache und Schreibweise werden
nachvollziehbar, wenn man die Veränderung der englischen Sprache
seit dem Mittelalter genauer betrachtet. Es sind oft die Vokale,
die einen in die Ratlosigkeit führen, aber auch die Konsonanten
können einem Rätsel aufgeben, man denke an Wörter wie knight
/ night, write / right / ride, no / snow / now oder einfach nur
house.
Das englische Vokalsystem
Die englischen Vokale lassen sich grundsätzlich in drei Gruppen unterteilen:
die kurzen einfachen Vokale, die langen einfachen Vokale und die Doppelvokale.
Sprachwissenschaftler bezeichnen die verschiedenen Vokale auch mit den
griechischen Begriffen Monophthong
bzw. Diphthong.
Ein Monophthong ist ein einfacher Laut, denn
mono- bedeutet allein,
einzig. Die Vorsilbe di- steht für
die Zahl 2, also ist ein Diphthong ein Laut, der aus zwei Vokalen besteht.
Kurze Monophthonge gibt es in Wörtern wie
put (kurzes u) -
shot (kurzes o),
lange Monophthonge finden wir in Wörtern wie
goose (langes u)
- door (langes o).
Es gibt viele Diphthonge, z. B. in snow (o
und u), joy (o
und i), cow (a
und u).
Im Englischen finden sich sogar Triphthonge,
also drei Vokale in einer Reihe, z. B. in power
(a und u und schwaches
e).
Im heutigen Englisch gibt es insgesamt:
7 kurze Monophthonge:
in pit,
in pet,
in pat,
in but,
in pot,
in put,
in another
5 lange Monophthonge:
in bean,
in barn,
in born,
in boon,
in burn
8 Diphthonge:
in bay,
in buy,
in boy,
in no,
in now,
in peer,
in pair,
in poor
Diese Vokale bzw. Lautketten wurden nicht immer so ausgesprochen wie heute.
Der Vokal a in name
wurde im späten Mittelalter wie ein langes a
gesprochen, so etwa wie im deutschen Substantiv Name.
Zurzeit von WILLIAM SHAKESPEARE (1564-1616) klang das lange a
ähnlich wie das deutsche ä. In der
Aussprache des heutigen Standardenglisch,
der sogenannten Received Pronunciation, hat
das lange a die Qualität eines Doppelvokals
(e und i) angenommen.
Veränderung der Vokale
Der heutige Lautbestand ist
das Resultat des sogenannten Great Vowel Shift,
der Großen Lautverschiebung. Diese Veränderung
hat sich zum größten Teil im 15. Jahrhundert vollzogen,
also etwa 100 Jahre vor SHAKESPEARES Geburt. Diese Lautverschiebung hat
besonders stark auf die Qualität der langen Monophthonge gewirkt
(Vokaltrapez nach DANIEL JONES, Cambridge English
Pronunciation Dictionary, 2004:16).
Bisher ist es den Sprachwissenschaftlern nicht gelungen, sich auf eine
Begründung für den Beginn des Great Vowel
Shift zu einigen, sondern es werden verschiedene Theorien diskutiert.
Alle Englischlerner erfahren aber die Auswirkungen dieser Lautverschiebung,
wenn sie die Sprache schreiben: Die Rechtschreibung
der Sprache wurde festgelegt, bevor der Lautwandel
abgeschlossen war. Wir schreiben also ein Englisch, das schon lange nicht
mehr die gesprochene Sprache wiedergibt, sondern eine in dieser Hinsicht
veraltete Entwicklungsstufe der Sprache!
Mit anderen Worten: Die heute verwendeten Buchstaben bezeichnen nicht
mehr dieselben Laute wie vor über 500 Jahren.