Gründungsgeschichte
Die Entstehung von Greenpeace geht darauf zurück,
dass eine kleine Gruppe nordamerikanischer Atomtestgegner am 15. September
1971 mit dem gecharterten Fischkutter Phillis Cormak
in See stachen, um gegen die amerikanischen Atomversuche
auf Amchitka, einer kleinen Halbinsel vor Alaska, zu protestieren. Obwohl
das Boot aufgehalten wurde, erregte die Aktion der kanadischen Bürgerinitiative
große Aufmerksamkeit. Das Ziel, die Öffentlichkeit auf die
fatalen Folgen der Atomtests aufmerksam zu machen, wurde erreicht. Nach
massivem öffentlichem Druck (Demonstrationen, Streik- und Boykottaufrufe)
waren die USA gezwungen, die Atomtests auf Amchitka einzustellen.
Methoden und Erfolge
Von Anfang an sind typische Methoden der Organisation, mit spektakulären,
gewaltfreien Aktionen die Öffentlichkeit
mit Unterstützung der Medien zu
informieren und emotional für umweltpolitische Ziele zu mobilisieren.
Greenpeace konnte eine Reihe beachtlicher Erfolge
erzielen, z. B.:
- den Stopp von Kernwaffenversuchen,
zunächst der oberirdischen und seit den 1990er-Jahren der unterirdischen
Explosionen
- einen Importstopp für Robbenfelle
innerhalb der Europäischen Union
- ein kommerzielles Walfangmoratorium
- die Einführung von bleifreiem Benzin
(1985 bis 1988)
- Entwürfe für einen Öko-Kühlschrank
(1992)
- die Vorstellung des ersten Dreiliterautos
Smile (1996)
- die Etablierung von Greenpeace Energy,
einer eigenen Agentur zum Vertrieb von umweltfreundlich erzeugtem Strom
(1999)
Aktionen und Kampagnen
In den über 30 Jahren seiner Existenz hat Greenpeace zahlreiche Aktionen durchgeführt:
- 1972 bis 1975
Die Protestfahrt mit dem Fischkutter Phyllis Cormack gegen Atombomben-Tests der USA auf
der Aleuten-Insel Amchitka löste eine erste Sympathiewelle in Kanada
und den USA aus. Ab 1972 wurden die Proteste auf das Test-Atoll Moruroa
in Französisch-Polynesien ausgedehnt. Frankreich wurde 1973 gezwungen,
die Atomtests im Südpazifik abzubrechen und 1974 ganz auf oberirdische
Kernwaffentests zu verzichten. Greenpeace eröffnete im gleichen Jahr in Neuseeland das erste Büro außerhalb
Kanadas. Die Organisation startete die erste Artenschutzkampagne und engagierte sich gegen die Ausrottung der Wale.
- 1976 bis 1997
1976 wurde eine Niederlassung in den USA eröffnet, ein Jahr später
weitere in Großbritannien und Frankreich. Die Themenpalette wurde
erweitert: In Neufundland und Norwegen waren Greenpeace-Aktivisten
unterwegs, um Robben zu schützen.
Die Kampagne gegen die Tötung von Robbenbabys wurde auch von der
französischen Schauspielerin BRIGITTE BARDOT unterstützt.
1978 wurde in Holland ein Büro eingerichtet. Das erste von Greenpeace
erworbene und auf den Namen Rainbow
Warrior (Regenbogenkrieger) getaufte
Schiff wurde nach Aktionen gegen isländische Finnwal-Jäger
gegen die Versenkung von Atommüll durch Großbritannien u.
a. europäische Staaten eingesetzt. 1997 werden die einzelnen Büros
zu einer Dachorganisation mit Sitz in Amsterdam zusammengeführt.
- 1980 bis 1985
Anfang der 1980er-Jahre wurde Greenpeace Deutschland mit Sitz in Hamburg gegründet.
Greenpeace erweiterte seine Aktionen gegen die chemische
Verseuchung, z. B. mit Aktionen gegen die Dünnsäure-Verklappung
in der Nordsee. 1984 wurden Büros in Belgien und der Schweiz eröffnet. Ein
Jahr später erwarb Greenpeace ein weiteres
Schiff für die Antarktis-Kampagne. Neue Kampagnen und Niederlassungen erhöhten den Druck auf die Umweltverschmutzer.
Als Reaktion auf eine vorgesehene Protestfahrt gegen französische
Atomtests versenkte der französische Geheimdienst am 10. Juli 1985
die Rainbow Warrior, bei der ein Fotograf
ums Leben kam. Frankreich wurde dafür vom Internationalen Gerichtshof
in Den Haag zu Schadenersatz in Höhe von 15 Millionen Franken verurteilt.
- 1986 bis 1994
Die Katastrophe in Tschernobyl am 26. April 1986 veranlasste Greenpeace, eine Kampagne gegen die zivile Nutzung der Atomenergie einzuleiten.
1987 errichtete die Organisation in der Antarktis die erste nichtstaatliche Forschungsstation. Im Mai 1990 wurde mit Aktionen
gegen den Chemie-Giganten Du Pont in Luxemburg die Kampagne gegen die
Zerstörung der Ozonschicht durch FCKW eingeleitet. 1993 wurden in Japan und China Aktivitäten für
den FCKW-freien Kühlschrank Greenfreeze gestartet. Auf Druck der Chemie-Kampagne musste am 25. März 1994
durch 160 Staaten die Basler Konvention zum Verbot aller Müllexporte
aus Industrieländern nach Osteuropa und in die Dritte Welt beschlossen
werden.
- 1995 bis 2001
Die Greenpeace-Aktionen gewinnen zunehmende
Unterstützung von der Weltöffentlichkeit. Proteste richteten
sich gegen die Wiederaufnahme von Atomtests durch Frankreich auf Mururoa und gegen den Shell-Konzern wegen der
vorgesehenen Versenkung der von Greenpeace besetzten Ölplattform Brent
Spar in der Nordsee.
- Seit 1992 setzte sich Greenpeace gegen
die Zerstörung der Regenwälder ein.
- Ab 1993 konzentrieren sich die Aktivitäten insbesondere auf
Clayoquot-Sound, ein Urwaldgebiet in Kanada.
- Ab 1996 tritt Greenpeace weltweit gegen
die Patentierung von Lebewesen
und unkontrollierbare Freisetzung von gentechnisch veränderten
Pflanzen und Tieren auf.
- 1999 wurde die Kampagne zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes eingeleitet.
Die gegenwärtigen Kampagnen von Greenpeace gruppieren sich um folgende
Themenbereiche:
- Klimaschutz und Förderung
von erneuerbaren Energien
- Umweltgifte und chemische Industrie
- Abschaffung von Kernenergie und
Kernwaffen
- Erhalt der Wälder, insbesondere
der letzten Urwälder
- Schutz der Ozeane und Polargebiete
sowie der dort lebenden Tiere und Pflanzen
- Artenvielfalt und Gentechnik
Greenpeace als Non-Governmental-Organization
Über die spektakulären Aktionen und die Forschungsarbeit hinaus
arbeitet Greenpeace bei internationalen Umweltkonferenzen mit, z. B. die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung von 1992 in
Rio de Janeiro. Greenpeace besitzt den offiziellen Status einer Non-Governmental
Organization und tritt wie amnesty international als unabhängiger Teilnehmer bei
internationalen Verhandlungen auf. Greenpeace hat einen offiziellen Beraterstatus
bei verschiedenen internationalen Konferenzen, z. B. bei
- der Internationalen Walfang-Kommission (IWC)
- der Nordsee-Konferenz zum Schutz der Meere (NSC)
- dem UN-Umweltprogramm (UNEP)
- der UN-Organisation für Ernährung und
Landwirtschaft (FAO)
Hinzu kommt der Berater- bzw. Beobachterstatus im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen sowie in der UN-Vollversammlung.