1990 veröffentlichte KUREISHI seinen ersten Roman The Buddha of Suburbia (dt. Der Buddha aus der Vorstadt). Das in mehrere Sprachen übersetzte Werk wurde 1993 als Serie von der BBC verfilmt. Ein Jahr später kam der Film London Kills Me (dt. London schafft alle) in die Kinos, bei dem KUREISHI selbst die Regie führte. Auf die Veröffentlichung seines zweiten Romans The Black Album (1995, dt. Das schwarze Album) folgten Sammlungen von Kurzgeschichten. KUREISHI arbeitet auch weiterhin für das Theater: Seine Bearbeitung von BERTOLT BRECHTs Mutter Courage wurde von der Royal Shakespeare Company und vom Royal National Theatre produziert.
KUREISHI als Vertreter der Migrantenliteratur
HANIF KUREISHIs literarische Werke zählen zur sogenannten Migrantenliteratur.
Typisch für
die umfangreiche englische Migrantenliteratur sind Werke von Schriftstellern
des britischen Commonwealth. Diese
schreiben fast alle auf Englisch, der Sprache der ehemaligen Kolonialherren,
unter anderem weil sie in Großbritannien bessere editorische und
finanzielle Möglichkeiten als in ihren Heimatländern vorfinden.
In den Werken der Migrantenschriftsteller wird das Bild einer Vormachtstellung
der kolonialen Kultur als nicht mehr zeitgemäß in Frage gestellt.
Dies geschieht auf höchst unterschiedliche Arten. Zu den literarischen
Themen gehören:
Dabei decken die Texte häufig überkommene Klischees, rassistische Vorurteile und Machtstrukturen auf.
KUREISHI gilt als typischer Vertreter der zweiten Einwanderer-Generation. Diese spüren noch stärker die Spannungen zwischen zwei Kulturen als ihre Eltern. Sie stehen den kulturellen Traditionen des Mutterlandes genauso kritisch gegenüber wie der englischen, die ihnen oft mit rassistischen Vorurteilen begegnet.
KUREISHIs Dramen und Drehbücher,
so vor allem My Beautiful Laundrette, und Sammy
and Rosie Get Laid, und sein Roman The Buddha
of Suburbia spiegeln das konfliktträchtige Straßenleben
des heutigen multikulturellen London wieder. Aufgrund seiner bikulturellen
Herkunft als Sohn eines Pakistanis und einer Engländerin kann KUREISHI
zwischen zwei Kulturen pendeln und beide in bissiger Satire
gleichermaßen kritisch unter die Lupe nehmen.
In dem erfolgreichen Film My
Beautiful Laundrette wird die Geschichte eines jungen homosexuellen
Pakistani erzählt, der mit seinem weißen Freund einen Waschsalon
eröffnet. KUREISHI illustriert hier auf authentische Weise das Lebensgefühl
der jüngeren Generation im multikulturellen London. Dabei thematisiert
er rassistische Vorurteile, ohne den
asiatischen Protagonisten die Opferrolle oder einem englischen Skinhead
die Täterrolle eindeutig zuzuordnen.
In KUREISHIs jüngeren literarischen Werken geht es weniger um die Problematik der Migranten als um persönliche Sorgen und allgemeine gesellschaftliche Probleme. Sie thematisieren beispielsweise die Beziehungsprobleme einer Ehe oder handeln vom jugendlichen Schönheitswahn, wie der 2003 erschienene Roman The Body (2003, dt. In fremder Haut).
Werke (Auszug)
Dramen
The King and Me (1980)
Birds of Passage (1983)
Sleep With Me (1999)
Romane
Intimacy (1998, dt. Rastlose
Nähe)
Gabriel's Gift (2000, dt. Gabriels Gabe)
Drehbuch/Film
The Mother (2003, dt. Die
Mutter)
Kurzgeschichten
Love in a Blue Time (1997, dt. Blau
ist die Liebe)