Lebensgeschichte
HENRY FIELDING entstammte einer wenig begüterten aristokratischen Familie.
Er studierte klassische Literatur in Eton, dann auch Jura in Leiden. Zunächst
verfolgte er eine Karriere als Autor: Zwischen 1729 und 1737 verfasste er
25 Farcen und satirische
Dramen, die er zum größten Teil im Little
Theatre, dem späteren Haymarket
Theatre, aufführen ließ, wo er Manager war. Seine Stücke
fielen jedoch der Zensur zum Opfer, da sie politisch zu brisant waren und
sich der damalige Premierminister ROBERT WALPOLE angegriffen fühlte.
FIELDING war weiterhin journalistisch tätig, erlangte aber erst literarische
Bedeutung mit seinen Romanen.
Trotz seiner schwachen Gesundheit - er litt unter Asthma und Gicht - schloss er seine juristischen Studien ab. Er wurde 1748 Friedensrichter in London - inzwischen war WALPOLE nicht mehr Premierminister - und kämpfte erfolgreich gegen die sozialen Missstände seiner Zeit, hauptsächlich gegen Korruption und das Bandenunwesen. Er entwickelte sich zu einer der zentralen rechts- und polizeireformerischen Gestalten des 18. Jahrhunderts.
1747 rief FIELDING einen kleinen Skandal hervor, da er nach dem Tod seiner Frau, mit der er zehn Jahre glücklich verheiratet war, deren Dienstmädchen und Vertraute heiratete. Um seine Krankheit zu lindern, reiste FIELDING mit ihr und einer seiner Töchter nach Lissabon, wo er am 8. Oktober 1754 starb.
Literarisches Schaffen
FIELDING verfasste zunächst farcenhafte und satirische Dramen auf die politischen Verhältnisse seiner Zeit, darunter ist The Tragedy
of Tragedies: Or the Life and Death of Tom Thumb The
Great (1730, dt. Die Tragödie der Tragödien
oder Leben und Tod vom Tom Däumling dem Großen) die
bekannteste. Die Stücke nahmen allerdings die Regierung so sehr aufs
Korn, dass das Little Theatre, in dem sie aufgeführt
wurden, schließen musste. FIELDING verfolgte weiter seine satirischen
Absichten mit journalistischen Zeitschriftenbeiträgen sowie
mit der fiktiven Gaunerbiografie History of the Late
Mr. Jonathan Wild the Great (1743, dt. Jonathan
Wild der Große), die auf den Premierminister ROBERT WALPOLE
gemünzt war.
Romane
Seine größte Bedeutung erlangte FIELDING auf dem Gebiet des
Romans. In seinem ersten, komisch-realistischen Roman The History of the Adventures of Joseph Andrews (1742, dt. Geschichte der Abenteuer Joseph Andrews)
parodiert er den empfindsamen, gefühlsbetonten Briefroman Pamela (1740) von SAMUEL RICHARDSON.
Die Episoden um den einfachen Joseph Andrews, der sich gegen die Verführungskünste
von Frauen aller Klassen - von der aristokratischen Arbeitgeberin bis
hin zum Zimmermädchen - wehren muss, zeugen von sehr viel Komik.
Diese entlehnte FIELDING bewusst dem Schelmenroman Don Quijote (1605) des Spaniers MIGUEL DE CERVANTES,
einem Abenteuerroman mit der Gestalt
des Schelms im Mittelpunkt. So ähnelt die liebenswerte Weltfremdheit
des Freundes von Joseph Andrews, dem Pfarrer Abraham Adams, durchaus dem
Charakter Don Quijotes. Joseph Andrews gilt
als der erste große humoristische Roman der englischen Literatur.
Im Vorwort entwarf FIELDING eine neue begriffliche Festlegung für den Roman: FIELDING stellt ihn in die Nachfolge des antiken Epos und reklamiert für ihn die Stellung einer eigenen gesellschaftlich anerkannten Kunstform.
FIELDINGs Hauptwerk ist der Roman The history of Tom Jones, a Foundling: Dieser folgt dem Muster eines Bildungsromans, bei dem der innere Reifungsprozess eines Menschen - hier des Findelkinds Tom Jones - im Vordergrund steht. Der Roman beeinflusste die weitere Entwicklung des modernen realistischen Romans mit "gemischten Charakteren". Er knüpft an den Realismus von SHAKESPEARE und CERVANTES an und führt ihn weiter zu CHARLES DICKENS.
Inhaltlich zeigt Tom Jones FIELDINGs Nachsicht gegenüber dem Menschlich-Allzumenschlichen, die ihn von der unerbittlichen Moral RICHARDSONs unterscheidet. Erotische Eskapaden werden zwar nie ausdrücklich gebilligt, im Rahmen einer großzügigen Moral jedoch als Symptom natürlicher Spontaneität und somit Ausdruck der Unzulänglichkeit der menschlichen Natur gewertet. Der Erzähler kommentiert das Geschehen in beiden Romanen im Sinne einer aufgeklärten Vernunft. Dieses klassische Vertrauen in eine klassen übergreifend gesetzte Vernunft als Maßstab menschlichen Handelns findet sich auch in den Romanen von JANE AUSTEN wieder.
Werke (Auszug)
Drama
Love in Several Masques (1728)
Pasquin (1736)
The Historical Register for the Year (1737)
Roman
Amelia (1751; dt. Amalie,
oder das Muster einer ehelichen Liebe)
Reisebericht
The Journal of a Voyage to Lisbon (hg. 1755,
dt. Tagebuch einer Reise nach Lissabon)