Die Erfahrungen auf See beeinflussten sein literarisches Werk, mit dem
er sich als Schriftsteller etablieren
wollte. Mit seinem ersten Buch Typee or A Peep at
Polynesian Life (1846, dt. Taipi) wurde
er als Autor für exotische Reiseliteratur
berühmt und fand Zugang zu literarischen Kreisen in New York und
Boston. 1850 lernte er den amerikanischen Schriftsteller NATHANIEL HAWTHORNE
kennen, für den er große Bewunderung empfand.
MELVILLE veröffentlichte mehrere Werke, darunter den Roman Moby
Dick or, The White Whale (1851, dt. Moby Dick
oder Der weiße Wal) sowie einige Erzählungen. Aber zu
seinen Lebzeiten blieb ihm wirklicher literarischer Erfolg versagt und
er konnte nicht von seinen Veröffentlichungen leben. So war er gezwungen,
seinen Lebensunterhalt als Zollinspektor
zu verdienen (1866-1885). Obwohl er nach wie vor Gedichte und Erzählungen
schrieb, war er in den letzten Jahren seines Lebens als Schriftsteller
fast vergessen.
Literarisches Schaffen
MELVILLE hatte mit seinen Romanen über exotische Seefahrten
wie Typee und Omoo: A Narrative
of Adventures in the South Seas (1847, dt. Omu)
großen Erfolg bei den damaligen Lesern. Seine anspruchsvolleren
Romane fanden jedoch erst im 20. Jahrhundert Beachtung.
Sein Hauptwerk Moby Dick widmete
MELVILLE seinem Freund, dem Schriftsteller NATHANIEL HAWTHORNE. Es wird
oft als Jahrhundertwerk der amerikanischen
Literatur bezeichnet. Zu MELVILLEs Zeit war die Meinung der Kritik eher
zweigeteilt.
Das Buch beschreibt aus der Sicht des Erzählers Ismael den Kampf
des Macht besessenen Kapitän Ahab gegen den weißen Wal Moby Dick. Ahab will sich um jeden Preis der
Welt an dem Tier rächen, da dieses die Schuld am Verlust seines Beines
trägt. Die Jagd endet in einer Katastrophe: Das Schiff der Walfänger versinkt im Meer und nur Ismael kann sich
retten.
Der Roman ist einerseits als Seeabenteuer lesbar, andererseits kann der Kampf auch symbolhaft gelesen werden: Die
Schiffsgesellschaft des Walfängers Pequod ist ein Mikrokosmos der (männlichen) Gesellschaft mit all ihren unterschiedlichen
Charakteren und Typen. Anhand der Jagd auf den Wal stellt MELVILLE die Auflehnung des Menschen gegen Natur und Schicksal dar. Das Schicksal kann man sogar noch weiter deuten: Die
Suche nach dem Wal beschreibt die Suche des Menschen nach der Wahrheit. Die Katastrophe am Ende bedeutet, dass die Wahrheit oder auch das dahinter
liegende göttliche Konzept für den Menschen unerreichbar bleibt
und er auf der Suche danach zum Scheitern verurteilt ist.
MELVILLE kombiniert realistische Beschreibungen der Walfangindustrie mit
philosophischen Spekulationen und schafft somit ein sehr vielschichtiges
und umfangreiches, in seiner Art einzigartiges Werk. Symbolischer
Realismus findet sich bei MELVILLE aufgrund der Symbole, die man auf
verschiedene Weisen deuten kann.
Viele Verfilmungen zeugen von der bleibenden Popularität des Werkes.
Der Regisseur JOHN HUSTON schuf 1956 mit GREGORY PECK als Kapitän
Ahab einen Klassiker.
In seinen bedeutenden Erzählungen The Piazza
Tales (1856, dt. Piazza-Erzählungen), die die Geschichten Benito Cereno und Bartleby the Scrivener
(1853, dt. Bartleby, der Schreiber) beinhalten, tritt MELVILLEs pessimistische
Weltsicht in den Vordergrund. MELVILLE schrieb auch lyrische Gedichte über den Bürgerkrieg (1866, Battle Pieces)
sowie über seine Reise ins Heilige Land (1876, Clarel).
Die kurz vor seinem Tod entstandene tragische Erzählung Billy
Budd (1924, dt. Billy Budd, Matrose) wirft ethische und existenzielle
Fragen auf und wird heute als zweites Meisterwerk MELVILLEs gesehen.
BENJAMIN BRITTEN vertonte sie 1951 als Oper.
MELVILLE gilt neben NATHANIEL HAWTHORNE als Vertreter des symbolischen Realismus und gehört somit zu den wesentlichen Begründern der amerikanischen Literatur.
Werke (Auszug)
Redburn: His First Voyage (1849, dt. Redburns erste Reise)
White-Jacket (1850, dt. Weißjacke)
Pierre (1852, dt. Pierre oder die Doppeldeutigkeiten)
Israel Potter: His Fifty Years of Exile (1855, dt. Israel Potters Irrfahrten und Abenteuer)
The Confidence-Man: His Masquerade (1857, dt. Maskeraden oder Vertrauen über Vertrauen)