

Moderne Dialekte
Im gegenwärtig gesprochenen Englisch existieren viele moderne Dialekte.
Der moderne Dialekt mit dem höchsten gesellschaftlichen Ansehen wird
als Standard English bezeichnet.
Diese englische Hochsprache wird von den gebildeten Muttersprachlern gesprochen,
d.h. Menschen, die eine gute Schulbildung und oft zusätzlich einen
Universitätsabschluss haben.
Jeder Muttersprachler beherrscht neben dem Standardenglisch auch eine
regionale Variante. Die meisten Menschen wachsen an ihrem Heimatort mit
einem bestimmten Dialekt auf, den sie automatisch erlernen und im Laufe
ihres Lebens schwer ablegen können. Es gibt nur wenige, denen es
gelingt, nach der Kindheit noch einen anderen Dialekt zu lernen und diesen
so gut zu sprechen, dass er waschecht klingt.
Sprachwissenschaftler bezeichnen einen Dialekt auch als regionale
Varietät. Genau betrachtet spricht jeder Muttersprachler zwei
Dialekte: eine Varietät, die das Standardenglisch aus dem Fernsehen
bzw. Radio ist oder diesem sehr nahekommt. Dieses Englisch wird auch
als BBC Englisch bezeichnet
(BBC = British Broadcasting Corporation).
Die andere Varietät hat typische regionale Merkmale und lässt
daher auf den Heimatort des Sprechers schließen.
Traditionelle Dialekte
Neben den modernen gibt es auch traditionelle Dialekte. Sie sind die sprachgeschichtlich
älteren Varianten. Nur etwa 10 Prozent der Gesamtbevölkerung
sprechen einen traditionellen Dialekt, die Mehrheit der Briten spricht
eine moderne Varietät. Man hört traditionelle Dialekte vor allem
in ländlichen Gegenden: Die Sprecher sind meist ältere Menschen,
die in der Landwirtschaft tätig
sind oder waren. Viele Wörter der traditionellen Dialekte stammen
daher aus diesem Alltags- und Arbeitsbereich und sind schon für jüngere
Muttersprachler nahezu unverständlich, für Ortsfremde sowieso.
Verschiedene Faktoren haben die Rahmenbedingungen für die modernen
Dialekte geschaffen. Vor allem die Industrialisierung hat indirekt auf die Sprache gewirkt, da die Zahl der Einwohner in den
Städten vor allem im 19. Jahrhundert stark zugenommen hat. Auch der
Ausbau des Gütertransports im 19. Jahrhundert hat neue Möglichkeiten
für den Sprachkontakt geschaffen: Mittels der Railway wurden nicht nur Waren, sondern auch die Sprache transportiert. Durch
die Ausweitung des Verkehrsnetzes wurden Barrieren überwunden, die
den Handel und den sprachlichen Austausch bisher begrenzt oder verhindert
hatten.
Im 20. Jahrhundert haben besonders die Medien, vor allem Fernsehen und Radio, dazu beigetragen, einen sprachlichen Standard
festzulegen und zu verbreiten.
Die Veränderung der Sprache
Wenn es lange Zeit keine englische Standardsprache gegeben hat, sondern
viele unterschiedlich traditionelle Dialekte, stellt sich die Frage, welche
Wörter den Wortschatz des BBC English ausmachen.
Der moderne Dialekt Standardenglisch ist entstanden, indem sich jeweils
ein Begriff aus den traditionellen Dialekten als moderner Standard etabliert
hat. Die Bezeichnungen anderer Dialekte sind deshalb nicht verloren gegangen,
sondern werden in ihren Heimatregionen weiterverwendet, sind aber
für die Mehrheit der Briten nicht unbedingt verständlich. Sprachwissenschaftler
nennen Bezeichnungen, die sich nicht als Standardbegriff etablieren können, dialektale Varianten.
Als Beispiel soll das Wort Turnschuhe dienen,
die im Standardenglisch meist als trainers
oder auch gymshoes bezeichnet werden. In den
Varianten der modernen Dialekte hört man zahlreiche andere Begriffe:
Im Nordosten werden sie sandshoes genannt,
in der Merseyside-Region gollies. Im Norden
und in der Mitte Englands nennt man sie pumps, was für deutsche Muttersprachler die Gefahr eines false
friend birgt. Im Südwesten hingegen heißen sie daps, zum Südosten hin plimsolls. Die beiden
Bezeichnungen des Standardenglisch, trainers
oder gymshoes, werden überall im Land
verstanden.
Für zahlreiche Wörter aus den traditionellen Dialekten gibt
es hingegen oft keine Entsprechung im Standardenglisch. Das kann daran
liegen, dass z. B. ein bestimmtes landschaftliches Gerät aufgrund
der technischen Weiterentwicklung nicht mehr verwendet wird und seine
Bezeichnung daher im modernen Englisch überflüssig geworden
ist. So erklärt sich, dass traditionelle Dialekte einen größeren
Wortschatz aufweisen als das Standardenglisch.
Diese Tendenz zur Vereinheitlichung
der Sprache wird auch an den Bezeichnungen für Mädchen
deutlich: Im Standardenglisch verwendet man girl.
Neben diesem Begriff ist in anderen modernen Dialekten auch lass
verbreitet (die männlichen Entsprechungen dazu sind boy
und lad). In den traditionellen Dialekten existieren
aber zudem Bezeichnungen wie maiden, wench,
mawther. Gerade maiden führt die
sprachliche Verwandtschaft des Englischen und des Deutschen vor Augen,
da wir die Wörter Maid und Mädel
kennen.