Charakteristika
Gemeinsam mit den übrigen inselkeltischen Sprachen hat die irische
Sprache alte Züge aus indogermanischer Zeit bewahrt. So gibt es z.
B. keinen Infinitiv. Es gibt zwei Konjugationsschemata
der Verben. Die einfachen Zeitformen werden nur für allgemeine Handlungen
und Verläufe verwendet, während konkrete Handlungen durch die
Verlaufsform ausgedrückt werden. Da kein Infinitiv existiert, werden
Verben in Wörterbüchern im Inflektiv,
also als Verbwurzel ohne Flexionsendung, aufgeführt. Neben elf unregelmäßigen
Verben kennt das Irische auch defekte Verben, die nicht vollständig
konjugiert werden können, sondern nur in wenigen Formen, oft nur
in einer einzigen Form, vorkommen.
Der Wortschatz des Irischen stammt zum größten Teil aus dem Keltischen beziehungsweise Gälischen. Jedoch ist trotz einer enormen Lautverschiebung immer noch eine Verwandtschaft zum Lateinischen nachweisbar. Das Französische und das Englische haben nur geringe Spuren im Wortschatz hinterlassen.
Die Schreibung des Irischen ist eher etymologisch als phonetisch. Trotzdem gibt es klare Regeln zur lautlichen Umsetzung. Buchstaben und Buchstabenkombinationen haben aber unterschiedliche Aussprachemöglichkeiten, die von der Stellung und von der Wortumgebung abhängen.
Geschichte
Irisch hat eine lange Tradition - es war die erste Variante der keltischen
Sprachen und die früheste Sprache nördlich der Alpen, von der
es noch viele schriftliche Zeugnisse gibt. Das Alphabet bestand ursprünglich
aus besonders gestalteten Schriftzeichen. Den irischen Schreibstil kann
man noch im Book of Kells und im Book
of Armagh im Trinity College in Dublin bewundern.
Mit der Christianisierung kam im 5. Jahrhundert die lateinische Schrift nach Irland. Das alte Irisch kannte mehr Laute als das Lateinische und es wurden neue Buchstabenverbindungen und Zusatzzeichen notwendig. Gleichzeitig kam es zu einer verstärkten politischen Repression des Irischen durch die englischen Besatzer. Die irische Sprache sowie die irische Kultur insgesamt wurden als Zeichen nationaler Eigenständigkeit unterdrückt.
Durch englische und schottische Einwanderung vor allem im Norden und Osten wurde das Irische weiter zugunsten des Englischen zurückgedrängt. Mit Einführung der allgemeinen Schulpflicht 1831 wurde das Irische schließlich auch als allgemeine Umgangssprache durch Englisch ersetzt. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte das Irische als Symbol des Strebens nach Unabhängigkeit eine Renaissance. Irische Nationalisten und Literaten machten sich für eine Regälisierung stark, die 1922 sogar zum Staatsziel erklärt wurde.
Nach der erkämpften Unabhängigkeit Irlands erkannten die nachfolgenden Regierungen die Notwendigkeit, das kulturelle Erbe der Gaeltacht-Regionen zu schützen und zu fördern. Sie riefen im Jahr 1956 die staatliche Gaeltarra Eireann ins Leben. Nun erfuhren das nationale Kulturgut und die alte Sprache eine groß angelegte Förderung. Auch wenn die wenigen irischsprachigen Gebiete unter speziellem Schutz der Regierung stehen und Irisch als Kultursprache etabliert wurde, verliert das Irische immer mehr an Bedeutung.