Wissenschaftliche Tätigkeit
WATSON ging 1950 für ein Jahr nach Stockholm, wo er die DNA von infektiösen
Viren untersuchte. Er forschte somit auf dem Feld der Biochemie,
obgleich er ihr im Rahmen seines Studiums wenig Beachtung geschenkt hatte.
Während einer Tagung lernte er den Biochemiker MAURICE WILKINS kennen,
welcher Röntgenbeugungsaufnahmen
von kristalliner DNA vorführte. WATSON wollte nun auch die Struktur,
also den molekularen Feinbau, der DNA näher erforschen und wechselte
dazu 1951 an das Cavendish Laboratory in Cambridge,
England. Dort fand er in dem Biophysiker FRANCIS HARRY COMPTON CRICK einen
ehrgeizigen Mitstreiter. Mit einem experimentellen Ansatz und viel Kreativität
gelang es den beiden Forschern 1953, ein räumliches Modell der DNA
zu präsentieren, das WATSON-CRICK-Modell.
Demnach hat die DNA die Gestalt einer Doppelhelix
(Doppelwendel), vergleichbar mit einer spiralförmig verdrehten Leiter.
Das WATSON-CRICK-Modell erklärt den Mechanismus der Replikation
(Verdopplung) des genetischen Materials. Bei der Entwicklung ihres Modells
hatten sich WATSON und CRICK auf DNA-Röntgenbeugungsmuster gestützt,
die ROSALIND FRANKLIN, die Assistentin von WILKINS, aufgenommen hatte.
Für ihre Arbeit zur Klärung der DNA-Struktur erhielten WATSON,
CRICK und WILKINS 1962 den Nobelpreis
für Medizin/Physiologie. FRANKLIN war wenige Jahre zuvor verstorben.
Mit einer Untersuchung zu dem infektiösen Tabakmosaik-Virus hatte
WATSON ein Jahr zuvor einen weiteren wichtigen Forschungsbeitrag geliefert.
Von 1953 bis 1955 war WATSON am California Institut
of Technology, wo er die Methode der Röntgenstrukturanalyse
auf Ribonucleinsäure (RNA) anwendete. Im Folgejahr kehrte er zu dem
Cavendish Laboratory zurück und publizierte
mit CRICK verschiedene Artikel über den Aufbau von Viren.
Noch 1956 erhielt WATSON einen Ruf von dem Harvard
Biology Department in Cambridge, Mass. (USA), wo er 1961 nach einer
Assistenzprofessur zum ordentlichen Professor ernannt wurde. In dieser
Zeit entstand sein Buch Molekularbiologie der Gene
(1965).
Ab 1968 wurde er Direktor des Cold Spring Harbor Laboratory
in New York; im gleichen Jahr erschien sein populäres Buch DNA-Story
(dt. Die Doppel-Helix). Ein weiteres Hauptwerk
seiner Schaffenskraft ist das Buch Recombinant DNA
(1985).
Weiterer Lebensweg
Im Jahr 1990 übernahm WATSON die Leitung des neu gegründeten
internationalen Forschungsprojektes Human Genom Project.
Er befasst sich gegenwärtig vor allem mit ethischen Fragen der Genforschung.
Der Chemiker ERWIN CHARGAFF hatte WATSON und CRICK, die mit selbst gebastelten
Modellen aus Holz und Papier versuchten, die Struktur der DNA zu ergründen,
in ihrem Labor besucht. Von CHARGAFF ist das folgende Zitat überliefert:
"Soweit ich es verstehen konnte, wollten die
beiden, von keinerlei Kenntnis der einschlägigen Chemie beschwert,
DNA irgendwie als Helix formulieren."