Literarisches Schaffen
JAMES JOYCE beherrschte mehrere Sprachen und hatte sich vor allem mit
den Literaten HENRIK IBSEN, GERHART HAUPTMANN und WILLIAM BUTLER YEATS
auseinandergesetzt. Skeptisch stand er der Ende des 19. Jahrhunderts
aufkommenden irischen Renaissance,
der Rückbesinnung auf die irische Kultur, gegenüber. JOYCE schuf
zunächst zarte Gedichte (Chamber Music,
1907, dt. Kammermusik) und den Kurzgeschichtenzyklus
Dubliners (1914). In diesen Kurzgeschichten
versuchte er, mit naturalistischen und symbolistischen Mitteln die geistig-moralische
Lähmung des Dubliner Lebens darzustellen. Entschieden wandte sich
JOYCE von der gängigen handlungsreichen Pointengeschichte ab. Seine
Schriften zielten auf die Erfassung des instantiv aufblitzenden "wahren"
Wesens einer Person oder Sache. Solche Momente tiefster Einsicht bezeichnete
er als Epiphanien.
In seinem autobiografischen
Roman A Portrait of the Artist as a Young Man (1916, dt. Ein Porträt des Künstlers als
junger Mann) umreißt JOYCE die Position des Schriftstellers,
der sich aus den Bindungen von Kirche, Staat und Gesellschaft löst
und auf der künstlerischen Freiheit besteht. Der Roman ist in der
Form des Künstler- und Bildungsromans geschrieben und verwendet die Technik des inneren Monologs. Gedanken und
Gefühle einer Figur werden hier versprachlicht und unmittelbar in
Ichform wiedergegeben.
JOYCEs RomanUlysses (1922) war in Großbritannien
und den USA lange Zeit wegen des Vorwurfs der Obszönität verboten.
Er schildert den Verlauf eines einzigen Tages, des 16. Juni 1904, im Leben
des Dubliner Anzeigenmaklers Leopold Bloom, seiner Frau Molly und des
jungen Stephen Daedalus. Zugleich weitet JOYCE das Geschehen mithilfe
feinsinnig ausgeführter Anspielungen und Zitate - die Parallelen
zu HOMERs Odyssee sind deutlich auszumachen
- über die zeitlichen und räumlichen Grenzen aus.
JOYCE entwickelte dabei die Technik des Bewusstseinsstroms (stream of consciousness) weiter. Sie stellt eine Sonderform des inneren
Monologs dar, bei der Gedanken nur untergeordnet und assoziativ verknüpft
präsentiert werden. Auf diese Weise revolutionierte JOYCE die Form
des Romans. Er wandte sich gegen den realistischen Roman, der auf die
Abbildung der äußeren Wirklichkeit abzielt. Ein Beispiel für
die Technik des stream of consciousness ist
Mollys Monolog im letzten Kapitel des Ulysses.
In dem experimentellen Roman Finnegans
Wake (1939) radikalisierte JOYCE seine äußerst vielschichtige,
auf sprachliche Verschlüsselungen und Wortspiele zurückgreifende
Erzähltechnik. Er arbeitet mit Traumfragmenten - an der Oberfläche
handelt es sich um die Träume eines irischen Gastwirts und seiner
Familie - und wendet die Erzählung ins Archetypische.
Werke (Auszug)
Drama
Exiles (1918)
Gedichte
Pomes Penyeach (1927)