Literarisches Schaffen
TOLKIENs Kenntnisse der altenglischen Sprache und Literatur und der nordischen
Mythologie inspirierten ihn zu seinem fantastischen
Erzählwerk, in dem in einer imaginären Welt ein Kampf
zwischen Gut und Böse ausgetragen wird. TOLKIENs Erfolg begann mit
der für Kinder geschriebenen Erzählung The
Hobbit, in der er die "Mittelerde", die Welt der Hobbits,
erfand.
Darauf aufbauend schuf er die dreiteilige Romanfolge The
Lord of the Rings (1954/1955), die mit großer Begeisterung von
einem erwachsenen Massenpublikum gelesen
wurde: Das Werk wurde etwa zehn Jahre nach seinem Erscheinen in den späten
1960er-Jahren zu einem Kultbuch einer
ganzen Generation. Die Trilogie besteht aus folgenden Teilen:
| Band 1: | The Felloship of the Ring (1954, dt. Die Gefährten) |
| Band 2: | TheTwo Towers (1954, dt. Die zwei Türme) |
| Band 3: | The Return of the King (1955, dt. Die Rückkehr des Königs) |
TOLKIENs Romane gehören zum Bereich der High Fantasy Literatur, als deren Wegbereiter LEWIS CARROLLs Roman Alice's Adventures in Wonderland (1865, dt. Alice im Wunderland) gilt. Mit The Lord of the Rings erzielte die High Fantasy in der Mitte des 20. Jahrhunderts ihren Durchbruch, sodass ein regelrechter Fantasy-Boom einsetzte. In Deutschland verhalfen MICHAEL ENDEs Romane Momo (1973) und Die unendliche Geschichte (1979) diesem Genre zu beachtlicher Beliebtheit. Inzwischen gehört die High Fantasy zum produktivsten und kommerziell erfolgreichsten Literaturzweig unserer Zeit.
Die High Fantasy steht in der Nähe der Zaubermärchen und beschreibt Handlungen in sogenannten Anderswelten: Diese sind isolierte, ins sich stimmige Welten, in denen die Naturgesetze unserer Realität keine zwingende Gültigkeit besitzen. Charakteristisch für die Handlung ist die Lebensreise des Helden, der Erfahrungen sammelt und Lernprozesse durchläuft. Dabei wird er oft unfreiwillig in Abenteuer im Kampf zwischen Gut und Böse hineingezogen und muss Prüfungen bestehen, um schließlich als gereifte Persönlichkeit dazustehen. Diese Persönlichkeitsbildung am Ende ähnelt dem klassischen Entwicklungsroman, in denen der Held ebenfalls bestimmte Prozesse durchlaufen muss, um am Ende als reife Persönlichkeit dazustehen (GOETHEs Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1795/96, GÜNTHER GRASS Die Blechtrommel, 1959).
Den großen Erfolg der High Fantasy kann
man auch aus dem faszinierenden Widerspruch erklären, dass das unrealistische
Geschehen in der Anderswelt mit äußerster Akribie und in allen
Einzelheiten geschildert wird. Auf diese Weise wird man als Leser dazu
gezwungen, wenn man sich darin zurechtfinden möchte, sich in diese
Welt zu "vertiefen".
Es entstanden Tolkiengesellschaften, in denen Fans ihr spezielles Insiderwissen unter Beweis stellen konnten.
Letztendlich ist die Beliebtheit der High Fantasy aber auch dadurch zu erklären, dass die Leser sich aus ihrer
realen, trostlosen Welt flüchten möchten in eine andere, die
bunter und abwechslungsreicher ist und in der Probleme aufgrund des einfachen
Gut-Böse-Schemas lösbar sind.
TOLKIEN beeinflusste mit seinem Werk viele andere Autoren und wurde oft imitiert. The Lord of the Rings erfuhr in den letzten Jahren aufgrund seiner aufwändig gemachten Verfilmungen einen weiteren großen Boom. Alle drei Verfilmungen wurden von PETER JACKSON gemacht und erhielten jeweils mehrere Oscars. Sie demonstrieren die anhaltende Popularität des Herrn der Ringe:
Werke (Auszug)
Erzählungen
The Silmarillion (hg. 1977, dt. Das Silmarillion)
Unfinished Tales of Númenor and Middle-earth (hg. 1980, dt. Nachrichten aus Mittelerde)
The Book of Lost Tales (hg. 1983-1984, dt. Das
Buch der verschollenen Geschichten)
Aufsätze
Beowulf: The Monsters and the Critics (1936,
dt. Das Ungeheuer und ihre Kritiker)