Englisch
Kate Chopin

Lebensgeschichte
KATE CHOPIN, geborene O'FLAHERTY, wurde am 12. Juli 1850 in St. Louis, Missouri, als jüngstes von drei Kindern geboren. Ihr Vater war ein irischer Einwanderer, ihre Mutter amerikanisch-französischer Abstammung. Als sie fünf Jahre alt war, stirbt ihr Vater. Sie wuchs mit ihren Geschwistern in einem von Frauen dominierten Umfeld auf, da im Haushalt neben ihrer verwitweten Mutter noch ihre verwitwete Großmutter und Urgroßmutter lebten. Sie besuchte eine von Nonnen geleitete Schule in St. Louis und wurde auf das Leben als Ehefrau und Mutter vorbereitet. 1870 heiratete sie den Kreolen OSCAR CHOPIN und zog mit ihm nach New Orleans, Louisiana. Durch ihn lernte sie das Leben in New Orleans und auf den Plantagen im Norden Louisianas am Cane River kennen. Sie führten eine glückliche Ehe und bekamen sechs Kinder. 1882 starb OSCAR CHOPIN unerwartet an Malaria. Zwei Jahre später kehrte CHOPIN in ihre Geburtsstadt St. Louis zurück, um näher bei ihrer Mutter zu sein. Diese starb jedoch kurz darauf. CHOPIN musste sich nun allein um ihre Kinder kümmern. Freunde ermutigen sie zum Schreiben und sie veröffentlichte im Alter von 39 Jahren ihre ersten Kurzgeschichten. Von nun an erschienen ihre Erzählungen in verschiedenen Zeitschriften. Kurz darauf folgte ihr erster Roman At Fault (1890). 1894 erschien eine Kurzgeschichtensammlung Bayou Folk (1894), mit der sie ihren größten Erfolg feierte. Ihr letzter Roman The Awakening wurde von den zeitgenössischen Kritiken verrissen und sogar aus öffentlichen Bibliotheken verbannt. 1904 starb sie an einer Hirnblutung in Saint Louis.

Literarisches Schaffen
Beeinflusst wurde KATE CHOPIN von dem französischen Schriftsteller GUY DE MAUPASSANT, den sie übersetzte. In dem Roman At fault und in den Kurzgeschichten Bayou Folk und A Night in Acadie (1897) schildert CHOPIN auf realistische Weise das Leben in Louisiana mit seiner französisch beeinflussten Kultur. Daher zählte man CHOPIN lange zu der Local Color School, einer literarischen Strömung, die sich in den USA vor allem nach dem Sezessionskrieg 1861-1865 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte. Ihre Autoren, von denen viele Frauen waren, betonten lokale Sprachformen und beschrieben lokale Gebräuche und Landschaften. Sie vertraten außerdem alternative Werte wie Freiheit von kommerziellen Zwängen und Gleichheit der Frau.

Heute schenkt man dem letzten Aspekt in CHOPINs Romanen und Erzählungen weitaus mehr Beachtung: Ihre Werke befassen sich vor allem mit weiblichen Erfahrungen und mit der Problematik der Psyche der Frau. CHOPINs Frauenfiguren sind auf der Suche nach ihrer Identität und ihrer Rolle in männlich-weiblichen Beziehungen. Dieser Konflikt mit der patriarchalischen Gesellschaft wird schließlich zum zentralen Anliegen in CHOPINs bedeutendstem Werk The Awakening.

Das Buch wurde jedoch zu seiner Zeit als zu skandalös empfunden und löste heftige Kontroversen aus. Romane, in denen die weibliche Sexualität positiv bejaht wurde und eine neue emanzipierte Frau gezeigt wurde, so wie KATE CHOPIN es in The Awakening beschrieb, waren zu dieser Zeit noch nicht möglich. Das Buch wurde erst 1980 ins Deutsche übersetzt. KATE CHOPIN fand erst im späten 20. Jahrhundert - fast 100 Jahre nach ihrem Tod - große Anerkennung für ihr Werk.

Verwandte Themen
© Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim und DUDEN PAETEC GmbH, Berlin. Alle Rechte vorbehalten. www.schuelerlexikon.de