WOLLSTONECRAFTs Umfeld, in dem sie aufwuchs, war geprägt von den
intellektuellen Kreisen ihres Vaters. Schon früh lernte sie die Dichter
SAMUEL TAYLOR COLERIDGE und PERCY
BYSSHE SHELLEY kennen. Noch keine 17 Jahre alt, verließ sie
1814 zusammen mit PERCY BYSSHE SHELLEY England. Zusammen bereisten sie
die Schweiz, Frankreich und Deutschland. Nach dem Tod von SHELLEYs Frau
heirateten sie 1816.
Während eines Aufenthalts in der Schweiz zusammen mit ihrem Freund
LORD BYRON, erzählten sie sich gegenseitig Schauergeschichten.
So entstand am Genfer See das bekannteste Werk WOLLSTONECRAFTs, der Schauerroman
Frankenstein, or The Modern Prometheus (1818). Später
zogen sie nach Italien, wo sie ein
recht bewegtes Leben führten, doch harte Schicksalsschläge
folgten: Nur eines ihrer Kinder, die geboren wurden, überlebte das
Kleinkindalter; ihr Mann PERCY BYSSHE SHELLEY starb 1822 bei einem Segelunfall.
Nach dem plötzlichen Tod SHELLEYs kehrte WOLLSTONECRAFT nach England
zurück, um sich um ihr einziges gebliebenes Kind zu kümmern.
Sie setzte ihr Leben als Schriftstellerin fort und trat für Wohltätigkeitsvereine
und Bildung ein. Außerdem brachte sie die Werke ihres Mannes heraus.
Literarisches Schaffen
WOLLSTONECRAFT schrieb Romane, Biografien und Erzählungen, oft in
kontinentaler Szenerie und mit historischem Hintergrund. Bei ihr finden
sich sowohl Anklänge zur Science Fiction,
als auch zum englischen romantischen Schauerroman, der Gothic
Novel.
Am bedeutendsten wurde WOLLSTONECRAFTs Roman Frankenstein, or The Modern Prometheus, den sie mit 19 Jahren verfasste. Der in der Art eines Briefromans geschriebene Roman, erzählt die Geschichte eines besessenen Wissenschaftlers, der ein künstlich erzeugtes, überdimensionales menschliches Wesen erschafft. Wegen seiner übernatürlichen Kräfte und seiner Hässlichkeit findet das Wesen keinen Kontakt zu seiner Umwelt. Vergeblich versucht es, seinen Erfinder davon zu überzeugen, ihm ein weibliches Gegenstück zu machen, um seiner Einsamkeit zu entrinnen. Schließlich tötet es voller Hass Bruder, Freund und Schwester seines Schöpfers, der am Ende selbst ums Leben kommt.
Das Thema um die Grenzen der Wissenschaft
und ihre unvorhersehbaren Auswirkungen ist heute noch so aktuell wie damals,
sodass WOLLSTONECRAFTs Frankenstein
in vielfältiger Weise immer wieder neue Bearbeitungen findet.
Auch ROBERT LOUIS STEVENSON greift in seiner Erzählung The
Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde (1886, dt. Der
seltsame Fall des Doctor Jekyll und des Herrn Hyde) ein ähnliches
Schema auf. WOLLSTONECRAFTs Roman wird jedoch als Ursprung der modernen
Science Fiction gesehen.
Beeindruckend sind auch ihre Naturbeschreibungen,
die sich an die Werke der englischen Romantiker
WILLIAM WORDSWORTH und SAMUEL TAYLOR COLERIDGE anlehnen, für die
WOLLSTONECRAFT große Bewunderung empfand.
Der Stoff der Erzählung inspirierte nicht nur fantastische und utopische
Gruselgeschichten in der Trivialliteratur, sondern auch zahlreiche Verfilmungen.
Der bereits 1931 entstandene Film Frankenstein
ist einer der frühesten amerikanischen Gruselfilme und gilt als Klassiker.
BORIS KARLOFF spielt das Monster in dieser von JAMES WHALES verfilmten
Version. Der Film zog zahlreiche Adaptionen
nach sich, von denen viele auch in Japan produziert wurden.
MEL BROOKS machte aus dem Stoff eine Parodie
in seinem Film Young Frankenstein (1974, dt.
Frankenstein Junior), in dem neben anderen
PETER BOYLE und GENE HACKMAN zu sehen sind.
KENNETH BRANAGH wiederum hielt sich 1994 bei seiner Verfilmung (Mary
Shelley's Frankenstein) eng an die Vorlage aus dem Jahr 1818 und
zeigt das erschaffene Monster als ein mitfühlendes und leidendes
Geschöpf. KENNETH BRANAGH ist als Victor Frankenstein und ROBERT
DE NIRO als das Monster zu sehen, in weiteren Rollen finden sich HELENA
BONHAM CARTER, TOM HULCE und JOHN CLEESE.
Doch WOLLSTONECRAFT verfasste nicht nur den bekannten Frankenstein-Roman. The Last Man (1806) ist eine bis ins Jahr 2100 reichende Anti-Utopie, d. h. eine Albtraum-Version der Zukunft. England wird als Republik geschildert, die von einer Plage heimgesucht und nach und nach zerstört wird. Allerdings reicht keines ihrer späteren Werke an ihren ersten erfolgreichen Roman heran.
Werke (Auszug)
Romane
Valperga (1823)
Lodore (1835)
Reiseberichte
Rambles in Germany and Italy in 1840, 1842 and 1843
(1844)