Die Musket Wars
Zwischen den Stämmen gab es von Anfang an blutige
Auseinandersetzungen, die teilweise auch mit Kannibalismus
verbunden gewesen sein sollen. Im frühen 19. Jahrhundert ließen
sich die ersten weißen Siedler in Neuseeland nieder. Sie führten
eine für die Maori neue Lebensart ein. Ein Aspekt dieser Lebensart
waren die Waffen. Schnell erkannten die Maori die effektiv-tödliche
Wirkung westlicher Schusswaffen und es dauerte nicht lange, bevor sich
einige Stämme diese im Tausch gegen andere Waren besorgten. Die Musket
Wars (Musketenkriege) begannen. Geheimwaffe
zunächst nur einiger Stämme verliehen die Musketen den Maori-Auseinandersetzungen
eine neue blutige Dimension. Zwischen 1818 und 1833 metzelten sich Stämme
auf beiden Inseln gegenseitig nieder und reduzierten die Zahl ihres Volkes
beträchtlich.
Die Maori-Kriege
Auseinandersetzungen und Konflikte gab es auch zwischen Maori und Siedlern.
Ihren Höhepunkt erfuhren diese in der Zeit nach der Unterzeichnung
des Vertrags von Waitangi (Waitangi Treaty),
als die Einwandererströme aus
England anschwollen und Tausende neuer Bewohner Ansprüche auf ein
Stück Land in den neuen Kolonie erhoben. Die sogenannten Maori-Kriege
dauerten von 1843 bis 1872 und wurden von den Maori, den Siedlern und
der britischen Armee ausgetragen. Die Maori, die durch die Unterzeichnung
des Vertrags von Waitangi 1840 zwar der englischen Krone ihr Land überschrieben
hatten, wohl aber unanfechtbare Besitzrechte zugesprochen bekommen hatten,
wehrten sich gegen die Enteignung oder
den Verkauf unter Preis. Sie bildeten jedoch keine geschlossene Kriegspartei,
sondern waren in viele Gruppen gesplittert, von denen sich einige auch
der britischen Seite anschlossen.
Die britische Regierung war seit 1840 militärisch durch einige Divisionen
imperialer Truppen auf Neuseeland vertreten. 1846 wurde eine bewaffnete
Constabulary (Polizei),
eingerichtet, um den Frieden zu sichern. Sie löste die imperialen
Truppen ab. Die Konflikte dauerten an.
Die New Zealand Militia und das ANZAC
1858 wurde der Militia Act verabschiedet,
der es ermöglichte, eigene spezifisch militärische Truppen zusammenzustellen.
1872 wurde daraus die New
Zealand Militia. Neuseeland hatte
eine Armee. Aktiv geworden ist diese seither ausschließlich außerhalb
Neuseelands.
Schon wenige Jahre später, Im Jahr 1899, hatte die neuseeländische
Armee ihren ersten Auslandseinsatz: Ein Kontingent beteiligte sich auf Seite der Engländer in einer anderen
Kolonie: In Süd-Afrika tobte der Burenkrieg (1899 bis 1902), ein Aufstand ursprünglich niederländischer
Siedler, die sich der neuen Kolonialmacht Großbritannien nicht unterwerfen
wollten.
Der Erste Weltkrieg führte zum
nächsten Einsatz. Am 29. August 1914 erklärte Neuseeland Deutschland
den Krieg und marschierte mit 1 413 Mann in Samoa ein, damals eine
deutsche Kolonie. 8 417 Soldaten, allesamt Freiwillige, brachen Richtung
Europa auf. Sie landeten in Ägypten, wo sie sich mit dem Australischen
Heer zusammentaten und unter Führung des Generals WILLIAM RIDDELL
BIRDWOOD die Streitkraft ANZAC (Australian
New Zealand Army Corps) bildeten.
Der bedeutendste Kriegsschauplatz aus australo-neuseeländischer Sicht
war zweifellos Gallipoli, eine türkischen
Halbinsel, wo ANZAC von April bis Dezember 1915 ausharrte und auf der
Seite der Engländer und Franzosen gegen die türkische Armee
kämpfte. Obwohl die neuseeländischen Soldaten, darunter ein Maori-Battaillon, später auch
an anderen Orten kämpften, etwa in Palästina und Frankreich,
hat sich der neuseeländischen Bevölkerung Gallipoli am stärksten
ins kollektive Bewusstsein eingebrannt. Bis heute wird jährlich am
25. April, dem ANZAC-Day, der gefallenen Landsmänner
gedacht. Im Ersten Weltkrieg starben 2 721 Neuseeländer.
Auch der Zweite Weltkrieg sah von Anfang
an Neuseeländische Beteiligung. 104 000 Soldaten waren involviert;
im März 1944 befanden sich 70 000 neuseeländische Soldaten
im Einsatz außerhalb des Landes. Die neuseeländische Kriegserklärung
an Deutschland erging im September 1939. 1940 landete die eigens gebildete Second New Zealand Expeditionary Force in Ägypten. Neuseeländische Soldaten kämpften in Griechenland
und Italien, ein großer Anteil war auch im pazifischen Raum im Einsatz.
Nicht vergessen werden dürfen die vielen Soldaten, die in der Heimat
Stellung hielten, um das Land gegen mögliche Angriffe aus der näheren
Umgebung, etwa Japan zu schützen.
Obwohl "nur" 11 625 Neuseeländer im zweiten Weltkrieg
fielen, war das Land von seinen Verlusten sehr belastet. Tatsächlich
zeigte sich, dass Neuseeland, gemessen an der Zahl seiner Bevölkerung,
die höchste Todesrate im ganzen Commonwealth zu verkraften hatte.
Der Sicherheitspakt ANZUS
Weitaus weniger dramatisch war die Beteiligung am Koreakrieg (1950 bis 1953). 1951 schloss Neuseeland mit Australien und den USA den
Sicherheitspakt ANZUS (Australia
New Zealand US), den Amerika in den 1980er-Jahren suspendieren
sollte. Das Abkommen sah vor, dass sich die Länder gegenseitig bei
Bedarf unterstützen. Dies führte zu neuseeländischer Beteiligung
am Vietnam-Krieg. Trotz starker Proteste
seitens der Bevölkerung entsandte die Regierung über die Jahre
3 256 Soldaten nach Vietnam. Von 1965 bis 1971 kämpften diese
an der Seite der Amerikaner. Es war der bislang längste Konflikt,
an dem neuseeländische Soldaten beteiligt waren, der erste, bei dem
Neuseeland nicht an der Seite Englands kämpfte und der bislang letzte
größere kriegerische Einsatz. Heute ist die neuseeländische
Armee weltweit an humanitären Einsätzen und UN-Missionen beteiligt.