Kulturelle Emanzipation
Mit dem Einzug der europäischen Siedler Ende des 19. Jahrhunderts
wurde die Maori-Kultur beinahe zugrunde gerichtet - die Zahl der Ureinwohner
reduzierte sich dramatisch, die traditionelle Kultur konnte den aus immer
neuen Ländern einsetzenden Einwandererströmen
nicht standhalten. Neuseeland wurde binnen kurzer Zeit multikulturell.
Und obwohl verschiedene Volksgruppen auch in der neuen Heimat an ihren
eingeführten Bräuchen festhielten - die Schotten in Dunedin
(Südinsel) etwa pflegten Musik und Theaterspiel - dauerte es doch,
bevor aus diesem kulturellen Nebeneinander eine neue Einheit gewachsen
war.
Man könnte sagen, dass neben der politischen auch Neuseelands kulturelle
Emanzipation vom Mutterland England ein bedeutender Schritt in Richtung
eigener kultureller Identität war.
Mitte des 20. Jahrhunderts begannen die Neuseeländer sich insbesondere
in der Literatur von den englischen Einflüssen zu lösen. Auch
die Rückbesinnung auf die Maori-Bräuche
und ihre Neubelebung begann zu jener Zeit.
Da Neuseeland bis heute ein Einwanderungsland geblieben ist, erfährt
die Kultur weiterhin ständig neue Impulse. Malerei, Literatur und Musik sind von diesen Einflüssen spürbar
geprägt und bereichert.
Die Architektur in den Städten,
besonders stark in Wellington, machen sie allgemein sichtbar. Und es ist
eben diese Mischung, die Neuseelands Kultur so interessant erscheinen
lässt.
Zudem wird Kultur in Neuseeland sehr enthusiastisch gepflegt und gefördert.
Eine wichtige Einrichtung in dieser Beziehung ist der 1963 gegründete Queen Elisabeth II. Arts Council of New Zealand.
Literatur
Die Literatur orientierte sich,
abgesehen natürlich von den mündlich überlieferten Maori-Legenden
ebenso wie Architektur, bildende Kunst und Musik zunächst stark am
britischen Mutterland. Frühste schriftliche Zeugnisse sind Reiseberichte.
Berühmt geworden sind etwa die Aufzeichnungen des Neuseeland-Erkunders
Kapitän JAMES COOK, der 1769 mit seinem Schiff Endeavour in Neuseeland landete. In der Zeit der frühen Besiedlung waren es Tatsachenberichte der Einwanderer,
die die ersten neuseeländischen Zeugnisse ausmachten.
Eine eigene neuseeländische Literatur bildete sich erst zu Beginn
des 20. Jahrhunderts heraus. Die erste neuseeländische Schriftstellerin
von Weltrang war KATHERINE MANSFIELD (1888-1923), die für ihre Kurzgeschichten berühmt wurde. Allerdings begann KATHERINE MANSFIELDS Karriere nicht
in Neuseeland sondern in Deutschland, später lebte und arbeitete
sie in England und Frankreich.
Eine für die Literatur wichtige Epoche begann nach 1945, als sich
Neuseeland auch politisch vom britischen Mutterland zu emanzipieren begann.
ALLEN CURNOW und JAMES K. BAXTER sind wichtige Vertreter dieser postkolonialen
Literatur. Ebenso JANET FRAME. Und auch Neuseeländer mit Maori-Abstammung
begannen zu schreiben. KERI HULME ist die wohl prominenteste Vertreterin.
Bildende Kunst
Es gibt eine lebendige und gut gepflegte Kunstszene in Neuseeland. Zahlreiche Galerien und Museen stellen die große
Vielfalt neuseeländischer Kunst aus. Beeinflusst ist diese heute
stark von der Maori-, wie auch der pazifischen Kultur. Die älteste
neuseeländische Galerie ist die Auckland City
Gallery, die 1888 gegründet wurde. Eine umfangreiche Sammlung
neuseeländischer und australischer Kunst hält außerdem
die renommierte National Art Gallery in Wellington.
Neuseelands berühmteste Malerin ist FRANCES HODGKINS (1869-1947),
die sich zeitweise der britischen Avant-Garde-Bewegung anschloss. Berühmte
frühe Maler sind C.F.GOLDIE (1870-1947) und GOTTFRIED LINDAUER (1839-1947).
Mitte des 20. Jahrhunderts wurden COLIN McCAHON und RITA ANGUS wichtig,
der wohl renommierteste Künstler der Gegenwart ist RALPH HOTERE.
Wegen der stark ausgeprägten Maori-Tradition spielt auch das Kunsthandwerk eine große Rolle. Schnitzereien und Schmuckarbeiten sind sehr verbreitet.
Musik
Neuseeland hat drei Symphonie-Orchester und zeigt sich sehr engagiert im Bereich der klassischen Musik. Die weltweit etablierte Opernsängerin Dame KIRI TE KANAWA kommt aus
Neuseeland. Vielfältig und abwechslungsreich ist aber auch die Musikszene
im Pop- und Experimentalbereich. Während den Europäern vermutlich
nur Rapper OMC oder die Formation CROWDED HOUSE ein Begriff ist, findet
sich vor Ort eine bunte Szene. Bands wie THE CHILLS, THE CLEAN, THE BATS
oder HEADLESS CHICKEN haben mittlerweile nationalen Kultstatus erreicht.
Film
Der Film ist nicht erst seit der Lord of the Rings-Trilogie
Neuseelands vielversprechendster kultureller Sektor. Splatter- und Horror-Fans
kennen PETER JACKSON schon
seit den späten 1980er-Jahre n, als er mit seiner ausschließlich
privat produzierten Splatter-Komödie Bad Taste (1987) Kultstatus erlangte. Der Film lief auf den Festspielen in
Cannes und bescherte JACKSON internationalen Ruhm. Seine Folgefilme Meet
The Feebles (1989) und Braindead (1992)
erfreuen sich bei Fans ähnlicher Beliebtheit. Mit Heavenly
Creatures (1994) lieferte JACKSON ein starkes psychologisches Drama,
bevor er mit The Frighteners (1996) seine Hollywood-Feuertaufe
bestand. JACKSONS Lord of the Rings-Epos (2001
-2003) sicherte ihm einen Platz in der Filmgeschichte. Das Werk wurde
mit elf Oscars ausgezeichnet.
JACKSON ist bekennender Neuseeländer, der bevorzugt in der eigenen
Heimat dreht - ein wichtiger Faktor für die neuseeländische
Wirtschaft und natürlich die beste Werbung für die abwechslungsreiche
und reizvolle Landschaft dort.
Weltruhm genießt auch die Regisseurin und Drehbuchautorin JANE CAMPION, Tochter einer Schauspielerin und eines Theater- und Operndirektors. Bereits ihr erster Kurzfilm Peel bekam 1986 den Kunstfilmpreis in Cannes, auch die folgenden Filme wurden ausgezeichnet. Kommerziell berühmt wurde CAMPION 1992 mit The Piano, der Film bekam drei Oscars. Aber auch für die Produktion An Angel at my Table (1984), die auf der Autobiografie der neuseeländische Schriftstellerin JANET FRAME fußt, erntete CAMPIONS Anerkennung.
Für LEE TAMAHORI, der als Regieassistent in den 1970er-Jahren begann und dann Werbefilme machte, führte der Weg nach dem Schritt ins Spielfilmgenre direkt nach Hollywood. Once Were Warriors, ein Film der sich mit der Situation der Maori beschäftigt und auf einem Roman des neuseeländischen Schriftstellers ALAN DUFF basiert, bescherte ihm 1994 internationale Anerkennung. In Amerika drehte er 1997 The Edge, 2001 Along Came A Spider und 2002 schließlich den James-Bond-Film Die Another Day.
Auch NIKI CARO beschäftigte sich in Whale Rider (2002) mit der Maori-Kultur und erreichte mit ihrem Film ein weltweites
Publikum.
Als Drehort ist Neuseeland außerdem für Fernsehproduktionen
sehr beliebt. Unter anderem werden die Serien Herkules und Xena hier gedreht.