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Politischer Umschwung in Neuseeland
Mitglieder von Greenpeace bei einer Aktion gegen Walfänge

Politischer Aktivismus, anhaltende Demonstrationen, erbitterte Diskussionen - die Reaktion der neuseeländischen Bevölkerung auf die geplante Rugby-Meisterschaftsserie mit dem Südafrikanischen Springbok-Team 1981 (Springbok-Tour) war ein Phänomen und hielt die Nation 56 Tage lang in Atem.
Der Hintergrund: Die neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft, die All-Blacks, hatten sich zum fast besten Team der Welt empor gespielt. Einzig den südafrikanischen Springboks waren die All Blacks häufiger unterlegen, als dass sie sie besiegt hatten. Im Sommer 1981 sollte deshalb eine Meisterschaft ausgetragen werden, von der sich Neuseeland den Sieg versprach.
Zu dieser Zeit herrschte in Südafrika die Apartheid. Eine Minderheit weißer Südafrikaner regierte und diskriminierte eine Mehrheit schwarzer Afrikaner. Neuseeland wusste das. Es hatte mit Südafrika eine lange gemeinsame Rugby-Geschichte und hatte sich mit dem Apartheid-System bis in die 1970er-Jahre sogar insofern arrangiert, als dass es, wann immer die Nationalmannschaft dorthin reiste, auf Maori-Spieler verzichtete und ausschließlich weiße Neuseeländer auf die Reise schickte.
Als 1981 nun die Springbok Tour in Neuseeland ausgetragen werden sollte, und Premierminister ROBERT MULDOON die Einreise des von der Apartheid geprägten, weißen Rugby-Teams gestattete, entflammte ein Teil der Bevölkerung in glühendem Zorn.
Obwohl Neuseeland eine Rugby versessene Nation ist, hielten es viele Neuseeländer für unerträglich, durch die Einreiseerlaubnis eines Apartheid-Teams das menschenverachtende System in Südafrika zu unterstützen. Der andere Teil der Bevölkerung fand diese Reaktion hingegen übertrieben, kämpfte für die Meisterschaft und wollte Sport nicht mit Politik gleichgesetzt sehen. Auf allen Ebenen wurde diskutiert.
Politiker wurden im Fernsehen kritisch befragt und gaben mit ihren Antworten mehr Anlass zu Protesten beider Seiten. Sportvereine teilten sich in Befürworter und Gegner, Nachbarn zerstritten sich.
205 Demonstrationen wurden im Lauf der Tour, die trotz der Proteste stattfand, an 28 Orten ausgetragen. Zum Hauptspiel in Auckland strömten Fans und Gegner zu Tausenden. 5000 Gegner sorgten für organisiertes Chaos in den Straßen Aucklands, lieferten sich Schlachten und Jagden mit der Polizei. Das Spiel selbst musste abgebrochen werden, als ein tief fliegendes Flugzeug über dem Stadion Mehlbomben fallen ließ.
Das Spektakel glich auf den Fernsehbildschirmen einem Bürgerkrieg.
Trotz dieser Ausschreitungen kam es erst bei den nächsten Wahlen, 1984, zu einem Regierungswechsel. Die regierende konservative National Party und deren Vorsitzender ROBERT MULDOON wurden abgewählt, die linksliberale Labour Party unter DAVID LANGE kam an die Macht.
DAVID LANGE prägte Neuseeland in vielerlei Hinsicht. Er zeichnete sich verantwortlich für mehrere einschneidende Reformen, die helfen sollten, die hohen Auslandsschulden, die Neuseeland hatte, zu senken und die Wirtschaft zu beleben. Viele große staatliche Institutionen wurden privatisiert.

Während LANGES Regierungszeit ereignete sich auch der Skandal um die Rainbow Warrior (Regenbogenkrieger), dessen Bilder um die Welt gingen. Beteiligt waren an dem Drama 1985 Greenpeace und die französische Regierung. Diese wollte auf dem in der Nähe Neuseelands gelegenen Mururoa-Atoll Atomversuche machen. Greenpeace protestierte dagegen und entsandte aus diesen Gründen sein Flaggschiff Rainbow Warrior. Die Rainbow Warrior machte auf ihrem Weg zum Atoll in Neuseeland Station und legte im Hafen Aucklands an. In der Nacht wurden zwei Löcher in den Schiffskörper gesprengt, binnen Minuten sank die Rainbow Warrior. Neuseelands Bevölkerung war zutiefst empört und überhäufte die Polizei mit Hinweisen. In kurzer Zeit konnten die zwei Hauptverdächtigen, zwei Spione des französischen Geheimdienstes, die als Ehepaar reisten, festgenommen werden. Später sollte die französische Regierung ihre direkte Beteiligung an dem Sabotage-Akt eingestehen.
Die Neuseeländer verband mit Greenpeace eine grundtiefe Abneigung gegen Atomwaffen. Auch Neuseeland hatte schon länger gegen die französischen Atomversuche auf Mururoa protestiert. 1987 erklärte DAVID LANGE mit großer Unterstützung der Bevölkerung Neuseeland zur atomfreien Zone. Fortan war Schiffen oder Flugzeugen, die Atomwaffen an Bord hatten, die Einreise nach Neuseeland und die Nutzung neuseeländischer Gewässer verboten. Dies empörte neben anderen die USA, die mit Neuseeland und Australien seit 1951 im Rahmen des ANZUS-Pakts (Australia New Zealand US) Bündnispartner waren. Als Reaktion auf Neuseelands Atompolitik lösten sie das Bündnis auf. Neuseeland hält bis heute an seiner Anti-Atomwaffen-Position fest. DAVID LANGE bekam für sein Engagement in dem Gebiet 2003 den Alternativen Nobelpreis.

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