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Teenagerschwangerschaften in England und Amerika
In Amerika sind Teenager-Schwangerschaften am meisten verbreitet
Teenagerschwangerschaften in den USA
Obwohl Teenagerschwangerschaften in Amerika im Verlauf der letzten zehn Jahre um 30 Prozent zurückgegangen sind, sind sie dort immer noch mit Abstand am meisten verbreitet. Ungefähr eine Million Mädchen unter 20 werden hier jährlich schwanger. Rund 80 Prozent davon unbeabsichtigt und von Vätern, die über 20, also wesentlich älter sind.
Teenagerschwangerschaften sind in den USA ein besonders großes soziales Problem. Denn mehrheitlich werden Mädchen aus armen Gesellschaftsschichten, viele mexikanischer oder afroamerikanischer Abstammung, schwanger. Während Töchter aus gut situierten, weißen Mittelstandsfamilien im Fall einer ungewollten Schwangerschaft eher noch zur Abtreibung tendieren; vier von zehn Schwangerschaften enden mit der Abtreibung unterstützt zumeist von den Eltern, entschließen sich diese ärmeren Mädchen überwiegend für das Kind - und für den Teufelskreis der Armut. Es wird geschätzt, dass um die 80 Prozent der Teenagermütter später auf Sozialhilfe angewiesen sind. Finanziell betrachtet sind Teenagerschwangerschaften eine enorme Belastung für die Staatskasse, die anfallenden Kosten erreichen Milliardenhöhe.

Weitreichender und gravierender aber sind die Schwierigkeiten, die Mütter und Kinder in ihrem Leben zu bewältigen haben. Die Mädchen, oft noch nicht reif genug für die Mutterschaft, sind mit der Erziehungsaufgabe überfordert. Die Kinder wachsen unter entsprechend erschwerten Bedingungen heran. Das fängt schon im Mutterbauch an. Von Teenagern zur Welt gebrachte Babys sind in der Regel leichter und schwächer entwickelt als die Kinder erwachsener Frauen. Einmal auf der Welt, sind Teenager-Babys potenziell der Gefahr ausgesetzt, vernachlässigt zu werden, weil ihre Mütter den Herausforderungen nicht gewachsen sind und ohne ausreichend Geborgenheit und Wärme aufwachsen. Entsprechend hoch ist die Gefahr, dass die Kinder verhaltensgestört werden und ihrerseits, wenn sie Teenager sind, mit dem Leben nicht zurechtkommen. Es hat sich gezeigt, dass fast ein Viertel der Töchter von Teenagermüttern selbst als Jugendliche schwanger werden.

Verantwortlich für die hohe Rate der Teenagerschwangerschaften ist in den USA zu beträchtlichem Anteil die traditionelle Tabuisierung des Themas Sexualität. Angesichts der Sexlastigkeit der Medien klingt das zunächst widersprüchlich. Räkelte sich BRITNEY SPEARS nicht schon als Teenagerstar in engen und knappen Minis durch ihre Videoclips? Ja. Aber sie propagierte z. B. auch offensiv ihr kein Sex vor der Ehe und entsprach damit ganz und gar der gängigen amerikanischen Wertevorstellung, die da lautet: Praktizierter Sex ist nur als Bestandteil von Familienleben in Ordnung, er gilt nicht dem Vergnügen, sondern der Verantwortung, Kinder in die Welt zu setzen.
Und so kommt zustande, was dem "aufgeklärten" Europäer paradox erscheinen mag: dass amerikanische Jugendliche alltäglich mit dem Thema Sex konfrontiert werden - und dennoch nicht wissen, wie das mit dem Kinderkriegen, vor allem aber mit dem Verhüten, tatsächlich funktioniert. Sollen sie auch nicht, sagen die konservativen Kreise, die sich mit dem Problem Teenagerschwangerschaften beschäftigen, denn, so die Argumentation: Wenn Teenager wissen, wie man verhütet, werden sie zum Sex in zu jungem Alter verführt und damit steigt die Gefahr des Werteverfalls und des unsteten Lebens mit wechselnden sexuellen Partnern, das dem Ideal der langfristigen Bindung an einen Lebenspartner zuwider läuft.

Abstinence, zu Deutsch sexuelle Enthaltsamkeit heißt die Parole, die diese Stimmen ausrufen. Auch die aktuelle BUSH-Regierung vertritt diese Richtung und setzte sich mit Subventionen für Abstinence basierte Aufklärungsprogramme an den Schulen ein. Anstatt Teenagern zu erklären, wie sie verhüten können, solle man sie ermutigen, mit dem Sex zu warten, bis sie alt und reif genug sind. Wenn die Jungen und Mädchen nicht so genau wissen, was Sexualität eigentlich bedeutet, so die Theorie, bleiben sie davon auch länger unberührt. Ein praktisches Problem stellt diese vorherrschende Meinung für betroffene Mädchen dar. Gilt doch ein schwangerer Teenager als unmoralisch und als Gefahr für die Werteordnung der Mitschüler oder anders ausgedrückt als unsittsames Beispiel. So werden viele schwangere Mädchen, sobald der Bauch wächst, der Schule verwiesen - you show you go lautet das Motto. Aufgeklärt werden, so die Konservativen, sollten die Jugendlichen zwar, im Vordergrund habe aber die Übertragungsgefahr von Geschlechtskrankheiten zu stehen. Auch deshalb sollen die Jugendlichen lieber nicht so genau über Verhütungsmittel informiert werden, verlören sexuell übertragbare Krankheiten doch so ihre abschreckende Wirkung und könnten die Jugendlichen sich dann zu sexueller Aktivität animiert fühlen.

Das liberale Lager fordert dagegen, dass Jugendliche ausreichend und gründlich augeklärt werden, nicht nur, um frühe Schwangerschaften, sondern gerade auch um der Übertragung von Geschlechtskrankheiten und AIDS vorzubeugen.
Die von der Regierung unterstützte Initiative Teenpregnancy Organisation beschreitet den Mittelweg und hat damit spürbare Erfolge. Auch sie propagiert Abstinenz als goldene Lösung, bietet den Heranwachsenden aber ebenso detaillierte Aufklärung über Verhütungsmöglichkeiten und ermutigt Eltern, das Thema offen und ehrlich mit den Kindern anzusprechen. Dies ist ein wichtiger Aspekt, können Eltern doch sichergehen, dass ihre Kinder aufgeklärt sind, während der Aufklärungsunterricht an den Schulen nicht staatlich geregelt und garantiert ist und deshalb vom oft ehrenamtlichen Engagement unterschiedlicher Organisationen und Initiativen abhängt.

Teenagerschwangerschaften in Großbritannien
In Großbritannien wird als Hauptursache für die hohe Rate an Teenagerschwangerschaften ebenfalls der mangelhafte Aufklärungsunterricht erachtet. Dem amerikanischen Beispiel folgend hat sich auch hier inzwischen die Regierung die Lösung des Problems zur Aufgabe gemacht. Mit einem ehrgeizigen 30-Punkte-Plan wollte die BLAIR-Regierung die Quote bis 2010 auf die Hälfte reduzieren. Im Gegensatz zu den USA ist das vorrangige Ziel jedoch nicht, die voreheliche Enthaltsamkeit zu propagieren, sondern die Jugendlich besser aufzuklären. Vorbild sind die Niederlande, in denen der Aufklärungsunterricht europaweit am gründlichsten gewährleistet und die Teenagerschwangerschaftsrate mit Abstand am niedrigsten ist. Denn es hat sich gezeigt, dass, vermutlich weil die Teenager in den Niederlanden besser aufgeklärt sind, sie nicht so früh sexuell aktiv werden wie ihre schlecht bis gar nicht aufgeklärten Altersgenossen in England.
Aufzuräumen gilt es in britischen Schulunterricht mit Desinformation und zusammengereimten Wahrheiten, etwa der, dass ein Glas Milch nach dem Beischlaf eine Schwangerschaft verhindern kann oder dass Mädchen beim ersten Mal nicht schwanger werden können. Stattdessen soll den Jugendlichen klar vermittelt werden, welche intimen Kontakte zu einer Schwangerschaft führen können und welche nicht.

Der 30-Punkte-Plan der Regierung greift auf verschiedenen Ebenen. Eine groß angelegte Medienoffensive soll für Aufklärung auf breiter Basis sorgen. Gezielt angegangen und adressiert werden auch die Jungen. Ihnen soll der verantwortungsvolle Umgang mit Sexualität vermittelt und drastisch vor Augen geführt werden, wie weitreichend die Folgen einer Teenager-Schwangerschaft für alle Beteiligten sind. Denn die Einstellung gegenüber Teenagerschwangerschaften in der Bevölkerung hält sich hartnäckig und ist oft geprägt von einer die Mädchen benachteiligenden Toleranz gegenüber den Jungen. So ist allgemein der Druck, jung Sex zu haben, für Jungen höher, gilt eine Vaterschaft in jungen Jahren eher als Zeichen der Männlichkeit, denn der Achtlosigkeit und wird Teenagerschwangerschaft gerne als "Mädchenproblem" abgetan.

Teenagerschwangerschaften zu stigmatisieren, ist ein Ziel der Regierungs-Programms, das Jugendlichen vor Augen führen will, dass Schwangerschaft in jungen Jahren uncool und nicht ein Kavaliersdelikt ist. In die Pflicht genommen werden aber auch Eltern und Lehrer. Insgesamt ist das Beratungsangebot für die Teenager erweitert und der Zugang zu Verhütungsmitteln erleichtert worden. Umstritten ist der Pilotversuch, jugendlichen Mädchen die Pille danach (Emergency Contraception) ohne Verschreibung zugänglich zu machen. Ebenso umstritten ist die Lockerung der Abtreibungsregelung zugunsten junger Mädchen.
Allseits gelobt wird dagegen, dass durch den 30-Punkte-Plan die betroffenen Teenagermütter mehr Aufmerksamkeit bekommen und nach Möglichkeiten gesucht wird, ihnen zu helfen. Waren diese bislang entweder ihrem Schicksal und der Hilfe ihrer Familien überlassen, oder wurden, wenn sie mit ihren Kindern eigenständig leben wollten, in Sozialwohnungen eingewiesen, so wird ihnen jetzt betreutes Wohnen und professionelle Ansprache geboten, sind auch spezielle Schulen für Teenagermütter und Schwangere in Planung.

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