Literarisches Werk
MORRISON zählt zu der wichtigsten Vertreterin der afroamerikanischen
Literatur, also der von Afroamerikanern
in den USA geschriebenen Literatur. In ihren Romanen geht es neben der
Rassenproblematik vor
allem auch um die Identitätssuche
der afroamerikanischen Frau. Dabei setzt MORRISON sich mit den gestörten
menschlichen Beziehungen in afroamerikanischen Familien auseinander und
beleuchtet sie als Folge von Unterdrückung
und Entwürdigung. Dagegen setzt
sie die aus der Solidarität und der Besinnung auf das afrikanische
Erbe gewonnene Kraft zu überleben. Daher ist es ihr Hauptanliegen,
die afroamerikanische Geschichte, ihre volkstümliche Tradition
und Kultur darzustellen, ohne dabei die Protagonisten als bloße
Helden darzustellen oder ihre Beschreibungen ins Sentimentale abgleiten
zu lassen.
MORRISONs erster Roman The Bluest Eye (1970,
dt. Sehr blaue Augen) handelt von der kleinen
Pecola Breedloves, die von ihrem Vater vergewaltigt wird. Der Titel verweist
auf ihren Wunsch, blaue Augen zu haben, da sie beobachtet, dass Mädchen
mit blauen Augen von ihren Eltern geliebt werden.
Es folgte die Romane Zula (1974, dt. Sula),
die Geschichte um zwei in Ohio geborene afroamerikanische Mädchen,
von denen die eine nach Jahren der Abwesenheit in ihre Heimat zurückkehrt,
und Song of Solomon (1977, dt. Solomons
Lied) sowie Tar Baby (1981, dt. Teerbaby).
Der mit dem Pulitzer-Preis 1988 ausgezeichnete Roman Beloved spielt im 19. Jahrhundert: Ein weggelaufener Sklave bringt seine eigene
Tochter um, da er nicht zusehen möchte, wie diese in der Sklaverei
aufwächst.
Berühmt wurde MORRISON dann vor allem durch den Roman Jazz (1992, dt. Jazz), bei dem es um den Mord an einer Achtzehnjährigen geht. Der Täter ist ein Mann, der ihr in Leidenschaft und Liebe verfallen ist. MORRISON entwirft ein komplexes Bild der Afroamerikaner in den USA. Die Handlung wird - wie die Musik des Jazz - aus einem Thema heraus entwickelt, das im ersten Absatz des Buches kurz umrissen wird. Danach erhielt MORRISON 1993 den Nobelpreis für Literatur.
Ihr vorletzter Roman Love (2003, dt. Liebe) handelt von der engen Freundschaft zweier Frauen, die sich in Hass verwandelt. Grund ist die Liebe zu einem Mann, der längst tot ist. Obwohl die beiden eine tiefe Abneigung gegeneinander verspüren (MORRISON hätte den Roman auch Hass nennen können, wie sie in verschiedenen Interviews betonte), können sie sich letztendlich nicht voneinander lösen. MORRISON behandelt das Thema der Liebe nicht als Glücksgefühl, sondern als komplexe, unbarmherzige Kraft.
Neben Romanen verfasst MORRISON auch Dramen und literaturwissenschaftliche Arbeiten wie Playing in the Dark: Whiteness and the Literary Imagination (1992, dt. Im Dunkeln spielen: Weiße Kultur und literarische Imagination).
Werke (Auszug)
Paradise (1999, dt. Paradies)
A Mercy (2008)