
BLAKE als bildender Künstler
Ab 1795 schuf BLAKE vor allem große Farbdrucke
zu biblischen Themen, Motiven von SHAKESPEARE
und JOHN MILTON, zu EDWARD YOUNGs Nachtgedanken
und DANTEs Göttlicher Komödie, wie
auch zu eigenen literarischen Werken.
Dabei wandte er seine eigene Technik
der handkolorierten Kupfer- oder Zinkätzung an. Für das von
BLAKE entworfene mystische Weltbild
begeisterte sich Mitte des 19. Jahrhunderts die Künstlervereinigung
der Präraffaeliten,
zu der unter anderem DANTE GABRIEL ROSSETTI gehörte. BLAKEs Ideal
des Bild und Text verschmelzenden Gesamtkunstwerks gewann in der Zeit
des Jugendstils (zwischen 1890 und
1914) von Neuem an Bedeutung.
BLAKE als Dichter
Anfänglich stand BLAKEs Dichtung der volksliedhaften
Lyrik nahe. Als Frühromantiker
suchte er in der Natur Impulse zur
Entfaltung der eigenen Imagination (Vorstellungskraft) und wandte sich
gegen den Rationalismus der Aufklärung.
Die Anfangsverse seines berühmten Gedichts Auguries
of Innocence bringen die Bedeutung der Natur für die dichterische
Inspiration zum Ausdruck:
"To see a World in a Grain of Sand
And a Heaven in a Wild Flower,
Hold Infinity in the Palm of your Hand
And Eternity in an Hour."
Aus Sicht der englischen Romantiker erschien die Metropole London
als Inbegriff einer das natürliche Empfinden zerstörenden Moderne.
BLAKE beschreibt die Stadt als infernalisches
Zentrum kirchlicher, militärischer und ziviler Autoritäten,
denen die
ursprünglich gute Natur des Menschen zum Opfer falle. Die in BLAKEs
Gedichtzyklen Songs of Innocence (1789) und
Songs of Experience (1794) besungene kindlich
unverfälschte Natur zerbricht an den gesellschaftlichen Verhältnissen.
Kleine Kinder, die, von ihren Eltern verkauft, als chimney
sweepers Schornsteine der Herrschaftshäuser reinigen, verkörpern
für BLAKE die institutionelle Vergewaltigung
der menschlichen Natur.
BLAKE geriet zunehmend in den Bann der Mystik JAKOB BÖHMEs und EMANUEL SWEDENBORGs. Er entwarf eine eigene Kosmogonie (= Lehre von der Entstehung der Welt) und Mythologie, die auf Symbolen aus der Bibel und alttestamentarischen Kommentaren fußte.
Mit hinreißender Sprachgewalt und in kühnen Bildern schuf er
in den drei großen epischen Gedichten The Four
Zoas (ca. 1795-1814), Milton (1804-1808)
und Jerusalem (1804-1820) eine rätselhafte
Symbolsprache, die das Verständnis seines Spätwerks erschwerte.
Erst durch spätere Interpretationen wurde die Bedeutung von BLAKEs
Werk erschlossen und erfuhr weit größere Beachtung als zu Lebzeiten
des Dichters.
In neuerer Zeit hat JIM JARMUSCH in seinem Film Dead Man (1995) BLAKES Gedichte verarbeitet. Ein Buchhalter mit dem Namen William Blake - gespielt von JOHNNY DEPP - trifft auf seiner Reise in den Wilden Westen auf zwielichtige Gestalten, so z. B. auf den skrupellosen Industriekapitalisten Dickinson (gespielt von ROBERT MITCHUM). Blakes Reise führt unweigerlich in den Tod. Die schwarz-weiß Bilder des Films werden mit Gitarrenklängen von NEIL YOUNG und mit den Gedichten BLAKEs unterlegt.
Werke (Auszug)
Epen
Visions of the Daughters of Albion (1793)
America: A Prophecy (1793)
Europe: A Prophecy (1794)
The Book of Urizen (1794)
The Book of Ahania (1795)
Gedichtfragment
The Everlasting Gospel (1818)
Andere Werke
The Marriage of Heaven and Hell (1790-93)