Literarisches Schaffen
WILLIAM GOLDINGs Romane folgen einem strengen Aufbau und zeichnen sich
durch sprachliche Dichte aus. Sie spiegeln GOLDINGs pessimistisches
Menschenbild wider: Der Mensch wird trotz zivilisatorischer Errungenschaften
immer wieder von seiner archaischen Natur - den menschlichen Instinkten
und Trieben - in die Knie gezwungen.
GOLDINGs erster großer Erfolg Lord
of the Flies erzählt von einer gestrandeten Schar Jugendlicher
und deren Rückfall in die Barbarei. Nach einem Flugzeugunglück überlebt nur eine Gruppe
englischer Schuljungen, die sich auf eine unbewohnte Insel retten konnte.
Zunächst überwiegen das Gefühl von Freiheit und das Bestreben,
ein geordnetes Zusammenleben aufzubauen. Demokratisch wählen die
Jugendlichen einen Anführer. Doch schon bald entbrennt ein Machtkampf,
der die Gruppe sprengt und alle zivilisatorischen Werte außer Kraft
setzt. Götzenkult und archaische
Rituale leben wieder auf, bis der Konflikt schließlich eskaliert
und zwei Jungen ermordet werden. Als die Jugendlichen schließlich
gerettet werden, sind sie völlig verwildert. GOLDING beschreibt hier
eine Anti-Robinsonade: Während DEFOE in seinem Robinson Crusoe die Entwicklung der Menschheit zur Zivilisation hin darstellt, kehrt GOLDING
diese Entwicklung ins Negative um.
Anhand dieser Extremsituation will GOLDING zeigen, dass unterhalb der anerzogenen Wertvorstellungen und Verhaltensweisen die entfesselte, barbarische Natur des Menschen fortwirkt, und dass der Zustand der Gesellschaft weit mehr von der moralischen Gesinnung des Einzelnen als von der politischen Ordnung abhängt.
Eine Insel ist auch der Ort der Handlung des Romans Pincher Martin (1956, dt. Der Felsen des zweiten Todes). Dort ist der Marinelieutnant und ehemalige Schauspieler Chris gestrandet. Gegen Ende des Romans wird jedoch deutlich, dass diese Insel nur in der Vorstellung des Protagonisten existiert, der mit seiner Identität ringt.
In dem Roman The Inheritors (1955, dt. Die
Erben) schildert GOLDING die Ausrottung der friedlichen Neandertaler
durch den Homo sapiens. Er entwirft eine grausame Entstehungsgeschichte
des Menschen.
Auch der nach einer zehnjährigen Schaffenspause entstandenen Roman Darkness Visible (1979, dt. Das
Feuer der Finsternis) erkundet die Frage nach dem Ursprung
des Bösen.
Indem GOLDING seine Charaktere extremen Situationen aussetzt, will er dem Leser menschliche Grundprobleme wie den Ursprung des Schuldgefühls, die Rolle des Bösen und die Grenzen der Vernunft nahebringen. Der Handlungsablauf führt häufig von anfänglicher Selbstgewissheit zu schlagartiger Desillusionierung.
Werke (Auszug)
Gedichte
Poems (1934)
Romane
Free Fall (1959, dt. Freier
Fall)
The Spire (1964, dt. Der Turm der Kathedrale)
The Pyramid (1967, dt. Oliver)
Envoy Extraordinary (1971, dt. Der Sonderbotschafter)
The Scorpion God (1971)
Clonk Clonk (1971)
Rites of Passage (1980, dt. Äquatortaufe)
The Paper Men (1984, dt. Papier-Männer)
Close Quarters (1987, dt. Die Eingepferchten)
Fire Down Below (1989)
The Double Tongue (1993)
Drama
The Brass Butterfly (1958)
Essays
The Hot Gates (1967)
The Moving Target (1982)
Reisebericht
An Egyptian Journal (1985,
dt. Ein ägyptisches Tagebuch)