

Über SHAKESPEAREs Kindheit gibt es keine Aufzeichnungen. Es kann nur auf der Grundlage der Lebensverhältnisse seiner Familie vermutet werden, dass er die Stratford Grammar School besuchte, wo er umfassende Lateinkenntnisse erwarb und einige Beispiele griechischer, französischer und italienischer Literatur lesen musste. Außerdem kann davon ausgegangen werden, dass er aufgrund der Stellung seines Vaters einige Theateraufführungen der reisenden Schauspieltruppen miterlebte, die nach Stratford kamen.
1582 heiratete er als Achtzehnjähriger ANNE HATHAWAY, die acht Jahre
älter als er war. Aus den Gemeindebüchern geht hervor, dass
am 26. Mai 1583 die gemeinsame Tochter SUSANNA getauft wurde und am 2.
Februar 1585 die Zwillinge HAMNET und JUDITH. Der Sohn HAMNET starb bereits
im August 1596.
Verschiedene Dokumente weisen darauf hin, dass SHAKESPEARE gegen 1587
Stratford verließ und nach London
ging. Die Gründe dafür liegen im Unklaren.
Es gibt keinerlei Spuren von SHAKESPEAREs ersten Jahren in London. Erst im Jahr 1592 wird er in einem Brief des alternden Dramatikers ROBERT
GREENE erwähnt. Dieser schreibt von SHAKESPEAREs Erfolg als Schauspieler
und Dramatiker in London. 1593 erscheinen seine ersten Gedichte.
1594 wird er als Mitglied der Chamberlain's Men geführt, einer Gruppe von Schauspielern, die von einem Adeligen gefördert
wurde. König JAMES I. stellte diese Truppe nach seiner Thronbesteigung
unter seinen persönlichen Schutz. Für die Aufführungen
der Chamberlain's Men schrieb SHAKESPEARE viele
seiner Stücke. Shakespeare war nicht nur Schauspieler und Dramatiker;
er beteiligte sich auch finanziell an der Errichtung der neuartigen Theatergebäude,
die nun in London entstanden. Wichtig ist seine Beteiligung am Bau des
berühmten Globe Theatre, das inzwischen in London nach seinem alten Vorbild wiedererrichtet worden
ist.
Am 28. Dezember 1594 fand die erste schriftlich erwähnte Aufführung
eines der Dramen SHAKESPEAREs statt, The Comedy of
Errors.
Durch seine Schreibtätigkeit und seine Beteiligung an den Theaterprojekten
wurde SHAKESPEARE relativ wohlhabend. Er erwarb ein Haus mit dazugehörigem
Land in Stratford, wohin er sich 1610 zurückzog. Während seiner
Zeit in Stratford schrieb er
seine letzten Dramen: Cymbeline, A Winter's Tale und The Tempest.
SHAKESPEARE starb 1616 und
wurde am 25. April 1616 in St. Trinity in Stratford beigesetzt.
Die Inschrift auf seinem Grabstein lädt jedes Jahr Tausende von Besuchern
ein zu lesen:
"GOOD FRIEND FOR JESUS SAKE FORBEARE
TO DIGG THE DUST ENCLOASED HEARE
BLESSED BE THE MAN WHO SPARES THESE STONES
AND CURST BE HE WHO MOVES MY BONES".
SHAKESPEAREs Dramen
SHAKESPEARE verfasste insgesamt 32 Dramen und eine Reihe von Gedichten.
Genauso wie andere Autoren seiner Zeit, entwarf er für seine zahlreichen
Dramen nicht immer wieder neue Handlungen, sondern verarbeitete bekannte
Geschichten auf neue und kunstvolle Weise. Als Stoffquellen für seine
historischen Dramen (z. B. Henry VI., Macbeth, Richard
II., Richard III., King Lear) dienten ihm die Geschichtschroniken seiner Zeit. Für andere Dramen benutzte er Überlieferungen antiker Autoren oder italienische Erzählungen als Vorlagen.
SHAKESPEAREs Bedeutung liegt nicht so sehr in der großen Anzahl
von Dramen, die er produziert hat, sondern in deren Gestaltung. Noch mehr
als seinem Zeitgenossen CHRISTOPHER MARLOWE gelang es SHAKESPEARE, in
seinen Dramenfiguren komplexe, lebensnahe Persönlichkeiten zu schaffen.
Die Konflikte sowie Höhen und
Tiefen des menschlichen Lebens, die in seinen Dramen thematisiert werden,
können als zeitlos und auch in unsere Zeit übertragbar gelten.
Berühmte Komödien sind u. a. The Taming of the Shrew (um 1594, dt. Der Widerspenstigen
Zähmung), A Midsummer Night's Dream (1595/96, dt. Ein Mittsommernachtstraum),
As You Like It (um 1601, dt. Was Ihr Wollt).
Zu SHAKESPEAREs Tragödien zählen Romeo and Juliet (1595), The Tragedy of Julius Caesar (1599), Hamlet (1601), King Lear (um 1605), Macbeth (um 1608).
Die berühmte deutsche Übersetzung der SHAKESPEARE Dramen ist
die 1843 veröffentlichte Ausgabe von DOROTHEA TIECK und AUGUST WILHELM
SCHLEGEL.
Das englische Theater zu SHAKESPEAREs
Zeit
Die religiösen Schauspiele des Mittelalters, z. B. die Mysterienspiele,
wurden in oder in der Nähe von Kirchen aufgeführt. Die Schauspielgruppen
benutzten nach allen Seiten offene, bewegliche Bühnenkarren als Bühne.
Zu SHAKESPEAREs Zeit beschäftigten sich die Theaterstücke mit
weltlichen Themen. Aktionsgefüllte Historienspiele waren beliebt, bei denen auf der Bühne Kämpfe und natürlich
auch Blut zu sehen waren. Die Bühnenaufführungen fanden in den
Innenhöfen der Gasthäuser statt. Dort schob man zwei Bühnenkarren
so nebeneinander, dass eine Bühne entstand.
In den 1570-er Jahren begann eine neue Entwicklung in London, die kennzeichnend
für die Beliebtheit des Theaters war. Man begann spezielle Gebäude
zu errichten, die nur für den Zweck der Theateraufführung bestimmt
waren, sogen. Public Playhouses. Die ersten dieser öffentlichen Theater waren The
Rose und The Theatre. SHAKESPEARE beteiligte
sich am Bau des Globe Theatre, das 1599 eröffnet
wurde.
Das Globe Theatre bestand aus einer dreistöckigen
Galerie, die einen runden Innenhof umgab. Dieser war nicht überdacht.
Die Galerie hatte ein strohgedecktes Dach - vermutlich die Ursache für
das Feuer, das 1613 zur vorzeitigen Zerstörung führte.
Zwei Drittel der Zuschauer saßen
auf einfachen Holzbänken; die preiswertesten Plätze waren die
Stehplätze unmittelbar vor der Bühne, zu der man aufschauen
musste. Die Bühne ragte in den Zuschauerraum hinein, sodass sie von
drei Seiten einsehbar war. Die Schauspieler betraten die Bühne vom
Umkleideraum aus, der sich unterhalb der Bühne befand.
Es gab weder Bühnenbild, noch Lichteffekte; sah das Theaterstück
Naturerscheinungen wie Blitze oder Regenbogen vor, so mussten diese von
den Schauspielern im Dialog genannt werden, um die Vorstellungskraft der Zuschauer zu beflügeln.
Die Theaterstücke der Zeit SHAKESPEARES sprachen alle sozialen Schichten
an; auch die Eintrittspreise waren so gestaffelt, dass sich praktisch
jeder einen Besuch im Public Playhouse leisten konnte.