



Das Getreide sowie Jagdwild wie Gazellen, Ziegen,
Schafe und Auerochsen und Vögel haben zu einem großen Teil die
Nahrung gesichert. Es kam zur Anlage von Dörfern mit runden Einzelhäusern
und Anlagen für Gräberfelder. Das waren die ersten Anzeichen längerer
saisonaler oder auch ganzjähriger Sesshaftigkeit.
Allmählich wurde später die Pflege des Wildgetreides durch planmäßige
Aussaat ergänzt. Die Ernte mit langstieligen Erntemessern (aus Knochen
oder Holz mit Feuersteinmessern) wirkte sich dabei auf das Erntegut aus.
Der Grund war, dass fester haftende Körner geerntet wurden, während
die locker sitzenden ausfielen. Die Wiederaussaat erfolgte mit den stabileren
Körnern. Damit erfolgte eine Selektion
jener Eigenschaften, die für die früheren kultivierten Getreidearten
typisch waren. Dieses stabile Getreide konnte gewinnbringend an feuchteren
und bewässerten Standorten angebaut werden. So begann im Tiefland von
Mesopotamien, dem späteren Sumer (vgl. Frühe Hochkulturen), der
erste bewässerte Feldbau.
Ziegen und Schafe wurden hier bereits durch Schweine und Rinder ergänzt.
Ackerbau und Viehzucht in Mitteleuropa
Am Ende der letzten Eiszeit um 10 000/8000 v. Chr. begann von Süden
her sich ein Waldgürtel auszubreiten. Nach Birken und Kiefern folgten
Eichen, Ulmen, Linden und Haselsträucher. Ein dichter Eichenmischwald
erstreckte sich bald über Mitteleuropa. Viele Tiere wie Bären,
Wölfe, Luchse, Auerochsen, Wisente und Rotwild bevölkerten die
Wälder.
An freien Seeufern fanden die Menschen
gute Bedingungen für Siedlungen.
In den weichen Boden konnten Pfosten für den Hausbau gerammt werden,
auch Schilf zum Dachdecken war vorhanden. Außerdem siedelten die
Menschen an Flussläufen, auf gerodeten
Lichtungen oder freien Anhöhen.
Zum Hausbau verwendeten die Menschen
gerade gewachsene Baumstämme, die sie mit Steinbeilen
fällten. An einem Holzschaft war eine Steinklinge mit Schnüren
befestigt. Erst später wurde das Durchbohren der Klinge für
den Schaft entwickelt. Für ein Haus benötigten die Menschen
etwa 120 laufende Meter Pfahl- und Balkenmaterial. Das waren ungefähr
25 Bäume. Die Rodung zur Gewinnung von Ackerfläche bedeutete
einen noch größeren Eingriff in die Natur. Der Mensch hat also
schon vor etwa 10 000 Jahren seine Umwelt erheblich verändert.
Bisherige Ausgrabungen vermitteln eine ungefähre Vorstellung der
Größe und Bevölkerungsstruktur
solcher Dörfer. Meist waren es sieben bis zehn Häuser. Die Familiengröße
umfasste zunächst etwa 4 bis 8 Personen, so lebten also etwa 28 bis
80 Personen in solch einem Dorf.
Arbeitsteilung in der Jungsteinzeit
Die Viehzucht gehörte zum Aufgabenbereich
des Mannes, der Getreideanbau zu dem
der Frau. Wahrscheinlich war das in der Tradition der Jäger und Sammler
begründet. So verstärkte sich die in der Altsteinzeit sich ausprägende
naturwüchsige Arbeitsteilung
zwischen Mann und Frau.
Die Frauen buken außerdem Fladenbrote, kochten Brei, Mehlsuppen
und Grütze. Aus Samen von Lein und Mohn pressten sie Öl und
aus den Leinstängeln stellten sie Flachsfasern her und spannen sie
zu Fäden. An einfachen Webstühlen webten sie Stoffe.
Bei Ausgrabungen stießen die Wissenschaftler auch auf Knochen geschlachteter
Haustiere. Anhand der Knochen
waren hier die ersten gezüchteten Haustiere Rind, Schwein, Schaf,
Ziege und Hund. Zur Nahrungsergänzung sammelten die Frauen und Kinder
Wildfrüchte, essbare Wurzeln, Pilze und Wildgemüse.
Neben dem Ackerbau und der Haustierhaltung versorgten sich die Menschen
weiterhin durch Jagd- und Fischfang mit eiweißreicher Nahrung. Für den Winter legten sie Vorräte
an; dabei waren Lufttrocknung und Räucherei wichtige Konservierungsmethoden.
Bei der Herstellung von Werkzeugen und Geräten fand eine Revolution statt. Zuerst lockerten die Bauern
den Boden mit spitzen Holzstäben oder Hacken. Mit dem später
erfundenen Holzpflug wurde der
Feldanbau entscheidend verbessert. Mehr und mehr übernahmen die Männer
die schweren Bestellarbeiten des Feldes. Aus Feuerstein wurden Sicheln hergestellt für die Ernte. Zur Aufbewahrung überschüssiger
Nahrungsmittel wurden Töpfe, Krüge und Schalen aus Tonerde geformt.
Die Tongefäße wurden an der Sonne getrocknet oder im Ofen zu
feuerfestem Keramikgeschirr gebrannt.
Durch die Steinbohrung entfiel
die nur wenig haltbare Befestigung mit Schnüren. Dazu wurde aus hartem
Felsgestein ein Rohling herausgeschlagen und mit einem Schleifstein zu
einer scharfen Klinge geschliffen. Auf die Bohrfläche wurde feuchter
Sand gestreut und mit einem Bohrstab ein Loch hindurch geschmirgelt. Eine
weitere Errungenschaft war das Spinnen und Weben.
Die Herstellung bäuerlicher Gegenstände war zeitaufwändig
und erforderte Übung und Geschicklichkeit. Handwerker bildeten sich
heraus, die Töpferwaren, Stoffe, Werkzeuge und Waffen herstellten.
Erster Tauschhandel setzte
ein, indem Händler von Dorf zu Dorf zogen und die Erzeugnisse vertrieben.
Besitz und Eigentum
Jäger und Sammler besaßen nur das, was sie auf die Wanderung
mitnehmen konnten. Mit der neuen Lebensweise in der Jungsteinzeit konnten
die Menschen durch die Sesshaftigkeit Eigentum bilden. Die Form des Eigentums spielte dabei noch eine untergeordnete Rolle. So gab es Eigentum der Dorfgemeinschaft
und Eigentum des Einzelnen. Mit Schutzgräben und Zäunen sicherten
die Dorfbewohner ihre zunächst unbefestigten Dörfer vor Plünderern.
Großfamilien und Stämme
Mit der Sicherung der Ernährungsgrundlage
durch Ackerbau und Viehzucht kam es in der Jungsteinzeit zu einem enormen
Anwachsen der Bevölkerung. In den sich entwickelnden Langhaussiedlungen
lebten die Menschen in Großfamilien.
Zu einer Großfamilie zählten inzwischen die Großeltern,
Eltern, die unverheirateten Kinder sowie die verheirateten Söhne
mit Schwiegertöchtern und ihren Kindern.
Mehrere dieser Großfamilien, die meist blutsverwandt waren, bildeten
die Sippe. Ein Familienoberhaupt
organisierte das Leben und die Arbeit der Sippe. Aus ihren Reihen wurde
der Dorfvorsteher gewählt. Dieses Amt konnte auch eine Frau übernehmen.
Wurde die Dorfbevölkerung so groß, dass die Ernährung
nicht mehr gesichert werden konnte, verließen die jungen Leute das
Dorf und gründeten in der Nähe neue Siedlungen. Es entstanden
in einem Gebiet größere Gemeinschaften, die Stämme.
Alte Bräuche und gemeinsame Gewohnheiten
hielten die Angehörigen der Stämme zusammen. In einigen Indianervölkern
ist diese Form des Zusammenlebens heute noch üblich.