Ursache
und Vorgeschichte
Die Hethiter, eines der ältesten
Kulturvölker, hatten im Hochland von Anatolien auf der Halbinsel Kleinasien
(heute Türkei) das Reich der Hethiter
geschaffen. Hauptstadt des Reiches war Hattusa.
Vom 16. bis zum 13. Jh. v. Chr. unterwarfen die Hethiter von ihrem anatolischen
Kernland aus große Teile Kleinasiens und zerstörten das Mitanni-Reich.
Das Hethiterreich war damit zur Großmacht
aufgestiegen.
Im Süden versuchten die Hethiter, ihren Einfluss auf Südsyrien
(z. B. die Stadtstaaten Damaskus und Sidon) und Palästina (z.
B. Jerusalem und Gaza) bis nach Ägypten auszuweiten, was mehrfach zu
Konflikten zwischen den beiden Mächten führte.
In Ägypten war es vor allem der junge RAMSES
II. (1278 bis 1213 v. Chr. Abb. rechts),
der die uneingeschränkte Herrschaft über dieStadtstaaten
Palästinas und Südsyriens wiederherstellen wollte. Er verlegte
u. a. deshalb die Hauptstadt des Ägyptischen Reiches, Ramsesstadt,
an die Küste des Mittelmeers ins Nildelta. RAMSES II. wollte
jedoch auch die früher von Ägypten beherrschten Teile Nordsyriens
(z. B. die Stadtstaaten Aleppo und Kadesch) dem Einfluss der Hethiter
entreißen.
Dazu griff er um 1275 v. Chr. den Hethiterkönig MUWATALLI an, um zunächst die wichtige Festung Kadesch am Fluss Orontes zurückzuerobern.
Das
ägyptische Expeditionskorps ...
In seinem fünften Regierungsjahr
überschritt RAMSES II. die ägyptische Grenze Richtung
Kadesch. Ein Nachschubkontingent lief darüber hinaus per Schiff ins ägyptisch
kontrollierte Byblos im heutigen Libanon aus.
Nach einem Monat stand RAMSES
II. mit seiner Hauptstreitmacht in Sichtweite (20 km) vor Kadesch, der wichtigen
zu den Hethitern abgefallenen Festungsstadt am Fluss Orontes.
Sein Heer bestand
aus vier nach den Hauptgöttern der Ägypter benannten Divisionen
die jeweils 5000 Soldaten stark waren. Zu jeder Division gehörten Bogenschützen, mit Lanzen und Streitäxten bewaffnete Infanterie sowie leichte mit 2 Mann besetzte Streitwagen.
...
und das hetithische Heer
Der Hethiterkönig MUTAWALLI hatte ein sehr großes Aufgebot von hethitischen und verbündeten
Truppen unmittelbar vor Kadesch aufmarschieren lassen. Es umfasste 37000 Soldaten,
die über 2500 Streitwagen verfügten. Damit war die Streitmacht der Hethiter
den ägyptischen Truppen zahlenmäßig weit überlegen.
Der
Verlauf der Schlacht
RAMSES
führte das Kommando leichtsinnig, dilettantisch und mit wenig Glück:
So ließ er seine Divisionen mit fast einem Tagesmarsch Abstand vorrücken.
Während RAMSES mit seiner Amun-Division den Orontes überschritt, war
die Seth Division noch zwei Tagesmärsche entfernt. Die Divisionen konnten
sich im Kampf folglich nicht gegenseitig unterstützen.
Auch sein Nachrichtendienst
versagte völlig. Deshalb gelang es hethitischen
Spionen, RAMSES über den tatsächlichen Standort der hethitischen
Streitmacht zu täuschen. Die Folge war, dass die Re-Division, die den
Fluss überquerte, um RAMSES zu folgen, von den Hethitern überrascht
und überrollt wurde.
RAMSES selbst war 12 km weiter nördlich im
Lager der Amun-Division völlig isoliert. Dort attackierten ihn ständig
die 2500 schweren, jeweils mit bis zu fünf Kämpfern besetzten hethitische
Streitwagen. Die angreifenden Hethiter drohten die Division aufzureiben, da die
Ptah-Division nicht mehr rechtzeitig zum Entsatz heran geführt werden
konnte.
Zu RAMSES´ Glück geriet die hethitische Streitmacht beim Plündern
seines notdürftig befestigten und bereits fast völlig eingenommenen
Lagers in Unordnung.
Deshalb konnten seine mehr zufällig von Byblos her auf dem Schlachtfeld
eintreffenden Nachschubtruppen den Untergang des König knapp verhindern
und seine Flucht sichern. Da die Hethiter den Fliehenden nicht nachsetzten,
konnte sich RAMSES mit seinen Rettern zu den noch einigermaßen intakten
Divisionen Seth und Ptah durchzuschlagen. Mit denen rettete er sich dann
und setzte sich fluchtartig vom Desaster von Kadesch nach Ägypten
ab.
Folgen
der Schlacht
Die Schlacht
von Kadesch war ohne einen echten Sieger geblieben. Doch, obwohl das Heer
nur ganz knapp einer Katastrophe entgangen war, ließ sich RAMSES II. in
Ägypten auf vielen Monumenten als glänzender Sieger feiern.
Nach
Kadesch führten die Ägypter und Hethiter zwar noch jahrelang Kleinkrieg
in Syrien. Beiden Mächten war aber klar geworden, dass sie nicht in der Lage
waren, den Gegner niederzuringen.
Auf Initiative des Hethiterkönigs
MURSILI III. (1272-1245) kam es zum Abschluss
eines Friedensvertrages. Jede Seite erhielt eine Silbertafel mit dem Vertragstext.
Vom Text existieren nur noch Kopien in Hieroglyphen- und Keilschrift. Von einer
dieser Kopien auf einer Stele der Tempel von Karnak (Ägypten) entstammt auch
der folgende Auszug:
"Hattusili, der Großfürst von Hatti, soll niemals das Land Ägypten angreifen, um irgendetwas aus ihm wegzunehmen. Usermaatre Setepenre (d.i. Ramses II.), der Großherrscher von Ägypten, soll niemals das Land Hatti angreifen, um irgendetwas aus ihm wegzunehmen ...
Wenn ein anderer Feind gegen die Länder des Usermaatre Sete, des Großherrschers von Ägypten, zieht, und der zum Großfürsten Hatti schickt mit den Worten: 'Komm mir zu Hilfe gegen ihn!', so soll der Großfürst von Hatti ihm zu Hilfe kommen, und der Großfürst von Hatti soll seinen Feind töten. Aber wenn der Großfürst von Hatti nicht (selbst) gehen will, so soll er sein Heer und seine Wagentruppe eilends kommen lassen und seinen Feind töten ...
Wenn ein Mensch aus dem Lande Ägypten flieht, oder zwei oder drei, und sie zu dem Großfürst von Hatti kommen, so soll sie der Großfürst von Hatti ergreifen und sie wieder zu Usermaatre Sete, dem Großherrscher von Ägypten, zurückbringen lassen. Den Menschen aber, den man dem Ramses Meriamum, dem Großherrscher von Ägypten, zurückbringen soll, soll man keines Vergehens anklagen ..."
Dieser Bündnispakt war der erste historisch verbürgte Staatsvertrag
zwischen zwei Großmächten. Er sollte ewig gelten und
schrieb die Einfluss-Sphären der Ägypter und Hethiter mit dem
Orontes als Grenze zwischen beiden Reichen fest.
Außerdem besiegelte noch ein Ehebündnis den Vertrag:
RAMSES II. heiratete zwei Töchter MURSILIs.