
Essgewohnheiten
am Hofe FRIEDRICHS II.
So gut wie der sprichwörtliche Gott in Frankreich aß FRIEDRICH
DER GROSSE nicht. Die Potatos (Kartoffeln)
überließ der preußische Potentat lieber seinem Volke.
Und gelinde gesagt: Gefressen hat er, der große König der Preußen.
In seiner Jugend war FRIEDRICH II.
recht vollschlank. Im Alter hager und von Gicht geplagt. Das hing sicher
mit der in der Familie verbreiteten Esslust zusammen. Sein Vater, der Soldatenkönig,
liebte außer den „Langen Kerls“ einen gut gedeckten Tisch. Weshalb er
als 51jähriger auch 252 Pfund auf die Waage brachte.
Fette Näpfe
Der hagere Sohn war wohl ein besserer Futterverwerter.
Es ist verbrieft dass an einem normalen Wochentag , am Freitag, dem 27. Juni
1749, die königliche
Tafel sich unter folgenden Leckereien bog.
Zum ersten Gang: zweierlei Hühnersuppen,
Hamburger Rindfleisch, Rinderbraten mit Sardellensoße, Lammpastete,
Hecht mit Meerrettich, Zander in Petersiliensoße, Taube mit Krebsen,
Blei auf Sauerampfer, junge Mohrrüben, grüne Erbsen und Scholle.
Zum zweiten Gang aßen seine Majestät:
gebratenes Reh, gebratene Gänse, Hühner, gebratenes Lamm, Krebse
naturell, Aal blau, Braunschweiger Wurst mit Ochsenzunge, grüne Erbsen
mit Schinken, Bohnen mit verlorenen Eiern, Maultaschen, Konfekt, Napfkuchen.
Auch über
die Tischsitten des großen
FRIEDRICH ist wenig Erfreuliches zu melden. Zeitgenossen berichteten,
dass er sich an der Tafel mehr der Finger als der Gabel bedient haben
soll. Esstuch und Kleidung wiesen nach dem Mahle zahlreiche Flecken auf.
Man wusste so immer, was der König gesessen hatte.
Magere Näpfe
Seine Soldaten allerdings hielt
FRIEDRICH wesentlich kürzer.
Eine (preußisch genaue) Aufstellung teilt die Tagesration
pro Mann mit:
1029 g Roggenbrot oder 514 g Zwieback,
257 g frisches oder gesalzenes Fleisch oder 128 g Speck,
32 g Salz,
48 g Butter,
57 Milliliter Branntwein und 859 ml Bier.
Damit lebten die Soldaten geradezu fürstlich gegenüber den armen preußischen Bauern, die sich in knappen Jahren vorwiegend von Roggenbrot oder Haferbrot, Linsen, Erbsen oder Kohl ernährten. Dazu gab's Wasser oder Molke. Die Hauptmahlzeit bestand aus Brei, einem mit Milch oder Wasser angemachten Getreidemehl oder -schrot. Der knappen Jahre gab es viele. In Deutschland war jedes 4. Jahr seit dem Dreißigjährigen Krieg ein Hungerjahr. Im 18. Jh. gab es zehn Hungerperioden mit unzähligen Opfern unter der Bevölkerung. Nebenbei bemerkt steigerte man damals das Wort arm. Arm war der, der keinen eigenen Herd besaß, aber "wirklich" arm war der, der keine Schuhe hatte.
Kartoffeln und Karbonade
Ausgelöst durch den Handel mit Übersee,
durch Ansiedeln fremder Landsleute wie der Hugenotten
vollzog sich im 18. Jh. ein Umbruch in der Ernährungsweise.
Kartoffeln und Kaffee kamen von jenseits
des großen Teiches. Kartoffeln
wurden bald heimisch und schnell ein Volksnahrungsmittel.
Auf FRIEDRICH DES GROSSEN Tisch suchte man sie allerdings vergeblich.
Den Kaffee aber gönnte er seinen Untertanen hingegen nicht. Kaffeeschnüffler
machten die Straßen preußischer Städte unsicher. Deshalb
bestand der Morgenkaffee, der die ursprüngliche Morgensuppe ablöste,
aus "Blümchenkaffee". Zu den heimischen Küchenkräutern
und Salz kamen exotische
Gewürze wie Pfeffer, Zimt Muskat und Nelken hinzu. Von Hause
aus waren die Preußen Kohlfreunde. Die heute so beliebten Gemüsebohnen,
Spargel oder Blumenkohl brachten die Hugenotten ins Land, zugleich auch
das Wissen über deren Anbau.
Von den Einwanderern übernahm man auch die Karbonade,
den Zucker aus Rüben, die
typisch berlinische Bulette und später die "Weiße",
ein obergäriges Bier. Der Eindruck, dass unsere Vorfahren gesünder
gelebt hätten, trügt. Zwar aßen sie nicht so fett wie
wir und arbeiteten schwerer, aber die Salzmengen waren enorm! Außerdem
war das Vorkochen und mehrmalige Aufwärmen
an der Tagesordnung. Danach hatte sich bestimmt auch das letzte Vitamin
verdünnisiert. Skorbut, Tuberkulose, Durchfall gehörten zu den
alltäglichen Krankheiten.- Die Giftskandale um Lebensmittel
von heute wirken gegen die damalige Kanonade auf die Gesundheit wie harmlose
Schreckschüsse.