

"In Leipzig war damals das politische Leben sehr rege. Leipzig galt als einer der Hauptsitze des Liberalismus und der Demokratie"Politischer Werdegang
(Aus meinem Leben, Bd. 1, Stuttgart 1910, S. 50).
"Das Jahr 1865 ... sah eine Menge Lohnkämpfe, die in den verschiedensten Städten ausbrachen. So gab es unter anderen große Arbeitseinstellungen in Hamburg, den Streik der Tuchmacher in Burg bei Magdeburg, die Arbeitseinstellung der Leipziger Buchdrucker, der eine Arbeitseinstellung der Leipziger Schuhmacher und anderer Branchen folgte" (S. 101).
Hinsichtlich des Einflusses, den WILHELM LIEBKNECHT auf BEBEL hatte, schrieb er selbst:
"Mein Umgang mit Liebknecht hat meine Mauserung zum Sozialisten beschleunigt. Dieses Verdienst hat er. Ähnlich ist es mit der Behauptung, Liebknecht habe mich zum Marxisten erzogen" (S. 130).
1866 gründete BEBEL zusammen mit LIEBKNECHT die Sächsische Volkspartei.
1867 wurde er Vorsitzender des Verbandes Deutscher Arbeitervereine und
im gleichen Jahr zum Mitglied des norddeutschen
Reichstages gewählt. LIEBKNECHT hatte ihn bewogen, sich 1868
mit der Mehrheit des Verbandes Deutscher Arbeitervereine der Internationalen
Arbeiterassoziation anzuschließen, der in London 1864 unter Mitwirkung
von KARL MARX entstandenen 1. Internationale.
1869 war BEBEL gemeinsam mit WILHELM LIEBKNECHT maßgeblich an der
Gründung der Sozialdemokratischen
Arbeiterpartei,deren Vorsitzender er wurde, in Eisenach beteiligt.
1871 erhielt BEBEL ein Mandat als Abgeordneter
der Sozialdemokratischen Partei im
Reichstag. In seiner ersten Rede
im Reichstag am 25. Mai 1871 nahm er auf das aktuelle Ereignis, den Aufstand
der Pariser Kommune gegen die bürgerliche Regierung, Bezug. Er nannte
die Vorgänge "ein kleines Vorpostengefecht" im Kampf der
Proletarier gegen die bestehende gesellschaftliche Ordnung, dem weitere,
größere Aktionen folgen würden. Schon als Abgeordneter
im Reichstag des Norddeutschen Bundes hatte BEBEL zusammen mit LIEBKNECHT
gegen
die Bewilligung von Kriegskrediten bei Ausbruch des Deutsch-Französischen
Krieges gestimmt. Ebenso protestierte er leidenschaftlich gegen die geplante
und dann vollzogene Annexion Elsass-Lothringens. Das brachte ihm und seiner
Partei in der allgemeinen nationalen Hochstimmung und Kriegsbegeisterung
den Ruf ein, "Reichsfeinde" und national unzuverlässig
zu sein. Hierzu schrieb BEBEL später in seiner Biografie:
"Die Haltung, die Liebknecht und ich bei Ausbruch und während der Dauer jenes Krieges in und außerhalb des Reichstags einnahmen, ist jahrzehntelang Gegenstand der Erörterung und heftiger Angriffe gewesen. Anfangs auch in der Partei. ... Ich bekenne, dass ich unsere damalige Haltung in keiner Weise bedaure ..." (Bd. 2, S. 167).
1872 wurden BEBEL und LIEBKNECHT des Hochverrats in einem Prozess in
Leipzig bezichtigt und zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt. In der
Zeit des Sozialistengesetzes
(1878 bis 1990), war BEBEL im Reichstag der schärfste Kritiker der
politischen Zustände im Deutschen Reich. Schon unmittelbar nach dem
Erlass des Reichsgesetzes "wider die gemeingefährlichen Bestrebungen
der Sozialdemokratie" 1878 klagte BEBEL die Regierung an, Tausende
von Sozialdemokraten lediglich ihrer Gesinnung wegen ins Gefängnis
zu werfen und so ihre Existenz zu ruinieren.
Entschieden setzte er sich als Abgeordneter für ein allgemeines
und gleiches Wahlrecht in den Bundesstaaten ein. Ausdrücklich
trat er dabei dafür ein, dass dieses Recht auch den Frauen zustehen
sollte.
BEBEL war an der Ausarbeitung des Erfurter
Programms der SPD 1891 maßgeblich beteiligt. 1892 wurde er
in den Parteivorsitz gewählt.
Trotz seiner Überzeugung, dass der Sozialismus bald über die
"absterbende bürgerliche Gesellschaft" siegen würde,
war BEBEL ein Vorkämpfer für die friedliche Durchsetzung der
Ziele seiner Partei. Diese Haltung brachte ihn später in deutlichen
Gegensatz zum linken Flügel der Sozialdemokratie, der beispielsweise
von ROSA LUXEMBURG vertreten wurde.
Ab 1909, nach dem Tod seiner Frau, hielt sich BEBEL überwiegend
in der Schweiz auf. Er arbeitete vor allem an seiner Biografie "Aus
meinem Leben" (Bild 4). 1912, während des Balkankriegs, trat
er auf dem Sozialistenkongress in Basel
auf. Er hielt hier eine viel beachtete Rede über Frieden und Völkerverständigung.
Bis zu seinem Tod am 13. August 1913 blieb AUGUST BEBEL der anerkannte
Führer
der Sozialdemokratischen Partei.
Er starb in dem Schweizer Kurort Passugg an einem Herzleiden. An der Trauerfeier
in Zürich nahmen Zehntausende teil, darunter führende Vertreter
sozialistischer Parteien aus zahlreichen Ländern.
Veröffentlichungen
Zu den wichtigsten Schriften
AUGUST BEBELS zählen: