Herkunft und Lebenslauf
HERODOT
wurde um 490 v.Chr. in seiner Heimatstadt Halikarnassos (Bodrum) in Karien geboren
und starb in Thurii um 430 v. Chr.
Als Angehöriger einer vornehmen Familie
seiner Heimatstadt Halikarnassos, erhielt HERODOT als junger Mann die in seinen
Kreisen übliche Ausbildung in "höheren" Künsten und Wissenschaften.
Wahrscheinlich war er auch vermögend. In seiner Heimatstadt, die unter persischer
Oberherrschaft stand, geriet er in politische Parteikämpfe, und mußte
deshalb auf die Insel Samos ins Exil gehen.
Eine Rückkehr war ihm offenbar auf Dauer nicht möglich. So schloss sich
für HERODOT eine langjährige Zeit mit ausgedehnten Reisen entlang der
Nordküste des Schwarzen Meeres (das Land der Skythen), Thrakien, Makedonien,
Ägypten bis Assuan, Tyros, Kyrene und Mesopotamien bis nach Babylon an.
Auf Reisen berichtete er einem interessierten
Publikum in öffentlichen Veranstaltungen von seinen Reiseeindrücken
und sonst gewonnenen Erkenntnissen. Mit den Honoraren bestritt er seinen Lebensunterhalt.
In Athen erzielte er eine besondere Resonanz und wohl auch eine hohe Honorierung.
Hier machte er auch die Bekanntschaft mit PERIKLES und SOPHOKLES. Athen wurde
ihm zur zweiten Heimat. PERIKLES gewann ihn als literarischen Autor, der über
den Krieg zwischen Persern und Griechen im
ersten Viertel des 5. Jahrhunderts berichtete. Um die dafür nötigen
Recherchen zu erhalten, musste er zu den Orten des Kriegsgeschehens reisen. Die
Eindrücke und Erkenntnisse dieser wie auch der früheren Reisen hat HERODOT
meistens in Stoffbearbeitungen niedergeschrieben.
"HERODOTOS aus Halikarnassos hat diese Nachrichten gesammelt und aufgezeichnet, damit nicht, was die Menschen getrieben, was Griechen und Barbaren Großes und Bewunderungswürdiges geleistet, und weshalb sie miteinander Krieg geführt, mit der Zeit verwischt und vergessen würde."
Geschichtsdaten
zu Babylon
Babylon ("Tor
Gottes", babylonisch Babilu, hebräisch Babel) ist eine Ruinenstadt im
Südirak, an einem alten Euphratlauf gelegen. Die Stadt
im Zwischenstromland des Euphrat und Tigris wurde erstmals Ende des 3.
Jahrtaus(1728-1686 v. Chr.) gelangte Babylon als Hauptstadt und als das kulturelle
Zentrum der gesamten vorderasiatischen Welt zu politischer Bedeutung. NABOPOLASSAR
und NEBUKADNEZAR II. (regierte 604-562 v.Chr.) bauten sie zur Weltstadt aus.
Danach wurde das Reich mehrfach erobert:
Der in Babylon verstorbene ALEXANDER DER GROSSE wollte sein Weltreich von dieser Stadt aus regieren. Von den Assyrern mehrfach zerstört, wurde sie immer wieder aufgebaut, am prächtigsten unter NEBUKADNEZAR II.
Babylon
im Spiegel HERODOTS
In einem möglichst ausdrucksreichen "Spiegel"
schildert HERODOT seine persönlich empfundenen Wahrnehmungen. Soweit ihm
Material aus eigener Beobachtung oder fremden
Berichten vorliegt, gibt er es in lockerer Ordnung vielfältiger Aspekte wieder:
Umfang und Gestalt der Stadt Babylon
"Die schönste Stadt unter allen, von denen wir wissen",
nannte
HERODOT Babylon. Die Stadt liegt in einer Ebene, und sie selbst zerfällt
in zwei Teile. Sie wird rings herum von tiefen, mit
Wasser gefüllten Gräben umgeben. Dann folgt die äußere
Mauer, die im ganzen hundert
Tore hat und die alle mit Metallen
beschlagen sind. Innen verläuft aber noch eine zweite
Mauer zur Sicherung des Stadtbereiches.
Das Hauptwohngebiet
befand sich an der Stelle, wo sich schon die älteren Siedlungen konzentriert
hatten. Die Stadt selber hatte durchweg dreistöckige
und vierstöckige Häuser. Die Räume hatten verschiedene Größen
und Funktionen und waren um einen Hof herum gruppiert. Die Stadt wurde von gradlinigen
Straßen durchzogen, die teils in Richtung des Flusses, teils quer
auf den Fluß zu liefen. Jede Querstraße mündete in ein Tor. Auch
diese Tore waren mit Metallen beschlagen.
Das berühmteste Tor Babylons
ist das Ischtartor (Bild 3), das direkt neben
dem Königspalast lag. Es war sicher das von den Königen und bei offiziellen
Anlässen benutzte Stadttor. Mitten durch die Stadt der Euphrat,
der in Armenien entspringt, ein großer, tiefer, reißender Strom. Er
mündet in das Rote Meer.
Die
babylonischen Palast- und Tempelanlagen
In der Mitte jeder Stadthälfte
steht ein gewaltiges Gebäude, in der einen der Königspalast und in der anderen der Tempel des Zeus
Belos. Im heiligen Tempelbezirk steht ein fester Turm (Bild 1)
von insgesamt acht übereinandergebauten Türmen. Alle diese Türme
kann man auf einer herumführenden Treppe ersteigen. Auf dem obersten Turm
ist ein großer Tempel, in dem ein großes Ruhebett und daneben ein
goldener Tisch steht. Kein Götterbild findet man dort aufgestellt, auch schläft
kein Mensch in dem Tempel, bloß eine einzige aus Babylon stammende Frau.
Diese wählt sich Gott unter allen Frauen des Landes aus, wie es die Chaldaier,
die Priester behaupten. In einem zweiten Tempel im heiligen Bezirk befindet sich
ein großes goldenes Bild vom sitzenden Zeus. Der überaus große
Reichtum dieser Stadt zeigt sich in der Pracht mit der die Tempel ausgeschmückt
sind (goldene Altare, goldene Sitzmöbel, viele kleine Weihgeschenke, hohe
Götterstatuen aus purem Gold u.a.). Jährlich verbrennen die Chaldaier
(Priester) für den Weihrauch ein Vermögen.
Viele Könige haben
über Babylon geherrscht. Sie haben die Mauern gebaut und die Heiligtümer.
Unter ihnen auch zwei Frauen, eine hieß SEMIRAMIS.
Während ihrer Regentschaft veranlasste sie, in der Ebene am Euphrat Dämme
zu bauen, die eine erstaunliche Größe und Höhe hatten. Vorher
überschwemmte der Strom ständig die ganze Ebene. Berühmt sind ebenfalls
die von HERODOT erwähnten "Hängenden
Gärten" im Palast
der Königin SEMIRAMIS.
Die zweite Königin, NITOKRIS, war noch weiser als die erste und hat Denkmäler hinterlassen. Außerdem hat sie - als die Macht der Meder beständig zunahm - alle erdenkbaren Verteidigungsmittel verstärkt. Ferner ließ sie ein riesiges Becken ausgraben, das sich mit Grundwasser füllte. Anschließend zog sie um den See eine Einfassungsmauer. Mit der abgebauten Erde wurden an beiden Flußufern Dämme aufgeschüttet. NITOKRIS ließ über den durch Babylon fließenden Fluss eine Brücke bauen, so dass die Bevölkerung nun bequem von dem einen Stadtteil zum anderen hinüber gehen konnte. Beide Wasseranlagen sollten in verschiedener Hinsicht dem Schutz der Babylonier vor kriegerischen Überfällen dienen. Gleichzeitig sollte vermieden werden, dass die Meder durch den Handelsverkehr das Land genau kennenlernten. Dieselbe Königin täuschte dann auf kluge Weise die Nachwelt. Sie ließ auf ihrem Grabmal folgende Worte einmeißeln:
"Wenn einer der Könige von Babylon, die nach mir kommen, in großer Geldnot ist, so möge er mein Grab öffnen und herausnehmen, soviel er mag. Ist er nicht in Not, so möge er es ja unberührt lassen und es aus keinem anderen Grund öffnen."
Das Grab der weisen Königin blieb lange ungeöffnet, bis das babylonische Reich an DAREIOS fiel. Der öffnete es und fand kein Geld nur folgende Inschrift:
"Wären deine Geldgier und dein Geiz nicht unersättlich, so würdest du keine Gräber öffnen."
HERODOT hat genau diese Worte der Nachwelt übermittelt.
Bekleidung
und das alltägliche Leben
Das
äußere Erscheinungsbild der Menschen in Babylon wird bis ins Detail
von HERODOT beschrieben. Was ihre Kleidung betrifft, so besteht sie aus Leinen. Man trägt
einen bis zu den Füßen reichenden Leibrock,
über den ein anderer Leibrock angezogen wird. Einen kleinen weißen Mantel legt man darüber an. Die Schuhe der Babylonier haben eine eigentümliche Form und sind grob. Die Haare lässt man lang wachsen und bindet sie zusammen. Den ganzen Körper salbt man mit Myrthen ein.
Landwirtschaft:
In der Ebene gedeiht Getreide besonders gut und es wachsen Palmen. Aus den Früchten
werden
bereitet.
Die Bevölkerung der Stadt Babylon wurde durch kriegerische Eroberungen (Zeit des KYROS und DAREIOS)
in ihrer Zusammensetzung mehrmals verändert. Sie besteht aus verschiedenen
Volksstämmen (Babyloniern, Persern u.a.), so pflegt man unterschiedliche
Esskulturen. Bei drei Volksstämmen werden z. B. die gefangenen Fische an
der Sonne gedörrt, und dann zum Essen entweder wie Brei geknetet oder zu
Brot gebacken.
Schifffahrt
Schifffahrt: Ganz Babylonien ist wie
Ägypten mit Gräben durchzogen. Der größte dieser Gräben
ist schiffbar. Er hat eine südöstliche Richtung und verbindet den Euphrat mit dem anderen babylonischen Fluß, dem Tigris.
Eine der größten Merkwürdigkeiten betrifft die Schifffahrt und
ist folgende:
"Die Schiffe, in denen man den Strom hinunter nach Babylon fährt, sind kreisrund und ganz aus Leder."
In Babylon werden nach dem Verkauf der Schiffsladung anschließend auch die Schiffsrippen versteigert. Der Grund ist: Stromauf zu fahren ist wegen der starken Strömung ganz unmöglich. Deshalb macht man eben die Schiffe nicht aus Holz, sondern aus Tierhäuten.
Sitten
bzw. Unsitten
Durch Verarmung der Menschen aus dem Volk war es lange
Zeit gewissermaßen Brauch, junge
Mädchen im heiratsfähigen Alter zu verkaufen. Jedoch ohne einen Bürgen
zu stellen, durfte man das gekaufte Mädchen nicht heimführen.
Die
verständigste Sitte der Babylonier
ist folgende. Kranke Menschen werden auf den Markt getragen, denn sie haben keine
Ärzte. Vorübergehende Passanten geben nun dem Kranken gute Ratschläge,
Leute, die an derselben Krankheit gelitten haben oder einen anderen an ihr haben
leiden sehen. Man erklärt dem Kranken, auf welche Weise sie geheilt worden
seien. Schweigend an dem Kranken vorüberzugehen, ist nicht erlaubt, jeder
muss ihn befragen. Dagegen ist die hässlichste Sitte der Babylonier, dass
jede Babylonierin sich einmal in ihrem Leben in den Tempel der Aphrodite begeben
muß, um Liebesdienste an Fremde zu leisten.
Wobei HERODOT an dieser
oder jener Stelle seiner Schilderung auch einen Sittenwandel konstatiert.
Eroberung Babylons durch
KYROS und DAREIOS
KYROS II. war persischer König 559-530 v. Chr..
HERODOT beschreibt die zwei Eroberungskriege der Perser unter KYROS und DAREIOS gegen die reiche Stadt Babylon und deren Auswirkungen
auf die Stadt und ihre Bevölkerung.
Der persische große König
KYROS II. unterwirft die nördlichen Provinzen des babylonischen Reiches.
Der babylonische Statthalter des Osttigrislandes, GOBRYAS, läuft zum Gegner
-zu KYROS- über. Nach einem Sieg über das babylonische Heer bei Opis
(Upija) am Tigris zieht GOBRYAS am 12. Oktober 539 v. Chr. ohne Kampf in die Stadt
Babylon ein. Die Babylonier haben den Plan von KYROS nicht rechtzeitig bemerkt
und werden in die Stadt zurückgedrängt. Als Nachfolger der babylonischen
Könige herrscht KYROS nun über ein Gebiet vom Osten Irans bis zur ägyptische
Grenze und die griechischen Mittelmeerinseln. Statt ganze Völker zu deportieren
und ihre Kultstätten zu zerstören, gestattet er ihnen die Rückkehr
in die Heimat und unterstützt den Wiederaufbau
ihrer Tempel. In den Genuß dieser Politik kommen auch die nach
Babylon verschleppten Juden (Babylonische Gefangenschaft). Die weltgeschichtliche
bedeutsame Leistung des Perserkönigs KYROS II. besteht darin, dass
den unterworfenen Völkern ein nationales und religiöses Eigenleben im
Rahmen persischer Oberherrschaft erhalten blieb.
Zum zweiten Mal
wurde Babylon durch DAREIOS erobert. DAREIOS
aber ließ, nachdem er die Babylonier unterworfen hatte, die Stadtmauer zerstören
und alle Tore abbrechen (im Gegensatz zu KYROS). Dreitausend der vornehmsten Babylonier
wurden gekreuzigt, den übrigen gestattete er, in der Stadt wohnen bleiben
zu dürfen. Um einer Hungersnot vorzubeugen, hatte er Tausende Frauen mit
Kindern umbringen lassen. Damit die Bevölkerungszahl durch Geburten von Kindern
wieder anwuchs, befahl er den Nachbarvölkern (und zwar jedem), eine bestimmte
Anzahl von "Weibern" nach Babylon abzugeben. Von diesen insgesamt fünfzigtausend
Frauen, die in die Stadt geholt wurden, stammen die jetzigen Babylonier ab.