




Das Einordnungsproblem vorgeschichtlicher Funde
Seit dem frühen 19. Jahrhundert gab es unter Altertumsforschern verstärkt
Bemühungen, vorgeschichtliche Funde zeitlich zu datieren. Damit wollte man
die fast zwei Millionen Jahre währende Vorgeschichte
des Menschen etwas genauer in Perioden gliedern.
Anfang des 20. Jahrhunderts gelang es dann, eine im Wesentlichen noch heute gültige Chronologie der Vorgeschichte zu schaffen, z. B. die Bronzezeit zwischen der Stein- und Eisenzeit nachzuweisen. Diese Chronologie hatte aber auch mehrere Nachteile. Zweifellos ihr Hauptproblem war die "Europazentriertheit". Das bedeutet, dass zeitgleich oder zeitlich verschoben verlaufende Etappen der Menschheitsentwicklung in anderen Teilen der Welt, z. B. in Asien oder Afrika, nicht hinreichend berücksichtigt wurden.
Erst das Aufkommen naturwissenschaftlicher Methoden der Altersbestimmung in der Mitte des 20. Jahrhunderts änderte diese Situation. So konnte jetzt beispielsweise durch die Anwendung der Radiokarbonmethode das Alter historischer Gegenstände aus Stein und organischem Material relativ genau bestimmt werden. Damit war der Durchbruch zu einer Chronologie der menschlichen Vorgeschichte, die auch zeitgleiche Vorgänge in anderen Erdteilen erfasste, erreicht.
Chronologie der Vorgeschichte
Die Vorgeschichte
umfasst die Geschichte der Menschheit von ihren Anfängen bis zum Aufkommen
der ersten schriftlichen Quellen:
Steinzeit
- Altsteinzeit (Paläolithikum)
Nach der Definition des Menschen
als "Werkzeug herstellendes Lebewesen" begann die Altsteinzeit
vor etwa 2,5 Mio. Jahren. So alt sind die ältesten
Funde von Steinwerkzeugen
in Ostafrika, die von den Vorgängern des heutigen Menschen hergestellt wurden.
Aus ihnen entwickelten sich über einen riesigen Zeitraum, der etwa die Zeit
bis zum Ende des Eiszeitalters vor rund 10000 Jahren umfasste und damit mehr als
90 % der Menschheitsgeschichte, der moderne Mensch, der Homo sapiens. Der bestimmende
Werkstoff für die Werkzeugherstellung blieb dabei Stein. Deshalb wird diese
längste Epoche der Vorgeschichte auch Altsteinzeit
genannt.
Die Menschen der Altsteinzeit lebten von der Jagd und kannten bereits das Feuer. Sie folgten dem Wild als Nomaden und sammelten essbare Pflanzen, weshalb sie auch als Jäger und Sammler bezeichnet werden. Die Lebensgemeinschaft der altsteinzeitlichen Menschen war die Horde.
Steinzeit
- Jungsteinzeit (Neolithikum)
Der folgende Abschnitt der Menschheitsgeschichte,
die Jungsteinzeit, beginnt damit,
dass die Menschen den Ackerbau und die Viehzucht erlernten - um 8000 v. Chr.
zunächst in Vorderasien und später, 5000 v. Chr., im europäischen
Raum.
Sie erfanden dafür auch
zahlreiche neue Steinwerkzeuge, wie geschliffene
Äxte und Beile, aber auch Pflug, Rad und Webstuhl.
Mit der Jungsteinzeit
beginnt deshalb ein tiefgreifender Einschnitt in der menschlichen Geschichte,
der als neolithische Revolution bezeichnet wird.
Die Ackerbauern
und Viehzüchter wurden sesshaft. Sie
lebten in dorfähnlichen Ansiedlungen und errichteten Häuser, in denen
die Großfamilien wohnten. Es wurden Felder bestellt, z. B. mit Weizen, Erbsen,
Mohn und Flachs, und verschiedene Nutztiere gezüchtet.
Außerdem
erlernten die Menschen die Kunst des Spinnens und Webens und der Töpferei.
Die vorherrschenden bäuerlichen Lebensgemeinschaften waren jetzt die Sippen, die jeweils aus mehreren Großfamilien bestanden.
Metallzeit - Bronzezeit
Wie schon beim Ackerbau waren es die Menschen in
Vorderasien, die um 3500 v. Chr. die Technik der Gewinnung und Verarbeitung von
Bronze entdeckten und damit die Bronzezeit
einläuteten. Erst um 1800 v. Chr.
breitete sich die Bronzezeit in Europa aus.
Sie brachte Veränderungen in vielen Lebensbereichen:
So führten die verschiedenen
technischen Verfahren zur Metallgewinnung und -verarbeitung zur Entstehung
neuer Berufe (Bergleute, Gießer, Schmiede). Sie führten aber
auch zu einer großen Formenfülle kunstvoll gefertigter Bronzegegenstände
wie Schmuck, Waffen und Geräte.
Die
Verwendung von Geräten aus Bronze in der Landwirtschaft, z. B. beim Pflug, brachte eine Intensivierung des Ackerbaus und höhere Erträge.
Schließlich
nahm auch der Fernhandel mit Rohmetall, Bronze,
Zinn und Fertigerzeugnissen einen großen Aufschwung. Er führte Händler
aus dem mitteleuropäischen Raum z. T. bis in die Länder des östlichen
Mittelmeers.
Metallzeit - Eisenzeit
Seit etwa 700 v. Chr. wurde in Mitteleuropa die Bronze durch Eisen verdrängt. In Vorderasien, von wo aus auch die Technik der Eisengewinnung nach Europa gelangte,
begann die Eisenzeit bereits 1500 v.
Chr.
Das Eisen war dem bisher verwendeten Werkstoff Bronze wegen seiner größeren
Härte und Zähigkeit deutlich überlegen. Waffen und Werkzeuge und
Geräte aus Bronze wurden schnell stumpf oder verformten sich. Die Verwendung
von Eisen führte deshalb zur Intensivierung sowohl der handwerklichen Produktion
als auch der Landwirtschaft.
In Europa waren die Stämme der Kelten Träger der eisenzeitlichen Kultur. Die Kelten beherrschten nicht nur die
Metallgewinnung, sondern waren auch talentierte Waffen-
und Goldschmiede. Schmiede genossen bei ihnen überhaupt hohes Ansehen.
Hergestellt und kunstvoll verziert wurden von ihnen Waffen, Hausrat, Schmuck und
Kultgegenstände aus Bronze, Eisen und Gold. Die Kelten unterlagen an der Schwelle zur Zeitenwende dem Ansturm germanischer
Stämme aus dem Norden und des Römischen Reichs von Süden her.
Übergang zur Frühgeschichte
Noch vor dem Ende der Eisenzeit endete um 1000
v. Chr. in Europa die menschliche Vorgeschichte, und die Frühgeschichte beginnt.
Als Frühgeschichte wird
der der Vorgeschichte folgende Zeitabschnitt bezeichnet, für den neben archäologischen
Funden auch schriftliche Überlieferungen und sonstige historische Quellen,
z. B. Ortsnamen oder Münzen, zur Verfügung stehen.
In Mitteleuropa
endet die Frühgeschichte nach Auffassung von Historikern mit der Zeit des
römischen Staatsmannes und Feldherrn GAIUS JULIUS
CAESAR im 1. Jh. v. Chr.