
Das Edikt von Potsdam war ein Toleranzedikt, das 1685 vom „Großen Kurfürsten“ FRIEDRICH WILHELM VON BRANDENBURG erlassen wurde.
In Frankreich hatte die Verfolgung der Hugenotten in den Jahren 1562-1598 zu blutigen Religionskriegen geführt.
Diese Kriege wurden mit dem Edikt
von Nantes im Jahre 1598 durch HEINRICH
IV. beendet. Er war es, der den Hugenotten (Calvinisten) die Gleichstellung
gegenüber den Katholiken gewährte und das Recht, 200 befestigte
Plätze zu unterhalten. Daneben wurde aber stets versucht, die Hugenotten
zur Aufgabe ihres Glaubens zu bringen. Da dies scheiterte, wurde das Edikt von Nantes am 6. Oktober 1685 von LUDWIG XIV. aufgehoben.
Tausende Hugenotten, die sich der Rekatholisierung widersetzt hatten,
wurden verfolgt, Repressalien ausgesetzt, ihre Glaubenseinrichtungen wurden
zerstört. Enteignung, Plünderungen, Einkerkerungen und Verschleppungen
waren die Folge der Aufhebung des Edikts. So suchten mehr als 200 000
evangelische Franzoden Zuflucht in anderen Ländern.
Durch sie erfuhr die Wirtschaft in Holland, der Schweiz und nicht zuletzt
in den protestantischen Territorien Deutschlands einen großen Aufschwung.
Hugenotten in
Preußen
FRIEDRICH WILHELM, „der Große Kurfürst“ von Brandenburg,
sicherte mit dem Edikt von Potsdam am 29.10.1685 den Flüchtlingen Aufnahme in seinem Land zu.
Die Hohenzollern waren 1608 zum Calvinismus übergetreten. Gleichwohl war dieses Glaubensbekenntnis nicht der einzige Grund dieses Ediktes, auch die politische
und wirtschaftliche Situation waren ausschlaggebend.
LUDWIG XIV. unterstützte FRIEDRICH WILHELM nicht im Kampf um die Odermündung gegen die Schweden. Durch die Folgen
des Dreißigjährigen Krieges sowie die Pestepidemie von 1681
war die Wirtschaft in den mehr als 300 souveränen Territorien Deutschlands
auf einem Tiefpunkt. Eine der am schlimmsten betroffenen Regionen war das
Kurfürstentum Brandenburg.
Allein in der Magdeburger
Region war die Bevölkerung um 46,2 % reduziert, ca. 50 % der Wohnhäuser
in den Städten war zerstört.
Um die Wirtschaft zu beleben,
förderte FRIEDRICH WILHELM die Ansiedlung sowohl aus anderen deutschen
Ländern wie auch aus außerdeutschen Territorien. Er ließ
2000 deutsch-französische Exemplare seines Ediktes nach Frankreich
schleusen. Den Flüchtlingen wurden Empfehlungen für Fluchtwege,
Unterstützungsgelder sowie kostenlose Unterkunft und Verpflegung an
den Raststätten gewährt. Folgende Rechte
und Privilegien wurden den Flüchtlingen versprochen:
Mehr als 20 000 Flüchtlinge kamen seit 1685 bis in das 18. Jahrhundert
hinein nach Brandenburg. Es waren deutsche und französische
Glaubensflüchtlinge, Wallonen (Niederlande) und Juden (das 100-jährige
Ansiedlungsverbot für Juden war aufgehoben).
Bereits in den 1650er-Jahren
hatten sich Holländer, Friesen und Holsteiner niedergelassen. Besonders
in Magdeburg, Neuhaldensleben, Burg, Calbe/Saale und Halberstadt siedelten
entsprechend dem kurfürstlichen Edikt die Flüchtlinge. So waren
um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert fast 50 % der Magdeburger Einwohner
französischer Herkunft.
Aufschwung
durch die Kolonisten
Die Einwanderer brachten gewerbliche
Kenntnisse, neue technische Verfahren
(wie den mechanischen Webstuhl), neue kapitalistische Unternehmensformen
und Kapital ins Land. Gewerbezweige, wie die Produktion von Seiden,
Feintuch, Bänder, Handschuhen und Strümpfen sowie die Seifen-
und Kerzenherstellung bereicherten die städtische Wirtschaft. Das tägliche
Angebot wurde ausgedehnt durch Weißbrote, Brötchen, Weißbiere,
Liköre und Branntweine.
Ackerbau und Viehzucht erfuhren einen geringeren Wandel, da hier auch die Hugenotten den wenigsten
Fortschritt einbrachten. Ansätze zur Intensivierung des Ackerbaus durch
den Anbau von Erbsen und Zwischenfrüchten sowie eine verstärkte
Düngung zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit sind zu nennen.
Hier wirkten die niederländischen Einwanderer ganz anders. Sie verstanden
die Trockenlegung und Urbarmachung
von Feuchtgebieten.
Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung wurden die Einwanderer für den
preußischen Staat sowohl als Steuerzahler als auch als Rekruten sehr
willkommen.
Angeblich trug die Einladung der Hugenotten dem Kurfürsten FRIEDRICH
WILHELM den Beinamen
der "Große" ein. Einige meinen jedoch, er habe sich
den Namen selbst gegeben. Kurfürst heißt im Französischen
Electeur. Da das leicht zu verwechseln ist mit le lecteur = der Leser, soll
FRIEDRICH WILHELM mit Le Grand Electeur = der große Kurfürst,
sein Edikt unterschrieben haben.
Natürlich hatte der Kurfürst die Sympathie seiner neuen Untertanen
mit dem Edikt gewonnen, sodass diese ihn in Dankbarkeit den Großen
Kurfürsten nannten.