Das neue Lebensgefühl
Nie zuvor gab es eine vergleichbare Politisierung
der Öffentlichkeit.
Leben in der Großstadt bedeutete viele Menschen auf einem Raum.
Sie bewegten sich durch den Arbeitsrhythmus zu bestimmten Zeiten in Strömen
durch die Stadt. Arbeiten im Takt des Fließbandes
wurde für viele Alltag. Technik und Wirtschaft gingen ihren Weg,
ohne sich um die individuellen Erlebnisse und Stimmungen zu kümmern.
Es ist die Zeit der Massenmedien.
entwickelten sich. Das nach der Zeit von Krieg und Krise aufgestaute
Lebens- und Unterhaltungsbedürfnis bricht sich überall massenhaft
Bahn.
Der Kulturmarkt wurde international
und kommerziell. Es ist die Zeit des Charleston, Foxtrott und Jazz. Hollywood
wurde auch in Europa ein Begriff.
Sportwettkämpfe wie das 6-Tage Rennen oder Boxveranstaltungen waren
riesige Spektakel vor großem Publikum.
Die Helden und Stars dieser Zeit waren
Durch die Elektrifizierung und Mechanisierung
der Großstadt veränderte sich das Zeitgefühl
seiner Bewohner erheblich. Dies ging einher mit einer bisher nicht gekannten
Wahrnehmung des Alltags. Mit dem neuen Lebensgefühl veränderte
sich auch die Sprache im Alltag.
Die neusachliche Literatur
beobachtete das Verhalten des Einzelnen in der Masse und seiner Zwänge,
denen er ausgesetzt war und in denen er sich bewegen mußte. Sie
machte Verhaltensgebote.
Ende der Neuen Sachlichkeit
Mit dem Ende der Weimarer Republik kam auch das Ende
der Neue Sachlichkeit als dominante kulturelle und literarische Strömung.
Wie auch immer das Fazit der Zeitgenossen ausfiel, letztlich gingen von
der Neuen Sachlichkeit wichtige Impulse für
das gesamte kulturelle Leben aus. Sie wurde
Die Künste hatten in der Auseinandersetzung
mit den neuen Medien ihrer Zeit neue Formen entwickelt und deren
Wirkungen erprobt, die schnell zum Standard wurden.
Das Ende der zwanziger und der Beginn der dreißiger Jahre ist jedoch
auch eine der hohen Arbeitslosenzahlen
geschuldete von Klassenkämpfen
und Straßenschlachten aufgewühlte Zeit. Auch diese Beobachtungen
fließen in die Literatur der Neuen Sachlichkeit ein. So entstehen
neue Spielarten von Arbeiterliteratur, die an naturalistische Traditionen
anschließt oder aber vom Proletkult bzw. vom Surrealismus gespeist
wird.
Lasst Tatsachen sprechen!
Lasst Tatsachen sprechen!
Unter diesem Motto schrieben Künstler ganz unterschiedlicher, ja
zum Teil gegensätzlicher - nicht selten zur Radikalität tendierender
- politischer Auffassungen und Weltsichten. Dies ist ein Grund dafür,
dass diese Strömung sehr umstritten war und ist.
In Analogie zur gesamtliterarischen Situation stellt sich der neusachliche Diskurs als eine Auseinandersetzung zwischen linksbürgerlichen, kommunistischen, gemäßigt konservativen und völkisch-nationalen Gruppierungen dar, eine Konstellation, die sich in den beteiligten Publikationsorganen wiederholt. Kritik kam vor allem von seiten der konservativen Literaturkritik, gegen "großstädtische Zivilisationskunst" und "urbane Asphaltliteratur", gegen den "Geist von Berlin".
(WILHELM STAPEL).
Diskussionen um die Funktionalität und Ideologiefreiheit von sachlichen Formen, die eine Gleichstellung unterschiedlichster Erfahrungen wie Schlachtfeld und Sommerwiese durch die Verwendung gleicher oder verwandter Stilebenen zu erlauben schienen, gehören zur Geschichte dieses Phänomens.