
Reichstag
Dem Reichstag waren durch die
Verfassung mehr Kompetenzen verliehen worden, als er sie während
des Kaiserreichs besessen hatte. So war die Regierung
jetzt dem Parlament gegenüber voll verantwortlich. Später
zeigte sich jedoch, dass die umfassenden Rechte des Reichstags durch Volksbegehren
sowie Volksentscheide, wie sie der Artikel 73 der Weimarer Verfassung
vorsah, und durch die Befugnisse des Reichspräsidenten erheblich
eingeschränkt wurden. Der Reichspräsident
wurde ebenso wie die Abgeordneten des reichstags direkt
vom Volk gewählt und besaß deshalb ein starkes Fundament
für seine Machtausübung. Die Artikel 25 und 48 der Weimarer
Verfassung erlaubten dem Reichspräsidenten sogar,
Außerdem ernannte der Reichspräsident den Reichskanzler und
auf dessen Vorschlag hin auch die Reichsminister. Solange es einen demokratisch gesinnten Reichspräsidenten wie FRIEDRICH
EBERT gegeben hatte, war das
kein allzu großes Problem für die Demokratie in der Weimarer
Republik.
Unter dem Reichspräsidenten PAUL VON
HINDENBURG jedoch,
der als ehemaliger kaiserlicher Feldmarschall eine antidemokratische
und autoritäre Gesinnung besaß,
wurden diese Befugnisse zu gefährlichen Waffen gegen die parlamentarische
Demokratie. Die Weimarer Republik wandelte sich unter seiner Präsidentschaft
deshalb allmählich von der parlamentarischen Demokratie zur Präsidialdemokratie,
durch die der Weg schließlich zum autoritären Führerstaat,
d. h. zur NS-Diktatur unter ADOLF HITLER, geebnet wurde.
Parteien der Weimarer Republik
Die erste Regierung der Weimarer Republik setzte sich aus einer Drei-Parteien-Koalition,
der sogenannten "Weimarer Koalition" zusammen:
Daneben existierte eine Vielzahl weiterer Parteien, deren Spektrum von der extrem links stehenden KPD bis zur rechts außen stehenden NSDAP reichte. Dazwischen war Platz für Parteien unterschiedlichster Ausrichtung:
Die Weimarer Verfassung kannte keine Zugangsbeschränkung zum Parlament. Alle Parteien, die ausreichend Wählerstimmen bekommen hatten, waren also auch im Reichstag vertreten. Deshalb bot der Reichstag auch vielen sehr kleinen antidemokratischen Parteien eine Tribüne. Diese wurde auch sehr gern von diesen Parteien genutzt, um die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen, aber auch um Hetzparolen zu verbreiten.
In den Jahren der Weimarer Republik wechselten die Regierungen und die
Parteikoalitionen, die sie bildeten, ständig. Keine
Regierung hielt sich länger als 21 Monate im Sattel. Das hatte
natürlich schwerwiegende Auswirkungen auf das Vertrauen der Bevölkerung
in die Politiker und auf die Politik selbst.
Neben den Auseinandersetzungen zwischen den Parteien wurden aber gerade
innerhalb von demokratischen Parteien auch Richtungskämpfe
um Grundorientierungen der Politik ausgetragen. Das schwächte
diese Parteien noch mehr.
Die radikalen Parteien erschienen dagegen viel geschlossener und stabiler.
Vor allem die NSDAP bot außerdem relativ einfache Welterklärungsmuster
und Lösungen für alle denkbaren Probleme an, die viele orientierungslos
gewordene Wähler attraktiv fanden und deshalb zu ihr hinzogen.
Kommunistische Partei Deutschlands
(KPD)
Die KPD wurde 1918/19 von Mitgliedern
der USPD gegründet. Es handelte sich dabei um Mitglieder des sogenannten
"Spartakusbundes" sowie um Bremer und Hamburger Linksradikale.
Für die KPD war der Marxismus die wissenschaftliche Grundlage für die Betrachtung aller politischen
Fragen. Für die meisten ihrer Mitglieder war es deshalb auch nur
eine Frage der Zeit, bis in Deutschland die kommunistische Revolution
nach dem Vorbild der Oktoberrevolution in Russland ausbrechen würde. Die Partei lehnte sich deshalb stark an die Sowjetunion an, und ihre
Politik wurde zunehmend von Moskau aus gesteuert. Das zog zahlreiche Richtungswechsel
ihrer Politik nach sich.
Unabhängige Sozialdemokratische
Partei Deutschlands (USPD)
Die USPD hatte sich 1917 von der
SPD abgespaltet und verstand sich deshalb als marxistisch-revolutionäre
Alternative zur SPD. Ursprünglich unterschied sie sich von
der SPD nur dadurch, dass sie den Krieg konsequent ablehnte.
Der bürgerliche Staat, als den sie die Weimarer Republik verstand,
war für die USPD nicht reformfähig. Deshalb musste er laut Parteiprogramm
durch die proletarische Revolution beseitigt werden.
Die Partei selbst war innerlich sehr zerrissen, was 1918 u. a. zur Abspaltung
der Spartakusgruppe führte, deren Mitglieder die Kommunistische Partei
Deutschlands (KPD) gründeten.
1920 vereinigte sich die Mehrheit der USPD dann mit der KPD. Eine Minderheit
kehrte in die SPD zurück.
Sozialdemokratische Partei Deutschlands
(SPD)
Das Selbstverständnis der 1869 gegründeten SPD speiste sich aus ihrer langen Tradition als Arbeiterpartei und gründete sich auf dem marxistischen
Geschichtsverständnis, wonach Geschichte
eine Abfolge von Klassenkämpfen ist.
Dementsprechend wurden auch die politischen Verhältnisse der Weimarer
Republik als Erscheinungsformen des Klassenkampfs interpretiert. Das hinderte die SPD jedoch nicht daran, sich in der realen
Politik pragmatisch zu verhalten.
Vornehmlichstes Ziel der SPD war der Aufbau
einer sozialen Demokratie in Deutschland und deren dauerhafte Sicherung.
Dazu sollten die Rechte der Arbeiterklasse
ausgebaut und die Produktionsmittel teilweise sozialisiert,
d. h. Teile der Wirtschaft verstaatlicht werden.
Eine Kooperation mit den gemäßigten, republiktreuen bürgerlichen
Parteien schloss dabei die SPD nicht aus, verfolgte also eine ausgeprägte
Toleranzpolitik.
Das führte allerdings auch zu heftigen Flügelkämpfen innerhalb
der SPD, da nicht alle Genossen diesen Kurs mittragen wollten.
Deutsche Demokratische Partei (DDP)
Die DDP wurde 1918 neu gegründet.
Ihre Mitglieder entstammten vor allem zwei Parteien des Kaiserreichs,
der Fortschrittlichen Volkspartei und der Nationalliberalen Partei.
Als linksliberale Partei lehnte die
DDP eine umfassende Sozialisierung der Produktionsmittel ab, befürwortete
diese aber in einem begrenzten Rahmen. Sie lehnte außerdem jedwede
Militärherrschaft und Diktatur ab, und trat für
die konsequente Trennung von Staat und Kirche ein.
Außenpolitisch forderte die DDP die Revision
des Versailler Vertrages und in diesem Zusammenhang die Gleichberechtigung
Deutschlands in der internationalen Politik.
Die DDP verlor von Wahl zu Wahl immer mehr Stimmen und spielte zum Ende
der Weimarer Republik politisch fast keine Rolle mehr.
Deutsche Volkspartei (DVP)
Ebenfalls im Jahre 1918 wurde die DVP als Nachfolgepartei der bereits 1866 gegründeten Nationalliberalen
Partei gegründet. Ihre Mitglieder waren mehrheitlich Angehörige
der bürgerlichen Oberschicht Deutschlands,
besonders Industrielle.
Die DVP verfolgte deshalb einen politischen Kurs, der sowohl die Bewahrung
des Privateigentums als auch die Sicherung der traditionellen Freiheitsrechte des Liberalismus zum Ziel hatte. Das politische Ideal der Partei
war eine starke zentrale Staatsgewalt.
Dabei wurde eine Monarchie nicht ausgeschlossen. Die Trennung
von Staat und Kirche sollte jedoch erhalten bleiben. In der Außenpolitik forderte die DVP ebenfalls die Revision
des Versailler Vertrages und die deutsche Selbstbestimmung auf
internationaler Bühne. Unter dem Einfluss GUSTAV STRESEMANNs
begann die DVP allerdings auch eine Politik der internationalen Aussöhnung
zuverfolgen, was zwangsläufig zu heftigen innerparteilichen Flügelkämpfen
führen musste.
Deutsche Zentrumspartei (Zentrum)
Wie auch die Sozialdemokratie, hatte das bereits 1870 gegründete Zentrum den Zusammenbruch des
Kaiserreiches nach dem Ersten Weltkrieg überstanden.
Die weltanschauliche Grundlage, die die Mitglieder des Zentrums verband,
war der politische Katholizismus. Die
Partei trat deshalb dafür ein, dass der Kirche eine besondere verfassungsmäßige Stellung im Staat, vor allem
aber in der Kulturpolitik eingeräumt wurde. Politische Zielsetzung
des Zentrums war ansonsten auch der zentral
organisierte Staat, dessen Gesellschaft allerdings streng nach
ständischen Gesichtspunkten gegliedert sein sollte.
Außenpolitisch gehörte das Zentrum zur Gruppe der Parteien,
die eine Revision des Versailler Vertrages anstrebten.
Im Unterschied zu anderen Parteien besaß das Zentrum eine breit
gefächerte Wählerschaft. Sie rekrutierte sich genau so
aus katholischen Arbeitern Westdeutschlands und Oberschlesiens und aus
den bürgerlichen Mittelschichten, wie auch aus Großgrundbesitzern
und Großindustriellen. Das ermöglichte der Zentrumspartei die
taktische Verlagerung ihrer jeweiligen politischen Schwerpunktsetzungen:
einmal mehr nach rechts, andermal mehr nach links.
Letzteres war auch der Hauptgrund dafür, dass das Zentrum von 1919
bis 1932 durchgängig in der Regierung der Weimarer Republik vertreten
war.
Bayerische Volkspartei (BVP)
Die 1918 als bayerischer Ableger des Zentrums gegründete BVP stand dem Zentrum
nahe. Politisch verfolgte sie einen sehr konservativen
Katholizismus. Außerdem betonte sie in ihrer Politik einen staatlichen Föderalismus mit weitgehender Souveränität der Bundesländer,
wie er zu Zeiten der bismarckschen Reichsverfassung existiert hatte.
An der Spitze dieses föderalistischen Staates bayerischer Prägung
sollte ein Monarch stehen.
Die Partei war ab 1924 an mehreren Regierungen beteiligt. Bis 1932 bestand
ein Wahlbündnis mit dem Zentrum.
Deutschnationale Volkspartei (DNVP)
Die DNVP wurde ebenfalls 1918 gegründet.
Sie war das Zerfallsprodukt mehrerer konservativer sowie einiger kleiner,
teilweise antisemitischer Parteien des Kaiserreichs. Ihre Wählerschaft
bestand sowohl aus Großgrundbesitzern,
Großindustriellen und hohen Beamtem als auch aus Teilen des Kleinbürgertums, des Handwerks und der
Arbeiterschaft. Politisches Hauptziel der DNVP war ein starker
Staat, der am besten als Monarchie organisiert sein sollte, in der es keine Trennung
von Staat und Kirche. In der Sozial- und Wirtschaftspolitik trat
die DNVP einerseits für die Stärkung
der Arbeitnehmerrechte ein. Andererseits forderte sie den Schutz
des Privateigentums, den Abbau aller zwangswirtschaftlichen Maßnahmen
und die Förderung des Mittelstandes.
In der Außenpolitik verfolgte sie auch die Revision
des Versailler Vertrages und trat für ein unabhängiges
Deutschland mit einer starken Armee ein.
Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
(NSDAP)
Die NSDAP war 1919 aus Teilen der
Deutschen Vaterlandspartei und kleineren, teilweise antisemitischen Parteien
hervorgegangen. Das bunt zusammengewürfelte Programm der NSDAP machte
allen Bevölkerungsschichten Versprechungen, besonders aber dem Mittelstand,
den Arbeitern und Landwirten. Seine Kernpunkte waren vor allem rassistische und antisemitische Parolen,
wie die Behauptungen von den Verschwörungen des Weltjudentums und
des Weltbolschewismus gegen Deutschland. Außerdem wurde die Revision
des Versailler Vertrages gefordert.
Die NSDAP gab den demokratischen Parteien die Schuld für den verlorenen
Krieg und an allen Fehlentwicklungen der Weimarer Republik. Die Vertreter
dieser Parteien wurden aufs Übelste beschimpft und mörderischen
Hetzkampagnen ausgesetzt.
Die NSDAP forderte die Abschaffung der demokratischen
Republik und ihre Ersetzung durch einen stark
zentralisierten Staat. Darunter wurde vor allem eine "Führerdiktatur"
nach dem Vorbild der faschistischen Diktatur in Italien unter MUSSOLINI
verstanden. Ab 1921 war ADOLF HITLER der Parteiführer der NSDAP.