


Wandel in der Kriegführung
War im Mittelalter das Ritterheer das entscheidende Mittel zur Kriegführung, so waren es im 15. und 16.
Jh. die Söldner. Die Herrscher der
Epoche des Absolutismus (17. und 18. Jh.) benötigten zur Absicherung
und Ausdehnung ihrer Macht ständig zur Verfügung stehende Soldaten
- ein sogenanntes Stehendes
Heer.
Natürlich opferte ein Feldherr während des Dreißigjährigen
Krieges nicht blindlings seine Soldaten, denn Verluste konnten nicht von
heute auf morgen ausgeglichen werden. Die Strategie (die großräumige Vorgehensweise) zielte häufig darauf ab,
den Feind auszumanövrieren und ihn dort anzugreifen, wo er am schwächsten
war. Auch bei der Taktik (der Durchführung
einer Schlacht) gab es allmählich Veränderungen: Die großen
Formationen von Soldaten, im Extremfall bis zu 70 Reihen hintereinander,
wurden durch kleinere und damit auch beweglichere ersetzt.
Das
Söldnerdasein in der Theorie
Im Dreißigjährigen
Krieg waren die Söldner, ihre
Ausbildung, Bewaffnung und ihre Motivation die bestimmenden Elemente der Kriegführung.
Bei der Ausbildung fing man in dieser Zeit mit so etwas wie dem militärischen
Drill an. Die Artillerie war mit Kanonen der
verschiedensten Kaliber (Durchmesser der Kugeln oder Innendurchmesser der Rohre)
ausgerüstet. Die meisten Söldner hatten Musketen (Vorderlader), andere meterlange Hellebarden.
Recht unterschiedliche Motive führten
zu der Entscheidung, Söldner zu werden. Manche jungen Männer
trieb die wirtschaftliche Not zu diesem Schritt (auch Kinder wurden als
Söldner angeworben), andere suchten das Abenteuer oder hofften auf
Beute, auch entschlossen sich etliche wegen religiöser Verfolgung
zum zeitlich begrenzten Kriegsdienst. Manchmal war es ganz einfach eine
Art und Weise, den Lebensunterhalt zu verdienen.
Für manche sah das Söldnertum zunächst recht positiv aus: Der Soldat bekam seinen Sold und wurde verpflegt, er trug vielleicht eine
schicke Uniform, und er lief mit einer Waffe herum, was dem normalen Bürger
nicht gestattet war. Auch unterstand er nicht mehr der bürgerlichen Gerichtsbarkeit;
über ihn urteilte im Konfliktfall ein Militärgericht.
und in der Praxis
Der Drill, die Erlernung des "Kriegshandwerks", war keine angenehme
Angelegenheit. Nicht selten kam es zu Verletzungen und auch schon mal
zu Todesfällen. Je länger der Krieg dauerte, desto teurer wurde
er. Trotz finanzieller Unterstützung durch verbündete Territorien
und Staaten reichte oft das Geld zur Entlohnung der Söldner nicht aus. Und so wurde der Sold oftmals verspätet
gezahlt, oder die Zahlungen blieben ganz aus.Es haperte immer wieder an einer
ordnungsgemäßen Verpflegung. Dann wurden die Städte gezwungen,
Fleisch, Brot und Bier zu liefern. Viele Söldner holten sich bei der Bevölkerung
gewaltsam, was ihnen ihr Kommandeur nicht geben konnte oder wollte. Nicht nur
für das Heer des Feldherren WALLENSTEIN
galt bald die Devise:
"Der Krieg ernährt den Krieg".
Es kam schon vor, dass Söldner von dem elenden Soldatenleben und von
dem Gemetzel genug hatten und sich unerlaubt auf und davon machten, sie desertierten.
Etwa die Hälfte derer, die wieder aufgegriffen wurden, wurde zum Tode verurteilt
und häufig aufgehängt - zur Abschreckung.
So etwas wie eine medizinische Betreuung für verwundete
Soldaten gab es natürlich nicht. Auf den Schlachtfeldern
sah es wüst aus: Zwischen toten Pferden und zerstörtem Kriegsgerät
lagen Tote und schreiende Verwundete. Wurde ein Heer nach einem Feldzug,
der sich auch über Jahre erstrecken konnte, aufgelöst, standen
die Söldner häufig mittellos da, oft Hunderte von Kilometern
von ihrer Heimat entfernt.
Konfession und Nationalität
In der Anfangszeit des Dreißigjährigen Krieges spielte die
Religionszugehörigkeit der Söldner
noch eine Rolle. Die Soldaten des kaiserlichen Feldherrn TILLY waren durchweg
katholisch, die des Schwedenkönigs GUSTAV ADOLF waren evangelisch.
Mit der Fortdauer des Krieges stieg der Bedarf an Söldnern, und da
kam es nicht mehr darauf an, welcher Religion der Söldner angehörte
oder auch welcher Nationalität er war. Gefangen genommene Soldaten
wurden dazu überredet oder boten sich an, auf der Seite des bisherigen
Gegners weiter zu kämpfen. So war es nicht selten, dass sie dann
gegen ihre bisherigen Kameraden ins Feld zogen.
Die
Leiden der Bevölkerung
Die vom Dreißigjährigen Krieg am meisten betroffenen Gebiete
waren die Mitte Deutschlands sowie der Osten und der Südwesten, und
dabei vor allem Orte, die an den großen Durchgangsstraßen lagen. Dass die Bewohner befestigter Städte besser dran waren als
die Bevölkerung auf dem Land ist einsehbar. Ausnahmen bezüglich
einer Stadt gab es nur dann, wenn sie nach einer Eroberung
geplündert wurde. Dann nahmen die Söldner mit, was sie
gerade noch tragen oder irgendwie abtransportieren konnten. Adlige Kriegsherren
begingen Kunstraub. Sie stahlen
aus Bürgerhäusern und aus Kirchen wertvolle Bilder, Statuen
oder sonstige Gegenstände.
Die Heere der damaligen Zeit legten zu Fuß oftmals mehrere Tausend
Kilometer zurück.
Zudem waren Truppen der verschiedensten Herren "unterwegs".
So kam es, dass Orte binnen kurzer Zeit von durchziehenden Söldnerscharen
aus gegeneinanderkämpfenden Heeren heimgesucht wurden. Die Soldaten
nahmen sich gewaltsam, was sie brauchten: Lebensmittel, Vieh, Getreide.
Manche nahmen auch Wertgegenstände mit oder vergingen sich an den
Frauen. Aus Frust, manchmal auch um den nachfolgenden feindlichen Truppen
zu schaden, wurden Häuser, Höfe und ganze Dörfer angesteckt.
Angesichts herannahender feindlicher Truppen floh die Bevölkerung
und versteckte sich in der Umgebung.Durch grausame Folterung
der Bewohner versuchten manche Söldnerführer Informationen über
den Gegner herauszubekommen. Berüchtigt war diesbezüglich der "Schwedentrunk"
der Soldaten GUSTAV ADOLFS. Man steckte einem gefesselten und auf dem Rücken
liegenden Mann einen Keil in den Mund und goss Jauche hinein, um so ein Geständnis
zu erzwingen.
Wie bei jeder militärischen Auseinandersetzung gab es auch
im Dreißigjährigen Krieg sogenannte Kriegsgewinnler.
Bergwerke, Verhüttungsbetriebe und die für den Krieg produzierende Industrie
verdienten gut am Verkauf von Waffen, Munition und Ausrüstungsgegenständen.
Seuchen, Pest und Hungersnöte
Die Grausamkeiten der durchziehenden Truppen hatten noch weitere negative
Folgen.
Waren die Erntevorräte geplündert, die Felder verwüstet,
kam es regelmäßig zu Hungersnöten.
Hinzu kamen Seuchen wie Grippewellen,
Durchfallerkrankungen (die Rote Ruhr) und Typhus. Die Ursachen hierfür
waren nicht nur kriegsbedingt. Aufgrund mangelnder Hygiene und fehlender
Abwasserkanäle kam es zu Epidemien.
Eine zu flache Bestattung der Verstorbenen hatte zur Folge, dass Regenwasser
über die Friedhöfe in das Grund- bzw. Trinkwasser gelangen konnte.
Das Schreckenswort dieser Zeit hieß Pest.
Sie wurde schon Mitte des 14. Jh. aus Asien nach Europa eingeschleppt.
Es handelte sich um eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit,
wobei der Pesterreger von Nagetieren (z. B. Ratten) über infizierte
Flöhe (den Rattenfloh) oder bei Verletzungen durch Nagetiere (Biss-
oder Kratzwunden) auf den Menschen übertragen wurde.
Da man die Übertragungsarten und -wege nicht kannte, konnte man
sich auch nicht wirksam schützen. Wem es möglich war, der floh
bei Ausbruch der Pest in weit entfernt gelegene Orte. Am ehesten konnten
Adelsfamilien auf andere Besitzungen (z. B. Burgen) fliehen. Wie
schon im Mittelalter suchte man nach Schuldigen, nach Sündenböcken. So kam es zu Hexenverbrennungen und Judenverfolgungen.
Ende und Folgen des Dreißigjährigen Krieges
Schon Jahre vor dem Abschluss des Westfälischen
Friedens machte sich Kriegsmüdigkeit breit. Seit 1644 wurde
schließlich in Münster
und Osnabrück verhandelt, wobei in einzelnen Landstrichen noch
bis 1648 hinein Krieg geführt wurde. Schien das sog. Kriegsglück
auf der Seite einer der verhandelnden Parteien zu stehen, wurden die Verhandlungen unterbrochen, um von einer verbesserten Position aus weiter zu verhandeln.
Zur allgemeinen Erleichterung hörte das große Gemetzel 1648
auf.
Der Friede war aber unter ungeheuren Verlusten erkauft. Etwa 40 % der Gesamtbevölkerung waren ums Leben gekommen.
In den am schlimmsten betroffenen Gebieten waren dies oftmals 60-70 %.
Dabei waren die Verluste in den
Städten geringer als auf dem Land.
Zu den Verlusten unter der Bevölkerung kamen noch die zerstörten
Häuser und Gehöfte (manchmal waren ganze Dörfer niedergebrannt
worden), die verwüsteten Felder, gestohlenes Vieh und die vernichteten
Erntevorräte. Trotz der Wiederaufbauhilfen
einzelner Landesherren kam es erst nach Jahrzehnten zu einer wirtschaftlichen
Erholung.
Die landwirtschaftlich bebaubare Fläche hatte sich verringert, Handel
und Gewerbe gingen zurück. Eine genauere oder verallgemeinernde Einschätzung
der Schäden und der Entwicklung nach dem Krieg kann nicht
vorgenommen werden, zumal schon zu Beginn des 17. Jh. ein Stillstand in
der wirtschaftlichen Entwicklung eingetreten war.
Die politische Folge des
Dreißigjährigen Krieges war ein Erstarken der Einzelstaaten
und hier vor allem Preußens. Das Kaisertum und damit das Gesamtreich war erheblich geschwächt.
Die Macht der Habsburger, die bis zum
Jahre 1806 den deutschen Kaiser stellten, beschränkte sich hauptsächlich
auf ihre Kronlande: Österreich, Böhmen, Ungarn, sowie Gebiete
in Norditalien.